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Ab ins Gebirge! Land Art in den Alpen

Die Art Safiental zeigt in diesen Tagen aktuelle Land Art in der idyllischen und zuweilen auch rauen Natur des titelgebenden Tals. Von permanenten Installationen bis hin zu Performances reicht das Spektrum der Ausstellung.

Schaukeln in einer Schlucht? Kein Problem! Schlafen in freier Natur? Auf jeden Fall! Oder wollten Sie schon immer mal eine Predigt an die Welt halten? Auch das können Sie derzeit im Safiental. Hier überrascht nämlich die Art Safiental die Besucher mit ihren Kunstwerken. Sechs permanente Installationen lassen sich hier mit einer Wanderkarte entdecken und treten in einen Dialog mit der sie umgebenden Natur. Daneben gibt es Gastprojekte und Performances sowie temporäre Kunstwerke, die noch zu entdecken sind. Alle verbindet die Möglichkeit, die Umgebung aus anderem Blickwinkel zu sehen, indem sie der Umgebung etwas hinzufügen, Materialen aus dem Tal verwenden oder seine Charakteristika zitieren.

So kann man sich in einer Neuauflage des »Null Stern Hotels« vom Atelier für Sonderaufgaben eine Nacht in einem luxuriösen Hotelbett unter freiem Himmel mitten im Tal verbringen – samt persönlichem Butler, dessen Aufgaben jeweils von einem Bewohner des Tals übernommen werden. Es entsteht eine Interaktion mit der Natur und zwischen Fremden und Einheimischen. Nicht minder auffällig ist die Bergkanzel (Com&Com), auf der jeder seine Predigt an die Welt halten kann. Ein kleines Rahmenprogramm mit insgesamt fünf Reden lädt zur Sonntagsmesse in freier Natur und alle Redner sind aufgerufen, ihre Predigten zu dokumentieren, sodass diese auf der eigens eingerichteten Website veröffentlicht werden können. Außerdem bleibt im Sommer und Herbst 2016 der Skilift von Tenna nicht leer, denn Filippo Minelli bevölkert ihn mit Emoticons und digitalen Bildchen und macht ihn so zu einer kinetischen Skulptur, deren digitale Vorbilder im Gegensatz zur archaischen Landschaft Safientals stehen. Jaffa Lam hingegen spannt eine riesige Wäscheleine zwischen den beiden Versamertobelbrücken und versammelt dort von der Bevölkerung gespendete Kleidungsstücke in schwindelerregender Höhe. Les Frères Chapuisat bauten einen riesigen Stammtisch mit Rundumblicken und dank Axel Timm vom Kollektiv Raumlabor kann man in der Rheinschlucht schaukeln und sich ganz seinen Gedanken hingeben.

Daneben haben weitere Künstler teils temporäre Kunstwerke geschaffen und überall im Tal angesiedelt, von gestrandeten Gegenständen über Skulpturen aus Naturmaterialien und Rheinwasser in Flaschen oder einer minimalistischen Aussichtsplattform bis hin zum »yellow swiss ball«, der den Wanderer auffordert, ein Erinnerungsfoto an seine Wanderung mit ihm zu schießen, reicht das Spektrum. All diese Werke gilt es zu erkunden und eine entsprechende Wanderkarte – denn um das Wandern wird man nicht herumkommen, möchte man die Ausstellung besuchen – weist den Weg zu allen Punkten. Dazu zählt auch der Berggasthof Alpenblick, der mit einer Bubliothek zur Land Art und dem Pavillon Art Safiental eine Art Anfangspunkt für den Besuch der Ausstellung bildet und wo zugleich eines der Werke zu besichtigen ist: Der Künstler H.R. Fricke hat sechs Lichtungen als Tischsets ins Innere des Berggasthofs gebracht. Der Pavillon Art Safiental ist Startpunkt für Führungen zu den Kunstwerken und wer will kann aus einer Box Lose ziehen, die Ideen für Spaziergänge und Wanderungen geben.

Entstanden sind die Werke im Rahmen der ersten Alps Art Academy, bei der zuvor eine Woche lang Kunststudenten und -dozenten ihre Ideen entwickelten. Diese nahm das Thema Land Art zum Anlass, Anforderungen an zeitgenössische Land Art zu formulieren, sie zu hinterfragen und ihr neue Aspekte hinzuzufügen. Vor diesem Hintergrund fiel die Wahl auf das idyllische und zugleich imposante Safiental, in dem sich die Natur in weitgehend unberührtem Zustand präsentiert. Getragen wird das ganze vom Verein Pro Safiental, Initiator ist Johannes M. Hedinger, Teil des Künstlerduos Com&Com und Kunstwissenschaftler. Der Besuch geschieht im übrigen auf eigene Gefahr – gut zu Fuß muss man ohnehin sein.