Buchrezensionen

Ada Bligaard Søby: The best is yet to come, Kehrer 2018

In ihrem kürzlich erschienenen Bildband erzählt die dänische Künstlerin Ada Bligaard Søby die Geschichte ihres Lebens und kreiert dabei ein Kunstwerk aus privaten Erinnerungen. Jaqueline Menke hat sich die Sammlung bunter Collagen für Sie angesehen.

Beim Aufklappen des Buches springt dem Leser der Satz “A beautiful, smart and loving person will be coming into your life” entgegen und schon ist man drin in der Lifestory der dänischen Videomacherin und Künstlerin Ada Bligaard Søby (geb. 1975) und ihrem zehn Jahre älteren Ex-Freund Louis My.
In doppelseitigen Bilderreihen, Polaroids, Passfotos, Schnappschüssen und Magazincovern collagiert die Künstlerin trotz aller Chronologie ihres Lebnslaufes ihre amouröse Beziehung zu dem Franzosen Louis (der das Buch mitgestaltete und Texte verfasste) — eine wilde, exzentrische, aber auch sehr harmonische, liebevolle Zweisamkeit, die in einer Art von bebilderter Memoriensammlung intime Details und emotionale Hochs und Tiefs der beiden Liebenden und ebensoviel Streitenden zeigt.

Die Eltern- und die Kindheitsbilder werden ergänzt von sanften, dialogisch gestalteten Kommentaren Adas und Louis’, sodass der zunächst anonyme Leser sofort das Gefühl bekommt, er öffnet eine alte Fotobox, kramt darin herum, findet intime Details zweier Personen, die sich schon lange kennen müssen.
Es folgen unkommentierte, teilweise gestellte Fotos aus der Schulzeit und das Totenbett von Adas Oma!
Die Jugend, berauschend, bunte Frisuren, schrille Farben, Exzess, Punk. Louis bekommt mit 18 Jahren seinen ersten Sohn, Wolfgang. Louis lebt in London, zieht nach Amerika, treibt sich in der Partyszene herum, trifft Nina Hagen. Musik, Alkohol und Drogen sind normal und gehören dazu.
Ada und Louis lernen sich Ende der 90er im hippen New York kennen. Viele Schwarz-Weiß-Fotos in collagierter, ungeordneter Gestaltung füllen die nächsten Seiten des Buches “Hooking up”! Es beginnt eine kreative Zeit, Ada filmt, fotografiert, sammelt Dinge, die die beiden verbinden. Sie gehen in Manhattan spazieren, reden viel miteinander. Es ist die Hochphase des “Wasted Looks” von Model Kate Moss, des verrückten Poeten Allen Ginsberg.
Die zwei harmonieren miteinander, die Fotos zeigen Ada als modische, selbstbewusste Frau, die sich für Kultur und Städte wie Paris interessiert, sie hat diese Liebe zum Detail, sammelt Bustickets der Pariser Metro und Eintrittskarten von Museen. Sie bewahrt sie sorgsam auf.
Louis verändert sich, wirkt introvertiert auf den Fotos, böse, vielleicht sogar aggressiv. Die beiden trennen sich. Louis’ Visum ist abgelaufen. Beide beginnen Affären mit anderen Frauen und Männern, Models, Leuten aus der Szene. Es ist “The end”.

Die formal-ästhetische Gestaltung des Buches löst eine intime Nähe zu den beiden aus, die durch Nahaufnahmen, unartifizielle Momentaufnahmen und die collagierte Anordnung von persönlichen, gesammelten Gegenständen evoziert wird.
Die Künstlerin schafft es in ungezwungener Art, Bild und Text so zu verbinden, dass man am Ende den Eindruck hat, beide Personen gleichermaßen und aus der jeweiligen Perspektive der anderen kennengelernt zu haben. Permanent wird der Leser von ihren Offstimmen begleitet.
Zum Ende hin wird es immer leiser (in Form von weniger Texten) und die Bilderfolgen werden dynamischer, mehrere Bilder werden auf Doppelseiten eher willkürlich zusammengestellt.
Die Fotos von Louis, seine Gesichtsausdrücke, seine Wut, sein Unbehagen sind nachdrücklich. Irgendetwas stimmt mit ihm nicht, es geht abwärts mit ihm — eingeschoben werden seine Familiensecrets, doch man kann nur erahnen, dass es keine leichte Kindheit war.
Die Trennung von Ada und Louis kommt gleichermaßen unerwartet wie erwartet. Unerwartet, weil unkommentiert, erwartet, weil die Fotos gezeigt haben, wie die beiden innerlich auseinanderdriften. Ada zeigt nur Einzelfotos, keine Fotos mehr gemeinsam und plötzlich kommen andere, fremde Personen hinzu, Liebhaber, die zeigen, dass die zwei bereits in unterschiedlichen Phasen angekommen sind.
Die Buchgestaltung unterstützt die Lebendigkeit von Adas und Louis’ Geschichte, gleichzeitig ist sie retrospektiv erzählt und schafft damit eine Spannung zwischen Eingetauchtsein in die emotionale Story und einer memorialen, distanzierten Nacherzählung.

The beste ist yet to come. Ein offenes Ende, voller Spannungen und neuer Erwartungen.

Titelangaben

Ada Bligaard Søby
The best is yet to come
Kehrer, ISBN: 978-3-86828-877-3, Ladenpreis 39,90 €