Meldungen zum Kunstgeschehen

6. art Karlsruhe vom 5. bis 8. März 2009

Zum 6. Mal findet die Messe art Karlsruhe statt, und es scheint ganz so, als würde die anfangs als provinzielle Kunstschau kritisierte, dann argwöhnisch beäugte und schließlich respektvoll bedachte Mini-Messe zu einem Schwergewicht im Kunstrummel zu werden. Dazu hat sicher beigetragen, dass Berlin die badische Messe ins Visier genommen hat und in diesem Jahr mit einem »Galerienblock« – einem Areal mit 15 vom Berliner Senat unterstützten One-Artist-Shows – vertreten ist. Zudem ist eine weitere Ausstellungshalle hinzugekommen, um die die auf rund 200 Galerien gewachsene Kunstlandschaft auch gebührend präsentieren zu können. Günter Baumann hat sich auf der Messe für Portal Kunstgeschichte umgesehen.

Freilich, der Erfolg eines solchen Unternehmens steht und fällt mit der Kaufkraft und dem Kaufwillen der (großen und kleinen) Sammler in Zeiten schweißtreibender Hiobsbotschaften allerorten. Doch abgesehen davon, dass man ohnehin auf etliche moderate Preise stößt – etwa bei den Aluminiumarbeiten von Hubertus von der Goltz (Galerie Kasten, Mannheim) – , darf man nach den Talfahrten der Aktien usw. Kunst auch als Wertanlage ansehen. Denn das scheint nach der Beruhigung in der hochgezüchteten Bugwelle der Leipziger Schule, die oft weder örtlich noch institutionell eine solche war, auf soliden Beinen zu stehen.

Nach wie vor überwiegen die figurativen Positionen, die jedoch in einer grandiosen Vielfalt jegliche einengende Schulfixierung vom Tisch fegen. Was man an Gemeinsamkeiten feststellen kann oder doch erfreulich oft zu Gesicht bekommt, ist das gewachsene Bewusstsein für das Handwerkliche. Der junge Igor Oleinikov (geb. 1968; Galerie Döbele, Dresden), der zu den stärksten Künstlern der Messe gehört, vermag beispielsweise fragmentierte Gesichter zu monumentalisieren und malerisch bzw. zeichnerisch so raffiniert umzusetzen, dass man die unheimlich dichten Geschichten dahinter zum Greifen nah wähnt. Nicht anders ist es bei dem nur wenig jüngeren Eckart Hahn (geb. 1971; Galerie Rothamel, Erfurt), der malerisch akribisch und neuerdings auch plastisch die in der Religion und in symbolischem Denken tradierte Welt aus den Fugen bringt und ironisch in Frage stellt. Ihm kommt Volker Blumkowski (Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart) recht nahe, der mit seinen gewitzten, zuweilen von Magritte inspirierten Erkundungen der Realität längst da war, als die »Leipziger Schule« allenfalls eine Leipziger Schule war, und der nun – dank dieser – zu den wichtigen Malern gehört. Mit comic-nahen Elementen lässt Tillmann Damrau (Galerie Wagner + Marks, Frankfurt am Main) seine Protagonisten linkisch durch die unbegreifliche Gegenwart tapsen, souverän zwischen Malerei und Zeichnung changierend. Selten, aber immerhin begegnet man auch politisch motivierter Kunst, wie etwa im Asylbilder-Zyklus von Rolf Zimmermann (Galerie Knecht, Karlsruhe).

In der Plastik halten sich die abstrakten und figurativen Arbeiten die Waage. Spannend sind sie vor allem da, wo die Grenzen dazwischen zu fließen beginnen, wie in den »Giants« von Ewerdt Hilgemann (Galerie Neher, Essen) oder Franz Bernhard (Galerie Ruppert, Landau), wo mit minimalen Strukturen – im Figurativen – vollplastische Denk-Mal-Damen entstehen wie bei Wolfgang Thiel (Galerie Gottschick, Tübingen) oder - im Abstrakten – altartaugliche Triptychen wie bei Dieter Kränzlein (Galerie Obrist, Essen). Unter den Fotografen, die in diesem Jahr etwas in den Hintergrund treten, muss man zumindest Eva Schmeckenbecher (Galerie Kränzl, Göppingen) erwähnen, die großen Formaten mit dem Messer zu Leibe rückt. Und mit Franziska Schemel (Galerie Mollwo, Riehen/Basel) setzt noch eine Frau auf Fotografie, geht aber in grandios durchkomponierten Gemäldeobjekten darüber hinaus. Es ist übrigens nicht leicht, die weibliche Beteiligung insgesamt über den Daumen gepeilt zu bemessen – aber man kann vermuten, dass die männliche Zunft überwiegt.

Wer allerdings glaubt, es seien vorwiegend gegenständliche Werke in Karlsruhe zu sehen, täuscht sich. Ganz beachtlich ist etwa ein fast so zu nennender Stuttgarter Block aufgestellt mit den Galerien Harthan, Mueller-Roth und Sturm, die so fulminante Künstler im Programm haben wie Madeleine Dietz mit neuen Raumobjekten aus Eisen und Erde, Herman de Vries sowie Thomas Müller mit minimalistischen Arbeiten. Besondere Erwähnung verdienen in diesem »Block« die gleichsam reduzierten und intensiven Arbeiten von Spomenko Skrbic (Galerie Mueller-Roth), der das Zeug hätte, den diesjährigen Preis der Messe zu erhalten, wenn der Galerist nicht schon im vergangenen Jahr mit Reto Boller ausgezeichnet worden wäre.

So darf man gespannt sein, wer von den Hunderten exzellenten Teilnehmer(inne)n am Freitag, 6. März, auserkoren wird, weil deren bzw. dessen Werk die denkwürdigen Zeichen der Zeit am überzeugendsten vermitteln kann. Wie auch immer, die Karlsruher Messe ist ein außerordentliches Ereignis, mehr denn je.

 

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Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Samstag 12 - 20 Uhr
Sonntag 11 bis 19 Uhr