Ausstellungsbesprechungen

„Von Amts wegen“ Photographien von Benedikt Steinmetz, Architektenkammer des Saarlandes, bis 24. August 2009

Mit der Ausstellung „Von Amts wegen“ zeigt das Haus der Architekten in Saarbrücken die Arbeiten des saarländischen Photographen Benedikt Steinmetz. Auf der Suche nach „Lebendigkeit im formellen Raum“, hat sich der Künstler auf Streifzüge durch die saarländische Landesmetropole begeben und dabei in Schwarzweißaufnahmen überraschende, skurrile und nicht selten humorvolle Bruchstellen in architektonischen Gefügen der Amtsgebäude neu entdeckt.

Wenn der Bürger im Alltag mit der Staatsmacht in Kontakt kommt, dann nicht mit der Welt der Politik, wie sie - gerade im Wahljahr 2009 - in den Medien allgegenwärtig ist. Es kann keine Berührungspunkte mit der Fiktion des Staates geben, wie er sich auf heimischen Bildschirmen zeigt, denn es sind Amtsstuben, Behörden oder Verwaltungen – eben die akkurate, sterile, ja bisweilen „staubtrockene“ Kehrseite der glanzvollen Staatsmacht –, mit denen der Bürger leben muss. Dieses Auftreten des Staates prägt genauso unsere Wahrnehmung wie die Allgegenwärtigkeit von Ämtern das Stadtbild mitgestalten.

Wie präsentiert sich aber der Staat im Alltag des Bürgers, im Erscheinungsbild seiner Stadt, in seinem Lebensraum? Sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Architektur dem Zufall oder der Funktion geschuldet? Wird die Architektur zum Ausdrucksträger, zum steinernen Repräsentanten des staatlichen Selbstverständnisses? Mit diesen Fragen hat sich Steinmetz in seinen aktuellen photographischen Werken auseinandergesetzt. Seine Aufnahmen von verschiedenen, über Saarbrücken verteilten Behörden und Verwaltungen werden in der Präsentation spannungsreich einander gegenübergestellt. Dergestalt fordern sie den Betrachter heraus, Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Fassaden zu erkunden und eigene Antworten auf die Fragen der Einflussnahme durch das architektonische Erscheinungsbild staatlicher Macht zu finden.

Bereits der Titel „Von Amts wegen“ ist von Ironie gebrochen und verdeutlicht infolgedessen, dass dem Photographen nicht an einer statischen, konventionellen Architekturphotographie gelegen ist. Vielmehr interessieren ihn überraschende Details, das Umschlagen und plötzliche Kippen von Stimmungen, das Aufspüren baulicher Ordnungssysteme und deren ästhetisches Zusammenwirken. Dadurch nehmen in Steinmetz’ Werken dynamische Elemente – wie die horizontalen Fensterfluchten des Finanzministeriums – oder scheinbar Zufälliges – so die Spiegelungen in einem Fenster des Jugendamtes – leise, aber mit nachhaltiger Wirkung Einzug. Es ist das Aufeinandertreffen von Hintersinn und Humor in der Bildgestaltung mit der klaren, bisweilen abstrakten, reduzierten Formensprache der Architektur, welches den Arbeiten und der Ausstellung ihren Charakter verleiht.

Mit wachem Auge unternimmt Steinmetz Streifzüge durch Saarbrücken und fängt in Schwarzweiß Linienverläufe, Kanten, Winkel und Flächen der Architekturen ein. Dabei changieren seine mit Licht und Schatten spielenden Photographien zwischen Ernst und Humor, Tiefsinn und Oberfläche sowie der Feingliedrigkeit wild wuchernder Naturrelikte und der Monumentalität einer lebensfeindlichen Betonarchitektur. Und so begegnen uns Raster von Fenstern, die dem strengen, abstrakt anmutenden Bau des Finanzministeriums einverleibt sind und welche Steinmetz in ein Spannungsverhältnis mit dem auf dem Dach thronenden Bäumchen setzt, dessen Äste frech nach oben ragen.

Oder wir erblicken ein von Efeu umranktes, weißes Schild mit der nur noch bedingt lesbaren Aufschrift „Reserviert für Bedienstete des Umweltministeriums“. Ein Satz, der für sich genommen, nicht unbedingt bedacht, gewendet und gedreht werden möchte, um zu einer auch nur ansatzweise komischen Note zu gelangen. Doch durch die Intervention der Blätter und Ranken entsteht eine neue, zum Schmunzeln animierende Situation: Das Ministerium, das sich seiner Sache – der Umwelt nämlich – auch in der äußeren Erscheinungsform ganz und gar verschrieben hat, beharrt zugleich auf der bürokratischen Akkuratesse, denn – so der Zusatz in Amtsdeutsch – „unberechtigt parkende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt“.

Die Photoarbeiten von Benedikt Steinmetz sind atmosphärisch aufgeladen, formal ästhetisch, perspektivschärfend, unpathetisch und auf eine nüchterne Weise poetisch, so dass sie auch den kritischen Ausstellungsbesucher überzeugen und für sich einnehmen werden!

Weitere Informationen

Die Vernissage findet am 30. Juli 2009 um 17.30 Uhr statt.

Ein Gespräch mit dem Künstler ist darüber hinaus am Sonntag (16. August 2009) von 14 bis 18 Uhr im Ausstellungsraum möglich.

Öffnungszeiten

Mo-Do 8-16 Uhr
Fr 8-14.30 Uhr

Diese Seite teilen