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Tagung: »NS-Kunst«? »Nachkriegskunst«? Kontinuitäten und Brüche in den Künstlerbiographien 1937/38 bis 1955

Tagungen und Symposien 02.11.2017–25.11.2017

Universität der Künste Berlin, Berlin, Deutschland

Lange Zeit wurden die Zäsuren »des NS-Staats« von 1933 und 1945 als Grenzen für geschichts- und kunstwissenschaftliche Fragestellungen gesetzt. Die jüngere Forschung zum Thema »Künstler im Nationalsozialismus« zeigte jedoch, dass die Künstlerbiographien längere Entwicklungsverläufe aufweisen, die über die politischen Systemwechsel hinweg reichen und diesen nur in Teilen unterworfen waren. Die neue Tagung fragt nun spezifischer nach Kontinuitäten und Brüchen zwischen der zweiten Phase der nationalsozialistischen Kulturpolitik um 1937/38, dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus 1945 und der Nachkriegszeit bis um 1955. 1937 war das Schlüsseljahr der »radikalen« Einschreibung von Grenzen einer national sowie „arisch“ definierten »deutschen Kunst«, die durch die beiden Ausstellungen in München markiert wurden: der ersten »Großen Deutschen Kunstausstellung« (GDK) und der Komplementärausstellung, die die angeblich »Entartete Kunst« davon abgrenzen sollte. Damit waren die kunstpolitischen Ziele der »Säuberung« klarer markiert und die stigmatisierten Künstler wurden aus dem staatlichen Kunstbetrieb entfernt. Demgegenüber richteten sich nach 1945 die Bemühungen um »Entnazifizierung« darauf, einen personellen Bruch zur NS-Kunst durchzusetzen und eine demokratische »Nachkriegskunst« zu ermöglichen. Politische Aufladungen der künstlerischen Arbeitsweisen und Geschmackswandel überlagerten einander bis etwa 1955. Ein Schwerpunkt unseres Erkenntnisinteresses kreist um die »NS-Belastungen« und um Umgangsweisen damit nach 1945. Einen Focus bildet die für die NS-Kunstpolitik bedeutsame Berliner Kunsthochschule. Nach 1945 stellte zunächst die Berufung von „verfemten“ Künstlern der modernistischen Entwicklung zwischen 1905/10 und den dreißiger Jahren eine Wiedergutmachung (Karl Hofer, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff) dar. Der pluralistische Neubeginn wurde jedoch schon um 1950 durch Freund-Feind-Stereotypen unterbrochen, Heinrich Ehmsen, Gustav Seitz und andere wiederum zum Wechsel zwischen West und Ost genötigt.