Ausstellungsbesprechungen

Abstrakte Strukturen - Ulf Cramer und Wilhelm Neußer, Galerie Knecht und Burster Karlsruhe, bis 20. November 2010

Wie bei den meisten der in der Galerie Knecht und Burster ausgestellten Künstlern handelt es sich auch bei Ulf Cramer und Wilhelm Neußer um Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, auf deren Kunst die Galerie ihr Hauptaugenmerk richtet. Laura Hummernbrum hat sich ihre Ausstellung angesehen.

Ulf Cramer (geb. 1944), der bei den Karlsruher Professoren Herbert Kitzel und Horst Egon Kalinowski studiert hat und heute in Karlsruhe lebt und arbeitet, gilt als einer der Mitstreiter der »Karlsruher Figuration«. Seit der ersten Ausstellung 1989 bei der »gruppe art-contact Karlsruhe«, aus der die heutige Galerie hervorgeht, ist Ulf Cramer einer der ständigen Weggefährten der Galerie. Ursprünglich von der Malerei ausgehend, hat er den Schwerpunkt seiner Arbeit auf Zeichnungen – mit Bleistift, Buntstift, schwarzen oder farbigen Tuschen – verlagert und diese immer weiter verfeinert. Seine einstmals gegenständlichen Werke sind heute nunmehr rhythmisierte, wie Collagen zusammengesetzt wirkende Kompositionen, die abstrakte Strukturen bilden.

Wilhelm Neußer (geb. 1976), der bei den Professoren Harald Klingelhöller und Gerd van Dülmen studierte, lebt und arbeitet heute in Köln. Seine architektonischen, modellhaft wirkenden Landschaften scheinen von seinem Studium bei einem Bildhauer inspiriert und folgen Traditionen der gegenständlichen Malerei. Es entstehen surreale, menschenleere Bildwelten, deren Objekte dem Alltag entliehen sind und die sich zwischen Traum und Alptraum bewegen. Erst nach genauerer Auseinandersetzung lässt sich die Symbolik seiner Werke entschlüsseln: Mit dem Aufeinandertreffen einer vermeintlich heilen Welt und fragilen, unvollendeten Konstruktionen scheint sie die unterschwelligen Gefühle westlicher Gesellschaften des 21. Jahrhunderts zu spiegeln. Man ahnt im Blick auf diese Bilder, dass sich unter der Hülle der fortschrittlichen, in Normen, Werten und ihrer Organisation fundierten Welt ein unsicheres Konstrukt aus Verbesserungswürdigem – Abhängigkeitsverhältnissen, Unmündigkeit und der Vernachlässigung der Wünsche des Einzelnen – verbirgt.

Spannend an dieser Ausstellung ist der Generationsunterschied, der sich auch in der Unterschiedlichkeit der Werke bemerkbar macht. Die Bilder Wilhelm Neußers konfrontieren den Betrachter direkt mit ihren stimmungshaften „Botschaften“, ohne eine Möglichkeit des Ausweichens zu eröffnen. Noch vor deren Entschlüsselung entsteht ein nicht näher definierbares Unbehagen. Neußers Werke streifen die wunden Punkte des menschlichen Unterbewussten; elementare, unterdrückte Gefühle und Ängste werden tangiert. Die dem Betrachter vertraute Bildsprache ermöglicht einerseits auf besondere Weise das Gefühl des Eingebunden- und Berührtseins; andererseits entsteht durch die Kombination mit unbestimmbaren, traumhaften und beunruhigenden Elementen das irritierende Gefühl von Zerbrechlichkeit.

In den Werken Ulf Cramers entfallen die direkte Konfrontation und die kritische, reflektierende Perspektive auf die Gesellschaft. Dezent geben sie Anstoß zur Reflexion- auch ohne pointierte Stellungnahme.