Buchrezensionen

Alpers, Svetlana: Rembrandt als Unternehmer. Sein Atelier und der Markt, DuMont Buchverlag, Köln 2003.

Rembrandt oder nicht Rembrandt - das, so scheint es, ist die alles entscheidende Frage.

Wie kaum bei einem anderen Künstler wird die Auseinandersetzung mit Rembrandt von kennerschaftlichen Fragen bestimmt. Doch worin liegt die Faszination, die von dem Werk des niederländischen Meisters ausgeht und was macht ihn so einzigartig?

Svetlana Alpers 1988 erstmals erschienenes Rembrandt-Buch gilt heute als Standardwerk der Rembrandt-Forschung. Rembrandt wollte wie Rubens sein, ein an den Höfen bewunderter und geehrter Künstler, lautet eine These, die zuletzt von Simon Schama in "Rembrandts Augen" (1999) energisch vertreten wurde. Alpers zeichnet ein gänzlich anderes Bild des Künstlers. Obwohl Rembrandt immer in Geldnot gewesen sei, habe er ganz bewusst dem Patronagewesen den Rücken zugekehrt und stattdessen den Markt und seine Möglichkeiten zu nutzten verstanden, ohne Rücksicht auf irgendeinen Auftraggeber nehmen zu müssen. Rembrandt führte seine Werkstatt wie ein geschäftliches Unternehmen. Modern gesprochen könnte man sagen, ihm gelang es, mit den Arbeiten aus seiner Werkstatt ein eigenes Label auf dem Markt zu etablieren. Und Rembrandts geradezu paradoxer Erfolg, fasst Alpers zusammen, bestand darin, dass er andere Künstler dazu brachte, sich für ihn auszugeben.

Das Buch, dem man deutlich anmerkt, dass es aus einer Vorlesungsreihe der Berkeley Professorin hervorging, teilt sich in vier Kapitel. Rembrandt wird, um eine pointierte Formulierung Alpers zu übernehmen, als Maler, als Schauspieler, als Regisseur und als Unternehmer vorgeführt. Zunächst untersucht sie Rembrandts Malweise. Kennzeichen seiner Gemälde ist die Art des Farbauftrags. Rembrandts ungeglättete, unfertig wirkende Malmanier, die bei seinen Zeitgenossen nicht selten auf große Vorbehalte stieß, spricht den Tastsinn an und deutet nach Alpers damit "das aktive Moment beim Begreifen der Welt" an.

Fortsetzung von Seite 1

Das lebende Vorbild im Atelier sah Rembrandt als die maßgebliche Quelle seiner Bildlösungen an. Das Modellstehen, zeigt Alpers im zweiten Kapitel, nimmt bei Rembrandt Schauspielcharakter an und entspricht einer szenischen Darbietung. Die theatralische Wirkung, die seinen Werken so oft unterstellt wird, führt sie auf eine besondere Affinität Rembrandts zum Theater zurück. Zugleich lassen sich Rückschlüsse auf Rembrandts Lehrmethoden ziehen.

In ihrem Buch "Kunst als Beschreibung" hatte Alpers Rembrandt noch als den Prototyp eines einzelgängerischen Außenseiters gesehen. Diese Sichtweise wird von ihr nun teilweise wieder revidiert. Dass das Atelier für Rembrandt immer im Mittelpunkt stand, unterstreicht noch einmal das dritte Kapitel, das schlaglichtartig die Karriere des Künstlers nachzeichnet. Rembrandt habe nur drei Dinge im Leben geschätzt: seine Freiheit, die Kunst und das Geld. Diesen Ausspruch von J. B. Descamps stellt Alpers an den Anfang des vierten Kapitels, das Rembrandts Verhältnis zum Kunstmarkt thematisiert. Sie präsentiert Rembrandt als gewieften Unternehmer, der es verstand, den Markt für seine Zwecke zu nutzen.

So erfreulich die Neuauflage des vorliegenden Buches auch ist, ist es zugleich schade, dass der Verlag die Gelegenheit zur Behebung kleineren Schönheitsfehler nicht genutzt hat. Die Abbildungen sind jeweils en block in die Mitte der einzelnen Kapitel gesetzt, was ein ständiges Blättern erfordert. Weitaus ärgerlicher ist jedoch, dass einige Verweise auf Bilder falsch nummeriert sind und auf mehrere Abbildungen im Text überhaupt nicht eingegangen wird.

Fortsetzung von Seite 2

Alpers Rembrandtstudie ist dennoch nachdrücklich zu empfehlen. Es ist ein Buch, das höchst eindrucksvoll das Verhältnis zwischen dem Künstler, seiner Werkstatt und dem Kunstmarkt beleuchtet, und zugleich eine ganze Reihe hartnäckiger Klischees über Rembrandt widerlegt. Alpers Argumentation ist mitunter etwas sprunghaft, in sich jedoch schlüssig und immer wieder überraschend, etwa wenn sie Werke Picassos Rembrandts Gemälden gegenüberstellt.
 

Bibliografische Angabe

Alpers, Svetlana: Rembrandt als Unternehmer. Sein Atelier und der Markt, DuMont Buchverlag, Köln 2003. ISBN 978-3-8321-7297-8.