Ausstellungsbesprechungen

"Peter Köcher - VERBUNDEN"

Mit der Präsentation „VERBUNDEN“ zeigt die Produzentengalerie temporärer schauraum im saarländischen Bexbach bis zum 2. Mai 2009 die neuen Facetten von Peter Köchers künstlerischem Schaffen. Dem Galeriebesucher begegnen materialexperimentelle Werke in Styropor, die geheimnisvoll umhüllt, den Blick in eine bizarre Farb- und Formlandschaft freigeben sowie Arbeiten, die aufrütteln, provozieren und dem Betrachter die Wirklichkeit ungeschönt vor Augen führen. Verena Paul hat die Ausstellung für uns besucht...

Dass der sich kontinuierlich verwandelnde Schatten inzwischen für Peter Köcher eine abgeschlossene Werkgruppe ist, steht fest. Doch bilden gerade die letzten Bilder der Serie einen interessanten Spannungspunkt zu den kleinformatigen Styroporarbeiten, die in einem Raster an zwei Wänden der Galerie angebracht sind. Diese gestauchten Kuben lassen durch eine Art Netz das Innere des weiß beziehungsweise schwarz gestalteten Hohlkörpers erkennen, in den Farbe eingedrungen ist. Die kleinformatigen plastischen Werke scheinen an der Wand zu schweben und gehorchen weder einem reihenden Ordnungssystem noch dem Zufallsprinzip – es ist eine Komposition des Künstlers, die nur bei wirklich aufmerksamer Betrachtung erschlossen werden kann.

In direkter Nachbarschaft zu jenen Arbeiten stoßen wir auf eine rechteckige Styroporkonstruktion, deren Format weitaus größer ist. Hier löst sich Köcher von der Geschlossenheit und entwickelt durch horizontale Risse Spannung, die sowohl in den Hohlkörper als auch in den Ausstellungsraum hineinwirkt. Die Risse zeigen nun deutlich die zerklüfteten Formationen, die gesprengte Materialität und den Farbregen, der in die Tiefe eingedrungen ist und nur selten das Weiß des Styropors unangetastet gelassen hat. Dieses an Emotionalität, Dynamik und Ausdruckskraft wohl kaum zu steigernde Objekt war, wie der Künstler gesteht, ein aufregendes Experiment, das uns bei der Betrachtung nicht minder ergriffen macht. Wir sind geradezu verführt, die belebte Oberfläche mit den Fingern zu erkunden und die Risse haptisch zu erfahren, um schließlich der geheimnisvollen Welt hinter dem Fadengerüst näher zu sein.

Ein absolutes Novum hat Peter Köcher aber in seinem mit Nylonstrümpfen bespannten „Vagina-Triptychon“ erzielt. Dieses dreigliedrige Wandobjekt macht den Betrachter aufmerksam, verwirrt und vielleicht provoziert es ihn auch. Warum? Nun, es ist das Zusammenspiel von Sprache und fetischistischen Elementen, das verstörend wirkt und erklärungsbedürftig ist. Dem weißen Grund des mittleren Teils wurde vorsichtig Magenta beigemischt, was eine flirrende Unruhe verbreitet. Darauf prangt in großen, klar konturierten schwarzen Lettern der chiffrierte Satz: „Meine Vagina ist auch so schön grün“. Flankiert von den beiden gleichgroßen Styroporteilen, auf die Damenstrümpfe bis an die Grenze des Zerreißens gespannt sind, artikuliert sich in diesem Ausspruch eine scharfe Kritik – die Kritik an der Vermarktung des nackten Frauenkörpers in der Werbung. Wie oft begegnen uns wohl bei der Anpreisung von Shampoos, Deodorants oder ähnlichen Pflegeprodukten im Fernsehen und auf großen öffentlichen Werbeflächen leicht bekleidete, bisweilen zu Fetischobjekten degradierte Frauen, ohne dass wir dies wahrnehmen (wollen) – im Grunde täglich. Daher versucht Köcher uns für derartige gesellschaftliche Schieflagen zu sensibilisieren. Indem er „Vagina“ als Ursprung des Lebens und „grün“ als Fruchtbarkeit in der Natur versteht, evoziert er im Triptychon eine Zerreißprobe im doppelten Sinne.

Die Präsentation „Peter Köcher – VERBUNDEN“ überzeugt durch eine klar strukturierte Hängung, die ein künstlerisches Eigenleben entstehen lässt und ganz besonders durch die expressiven, wandlungsfähigen, experimentierfreudigen und tiefsinnigen Werke des Künstlers. Fazit: Eindringliches Seherlebnis, das zum Nachdenken animiert!

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Öffnungszeiten
Di, Do, Fr von 14-19 Uhr
Sa 9-13 Uhr

Eintritt: frei