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Im Gleichgewicht – Karin Blum / Meide Büdel, Kunstvilla Nürnberg, bis 3. April 2016

Die Kunstvilla Nürnberg zeigt im Winter 2015/16 mit Karin Blums Papierarbeiten und den Skulpturen Meide Büdels zwei Positionen aus Nürnberg. Die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierenden Werke Blums und Büdels engergiegeladene, minimalistische Skulpturen treten in einen Dialog und zeigen neue Ideen für die Medien Collage, Zeichnung und Skulptur.

Blick in den Ausstellungsraum 3, mit Werken von Rosa Brill-Ulsamer, Hilde von Collande, Gisela Habermalz und Linde Kruck-Körner, Foto: Annette Kradisch, Nürnberg © Kunstvilla im KunstKulturQuartier
Blick in den Ausstellungsraum 3, mit Werken von Rosa Brill-Ulsamer, Hilde von Collande, Gisela Habermalz und Linde Kruck-Körner, Foto: Annette Kradisch, Nürnberg © Kunstvilla im KunstKulturQuartier

Seit dem 22. Oktober 2015 sind in der Kunstvilla Werke der beiden, seit ihrem Studium an der Nürnberger Kunstakademie hier ansässigen Künstlerinnen Karin Blum (geb. 1947 in Gunzenhausen) und Meide Büdel (geb. 1961 in Bad Mergentheim) zu sehen. Karin Blum ist vor allem durch ihre zarten kleinformatigen Arbeiten auf Papier bekannt. Die Ausstellung zeigt auch ihre aktuellen großformatigen Werke und stellt sie in einen Dialog mit den Skulpturen von Meide Büdel. Während Blums Collagen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changieren und ihre zeichnerischen Figurationen an surreale Traumwelten erinnern, vertraut Büdel auf die Spannung zwischen verschiedenen Materialien. Deren Eigenschaften verleihen ihren minimalistischen Skulpturen eine Energie, die auch kinetisch wahrnehmbar sein kann. Die Oberflächentexturen ihrer Werke lassen zudem an Fundstücke aus einer anderen Zeit denken. Sie verweisen wie die Arbeiten von Karin Blum auf ein dem Menschen innewohnendes Streben nach äußerer wie innerer Balance.

Von Anbeginn beinhaltete das Schaffen von Karin Blum neben der zeichnerischen Untersuchung der menschlichen Figur als Akt und idealisierte Porträtdarstellung die Einbindung verschiedener Materialien. Heute gehört sie zu den wenigen Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern, die sich vollständig dem Medium der Collage verschrieben haben. Die Collage als Arrangement von Papieren, Stoffen, Fotografien und Fundstücken wurde zu Beginn des 20. Jh. als Antwort auf die gesellschaftlichen Umbrüche zum Gestaltungsprinzip erhoben. Noch heute verbildlichen Collagen eine vielschichtige Weltsicht. Ihr Assoziationsreichtum beruht auf der Verbindung teils disparater Fragmente, die Innen- wie Außenwelten entnommen sein können. Die Ausstellung gibt mit rund 30 Werken einen Überblick über das in den letzten zehn Jahren entstandene ebenso lyrische wie symbolhafte Oeuvre von Karin Blum.

Als Bildhauerin gehört Meide Büdel zu den renommiertesten Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern im Bereich „Kunst im öffentlichen Raum“. Ihre in Form und Material reduzierten, dabei meist großangelegten Freiplastiken finden sich auf Plätzen und in Kirchen nicht nur in Nürnberg, sondern in ganz Bayern. Ähnlich wie die Collage die Malerei und den einheitlichen Bildraum revolutionierte, ließ die Skulptur in den letzten Jahrzehnten traditionelle Werkstoffe wie Bronze und Marmor hinter sich und überwand ihre überkommene Statuarik. Die fast 30 für die Ausstellung ausgewählten Wand-, Decken- und Bodenarbeiten zeigen Meide Büdels spielerischen Umgang mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die in ihren zeichenhaften Werken außer Kraft gesetzt erscheinen. Eigens für die Ausstellung entstand die ortsbezogene Installation „Contactus – Berührung“, die die Besucherinnen und Besucher im Foyer der Kunstvilla begrüßt.

Neben der Sonderausstellung „Im Gleichgewicht – Karin Blum / Meide Büdel“ im Dachgeschoss präsentiert die Kunstvilla in ihrem Erdgeschoss und Obergeschoss die Dauerausstellung zur regionalen Kunstgeschichte ab 1900 mit fast 80 thematisch gehängten Werken. Im Zuge der Sonderausstellung mit zwei Künstlerinnen fand auch ein Szenenwechsel unter dem Motto „Die Kunstvilla wird weiblich!“ in der Dauerausstellung statt. Der Szenenwechsel holt dabei heute fast vergessenen Künstlerinnen Rosa Brill-Ulsamer, Hilde von Collande, Antonie Dannenberg, Gisela Habermalz, Linde Kruck-Körner, Maria Theresia Mecke-Steger, Margarete Melzer-Gütt, Dore Meyer-Vax und Lily Wieszner-Zilcher aus dem Schatten ihrer männlichen Kollegen. Um 1900 geboren, wagten diese Künstlerinnen den Schritt in ein Leben, das ihnen nicht nur Freiheit, sondern häufig auch Entbehrungen bereithielt.

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