Ausstellungsbesprechungen

AMADOR – »Nubes«, Galerie Harthan, Stuttgart, bis 29. Oktober 2011

Ausstellung im Endspurt: die Galerie Harthan zeigt aktuelle Werke des Bildhauers AMADOR. Die abstrakten und entfremdeten Plastiken sind nur noch wenige Tage zu sehen. Verpassen Sie nicht die einmalige Chance, noch einen Blick auf die eindrucksvollen Werke zu erhaschen. Günter Baumann hat sich die Ausstellung angesehen.

Man sucht ihn nahezu vergeblich im Internet, dass man meinen könnte, er legt es gerade darauf an, als Person unerkannt zu bleiben: Amador geht als Name ins Bewusstsein wie Öl, die Assoziationen gleiten gleichsam an ihm ab – es könnte sich das Pseudonym eines Schlagersängers genauso handeln wie um ein zwielichtiges Markenzeichen. Das Wort changiert zwischen Starallüre und Anonymität, als sei dies Absicht. Amador ist übrigens tatsächlich des Künstlers Vorname, vollständig lautet er Amador Magranier, und seine Kunst ist weit davon entfernt, oberflächliche Unterhaltung zu bieten. Da passt es schon auf andere Weise ganz gut ins Bild, wenn der 1957 in Pollenca auf Mallorca geborene Bildhauer den Menschen als Chiffre für den Zauber der Natur beschreibt - oder weniger bodenständig als universell formuliert: für die Macht des Kosmos im Individuum.

In seine heimische Erde hackt Amador Furchen und Gräben, die er mit Polyesterharz ausgießt: Die Gussform wird so zu einer von ihm gesteuerten, höchstgradig abstrakten menschengestaltigen Masse, die von der Natur ihren letzten Schliff erhalten hat. Die Galerie Harthan zeigt die aktuellen Arbeiten des Künstlers, die sich dem Thema »Wolken« und doch wieder dem darin eingezeichneten Menschen widmen. In hinreißend nebulösen Objekten aus Polyesterharz liegt der neonleuchtende Umriss seines Lieblingssubjekts verborgen – oder offenbart es sich geradezu in seiner Lichtsilhouette? –, oder es prägt sich schemenhaft in Glasfaserarbeiten ein. Zudem präsentiert Amador humanoide Rohlinge aus Epoxy und Kohlefaser, von einer suggestiv-beängstigenden Erscheinung, gegen die Brodwolfs existenzialistische Tubenfiguren wie leichtfertige Tänzer dastehen würden.

Abgerundet wird die Schau dieser hochsensiblen, introvertiert-komplexen Kunstwelt durch einen Videofilm, der eine Aktion Amadors auf Mallorca zeigt: In wundervollen Aufnahmen umkreist die Kamera großformatige Figuren, die eine Burg und deren Turm bevölkern. Die Arbeiten gehören in ihrer irritierenden Schönheit zum Beeindruckendsten, was man sich gegenwärtig vorstellen kann.

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