Ausstellungsbesprechungen

„museale 09 – Michel Majerus“ Ausstellung im Saarlandmuseum in Saarbrücken bis 25. Oktober 2009

Bis zum 25. Oktober 2009 präsentiert die Moderne Galerie im Saarlandmuseum in Saarbrücken Werke von Michel Majerus, der zu den einflussreichsten bildenden Künstlern der letzten Jahre zählt. Die Ausstellung ist Teil der „museale“-Reihe, einer Kooperation der Sparda-Bank Südwest eG mit sechs Kunstmuseen in Rheinland-Pfalz und im Saarland. 200.000 Euro stellt die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank Südwest eG jährlich für die museale zur Verfügung. Mit der museale 09 wurde dem Saarlandmuseum so der Ankauf des Werkes „Liebt Euch 1“ von Michel Majerus ermöglicht, das nun einen zentralen Bestandteil der Präsentation bildet.

„Majerus’ Sensibilität und Aufgeschlossenheit für die komplexe visuelle Kultur der Gegenwart und sein unvoreingenommener Umgang mit der grenzenlosen Bilderflut einer medial bestimmten Lebenswelt [sollte] unseren Begriff von zeitgenössischer Malerei radikal erweitern“, wie Kathrin Elvers-Švamberk es in ihrem spannend zu lesenden Katalogbeitrag formuliert. Im Œuvre Majerus’ gehen großformatige Wandmalerei, Tafelbilder und raumgreifende Installationen neuartige und wegweisende Synthesen ein. Und so kombiniert er Motive aus unserem medial geprägten Alltag – etwa aus Werbeindustrie, Typografie oder Pop- und Videokultur – mit ganz unterschiedlichen Darstellungstraditionen der jüngeren Kunstgeschichte. Er selbst erklärt, dass der Betrachter in seinen Arbeiten „bereits zubereitete Dinge als Ausgangsmaterial vorfindet, also keine abstrakten Zutaten, die am Ende erst erkennbar werden, sondern schon Sachen, die am Anfang bereits eine Zuordnung erhalten haben, sich dann aber später verlieren und dem Betrachter die zugesicherte Bedeutung verwehren. Die Sicherheit der endgültigen Aussage gibt es“ bei Majerus also nicht.

Mit „Liebt Euch 1“ von 1999, das zentral in der Ausstellung positioniert ist, rekurrierte der Künstler auf die von Christian Boros entworfene Kampagne für den Musiksender VIVA. Majerus griff dabei primär die psychedelischen, neonfarbenen Kreisformationen jener Anzeige auf, die als eine Art Wolke der restlichen Darstellungsebene vorgelagert ist. Auf der zweiten Ebene dann ist ein Computerprint integriert, das auf der linken Bildeinheit eine Frau an einem Frühstückstisch im Freien und auf den sich anschließenden drei Bildteilen Joints rauchende Frauen zeigt. Darüber prangt der titelgebende Slogan in leuchtendroten Lettern, die den unterschiedlichsten Typografien entstammen. Wenngleich die Aufnahmen der Frauen auf Ideale und Lebenshaltung der 68er-Generation anspielen, so bleibt die Botschaft dennoch in der Schwebe: „Die zitierte Losung“, so Elvers-Švamberk, „der einstmals inbrünstig formulierte Aufruf zur gegenseitigen Liebe, nimmt der heutige Betrachter in diesem Kontext kaum anders wahr als die Hunderte und Tausende von Slogans und Logos, mit denen ihn Werbung und Medien täglich konfrontieren“. Zudem wählt Majerus nicht die leuchtenden, warmen Farben, die jene Flowerpower transportieren könnten, sondern das kalte, neonfarbene Leuchten einer schnelllebigen Videokultur.

Gerahmt wird dieses großformatige Werk von einer vierzigteiligen Porträtserie aus dem Jahr 1999. Schnappschussartige, quadratische Schwarzweiß-Fotografien zeigen vier Frauen, den Künstler sowie einen DJ, der jedoch nicht in Person, sondern symbolisch durch seinen Plattenspieler dargestellt ist. Diese sechs prägnanten Motive in unterschiedlicher Farbintensität wechseln sich in unregelmäßiger Reihung ab und bringen neben Lebensfreude und Übermut eine Dynamik in den Ausstellungsraum, die jedoch nicht ausschließlich positiv konnotiert ist. Daniel Völzke erfasst diese Schwebesituation pointiert, wenn er schreibt: „Wie bruchstückhafte Erinnerungen an einen Rausch stimmen sie [die Porträts] ein auf die großformatige Majerus-Welt, deren Wucht und pralle Unwirklichkeit manchmal ins Monströse kippt.“

Umgeben sind die Arbeiten Majerus’ in der Sammlung des Saarlandmuseums etwa von Werken Wawrzyniec Tokarskis, Helmut Dorners, Francis Berrars, Sigmar Polkes oder Vincent Tavennes und treten damit in einen fruchtbaren Dialog, der Antworten auf ein Fortbestehen von Kunst in einer zusehends schnelllebigeren, medial beeinflussten Zeit zu geben versucht.

Mit „museale 09 – Michel Majerus“ hat die Sparda-Bank nicht nur dem Saarlandmuseum, sondern ganz besonders den Besuchern eine große Freude bereitet. Die Präsentation überzeugt durch eine einfühlsame Integration von „Liebt Euch 1“ und der Porträtserie in das Raumgefüge und nicht zuletzt durch Michel Majerus’ qualitativ hochwertige Arbeiten. Denn diese sind temporeich, sprengsätzig, fremd und vertraut, scharfsichtig und mit einem irren Gespür für die medialen Abgründe und fügen sich – wie Dr. Ralph Melcher betont – „hervorragend in die bestehende Sammlung [des Saarlandmuseums] ein und weisen zugleich über sie hinaus.“ Ein Museumsbesuch sollte daher auf jeden Fall eingeplant werden!

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der leider nur im Museum erhältlich ist.

Ihren Kundinnen und Kunden schenkt die Sparda-Bank für die Dauer der Ausstellung den Museums-Eintrittspreis. Bis zum 25. Oktober haben diese gegen Vorlage Ihrer EC-Karte freien Eintritt in die Präsentation.