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»Zwölfbrüder-Bücher«: Digitalisierung der wichtigsten Bildquelle zum mittelalterlichen Handwerk

Die bedeutendsten und wertvollsten Handschriften im Bestand der Nürnberger Stadtbibliothek, die »Hausbücher der Mendelschen und Landauerschen Zwölfbrüderstiftung«, werden von Wissenschaftlern und der IT-Spezialisten des Germanischen Nationalmuseums erfasst und präsentiert.

Die in den Magazinen der Stadtbibliothek aufbewahrten, nur selten im Original gezeigten »Zwölfbrüder-Bücher« gelten als die umfangreichste und wichtigste Bildquelle zum mittelalterlichen Handwerk in Europa. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert nun die vollständige Digitalisierung der fünf Bände der Hausbücher. Alle 1.200 Handwerkerdarstellungen sollen so in einer Datenbank über das Internet weltweit zugänglich gemacht werden. Sie ermöglicht die Suche nach bestimmten Motiven und erschließt die Handschriften etwa nach Berufen oder dargestellten Werkzeugen und Produkten. Mit Ende der Förderung im Dezember 2008 sollen die Bilder recherchierbar und über die Internetseiten von Stadtbibliothek und Germanischem Nationalmuseum erreichbar sein.

Die »Zwölfbrüder-Bücher« wurden als Totenbücher und Hauschroniken für zwei Armenhäusern angelegt, dem von Marquard Mendel 1380 am Kornmarkt (heute Gelände des Germanischen Nationalmuseums) gegründeten Zwölfbrüderhaus und der im frühen 16. Jahrhundert getätigten Nachfolgestiftung des Matthäus Landauer am Inneren Laufer Platz (die zugehörige Landauer Kapelle befindet sich heute im Willstätter Gymnasium). Jeweils zwölf alte und verarmte Handwerker, die sich nicht mehr von ihrer Hände Arbeit ernähren konnten, fanden hier an ihrem Lebensabend ein Auskommen. Seit 1425 beziehungsweise seit 1510 wurde in den zwei Einrichtungen ein »Hausbuch« kontinuierlich bis zur Stiftungsaufhebung im Jahr 1806 geführt. Bei seinem Ableben wurde jeder der aufgenommenen Handwerker in einem ganzseitigen Bild festgehalten, das ihn bei der Verrichtung seiner ehemals ausgeübten Tätigkeiten zeigt und in einer handschriftlich eingetragenen Kurzbiografie Name, Alter, Todesdatum, ausgeführten Beruf oder Todesursache festhält. Damit geben die Bücher anschaulich und realitätsnah Auskunft über die Einrichtung von Werkstätten, die verwendeten Werkzeuge und Materialien sowie über die eingesetzten technischen Hilfsmittel und das Aussehen der Erzeugnisse.

Quelle: Stadtbibliothek Nürnberg
 

 

Buchtipp zum Thema:

 

Pächt, Otto: Buchmalerei des Mittelalters. Eine Einführung, hrsg. v. Dagmar Thoss u. Ulrike Jenni. 4. Auflage, Prestel Verlag, München/Berlin/London/New York 2000.

221 Seiten mit 210 Abbildungen im Text und 32 Farbtafeln.

 

Preis: € 24,95

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