Kataloge

Alexander Kosolapov: Sots Art, Kerber Verlag 2009

Dieser Katalog widmet sich einem der wichtigsten Repräsentanten der Sots Art(Sots steht für die Lautschreibung des russischen Soz – Sozialistisch). Diese Richtung wird oft als russisches Pendant zur amerikanischen Pop-Art gesehen, wenn das so ist, dann wäre Kosolapov ohne Zweifel der russische Andy Warhol.

Sots art. Alexander Kosopalov© Kerber Verlag 2009
Sots art. Alexander Kosopalov© Kerber Verlag 2009

Ab der zweiten Hälfte der Sechziger begannen einiger Künstler damit, sich der sowjetischen Machtinsignien und propagandistischen Zeichen zu bedienen – Bilder, die jedes Kind aus seinem sozialistischem Alltag kannte, Porträts der Großen Führer, Marx, Lenin und Stalin und die vielfältigen anderen kommunistischen Wegweiser nahmen die Künstler für sich ein. Aus dieser Appropriation entstanden gleichsam ironische, aber auch durch ihre Klarheit kritische und berührende Bilder. Man bediente sich mit Vorliebe beim sozialistischen Realismus, der über mehrere Jahrzehnte hinweg die einzig erlaubte Kunstrichtung war. Vor allem das Duo Komar und Melamid entwickelte eine sarkastische und scharfe Mimikry auf der Leinwand, während Leonid Sokov sich mehr der stalinistischen monumentalen Skulptur widmete. Alexander Kosolapovs bekannteste Werke zeigen ein binäres System von Wort und Bild, das ist sein Markenzeichen. Ihn interessiert vor allem der Bedeutungsaustausch zwischen Wort und Objekt und die oft unerwartete Wechselwirkung zwischen beiden. Seine Werke sind so plakativ wie vielschichtig, auf den ersten Blick scheint alles klar zu sein: „Lenin- Coca- Cola“, man bräuchte nicht mal das Bild, man kann es bereits am Titel erkennen, dennoch tun sich plötzlich ganz andere Tiefen vor dem Betrachter auf – die verschiedene Aspekte in sich tragen: Politisches und Vulgäres, Revolutionäres und Bürgerliches usw. Kosolapov bedient sich sehr geschickt an Symbolen unserer „trash culture“ und zeigt uns die Leere auf, die hinter der Präsentation herrscht. „Er schafft es immer noch uns zu überraschen und zu provozieren“ so Boris Groys, das sieht man an den letzten Unruhen, die wegen seiner Werkgruppe „This is my blood“ entstanden sind, welche die kirchlichen Autoritäten als untragbar und blasphämisch bezeichneten. Kosolapov arbeitet trotzdem munter weiter und perfektioniert seine Universalität, die seine Kunst jedem verständlich macht und das ist einer seiner größten Vorzüge.
In diesem Katalog sind die verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers sehr gut erkennbar. Die großen farbigen Abbildungen werden von Texten von Boris Groys und Alexander Borovsky begleitet, ein kurzes Interview mit dem Künstler gibt einen Einblick in die Beweggründe seiner Arbeit, die überraschenderweise mehr intuitiv als rational zu sein scheinen.