Ausstellungsbesprechungen

Andreas Achenbach. Revolutionär und Malerfürst, Mittelrhein-Museum Koblenz, bis 18. Februar 2018

Nachdem die Schau bereits in Düsseldorf zu sehen war, zeigt jetzt das Koblenzer Mittelrhein-Museum Werke von Andreas Achenbach. Der Künstler vereint in seinem Werk die Einflüsse zahlreicher Entwicklungen des 19. Jahrhunderts. Stefanie Handke war vor Ort.

Bekannt ist Andreas Achenbach vor allem für seine Landschaftsbilder und Seestücke. Dass er auch eine politische Seite hatte, das beweist die Ausstellung, die ihn als »Revolutionär und Malerfürst« präsentiert. Dafür vereint sie seine atmosphärischen Landschaftsbilder und späteren realistischen Bilder, wie etwa die »Industrielandschaft (1884), mit Karikaturen, für die er deutlich weniger bekannt ist. Die gezeigten Werke stammen allesamt aus einer Privatsammlung und repräsentieren sein gesamtes künstlerisches Schaffen von Zeichnung über Druckgrafik bis hin zur Ölmalerei.

In Achenbachs Kunst kann man gut gerne auch eine Reise durch die Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts unternehmen: Als Vertreter der Düsseldorfer Malerschule und der romantischen Landschaftsmalerei ist er ein regelrechtes Aushängeschild für beides und galt vielen Zeitgenossen als künstlerisches Vorbild. Das beweisen seine Werke in der Ausstellung aufs Beste. Nicht weniger atmosphärisch dicht als seine Industrielandschaft ist der »Hafen von Amsterdam bei Mondschein« (1887), auf dem ein gelb leuchtender Mond gerade hinter einer Wolke hervorschaut und eine trotz der nächtlichen Stunde betriebsame Szene erleuchtet. Hier sind Boote im Hafen unterwegs, bringen Seeleute von oder zu den Schiffen. Trotz einer gewissen Betriebsamkeit bleibt das Werk aber voll einer besonderen Ruhe, die eine solche Mondnacht ausstrahlt. Im besten Sinne ein romantisches Werk. Insbesondere aber stellte er immer wieder Schiffbrüche, Schiffe in Seenot und Wracks dar und entwickelte sich hier zu einem wahren Meister.

Achenbach hat eine gründliche Ausbildung genossen; nachdem er schon als Kind Zeichenunterricht bekam, begann er mit zwölf Jahren seine Kunstausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf bei Schadow und Kolbe. Schon als Vierzehnjähriger konnte er Verkaufserfolge erzielen. Auf Studienreisen setzte er sich intensiv mit der holländischen und flämischen Malerei auseinander, aber auch die skandinavischen Länder, England und Italien lernte schon in jungen Jahren kennen und so verwundert es nicht, wenn sich entsprechende Sujets in seiner Kunst wiederfinden: Seestücke und Strände, nordeuropäische Landschaften und Mühlenbilder prägen seine Kunst. Seine Seestücke haben dabei oft dramatischen Charakter, zeigen Schiffbrüche oder die »Einschiffung bei Sturm« (1871) mit hohen Wellen und Wolkenbergen. Andere Landschaftsbilder sind im besten Sinne romantisch-beschaulich und trafen damit nicht nur den Geschmack der Zeitgenossen, sondern sind auch heute noch interessant. Neben den nordeuropäischen Landschaften finden in der Schau auch Eindrücke seiner Italienreisen, so etwa die »Römische Landschaft« (1844), die die Faszination der Zeitgenossen für das Land am Mittelmeer bestens beschreibt.

Doch die Ausstellung im Untergeschoss des Mittelrhein Museums wirft, wie bereits der Titel sagt, nicht nur einen Blick auf die bekannteren Seiten der Kunst Achenbachs, sondern auch auf die in der breiten Öffentlichkeit weniger präsenten. Ein besonders großer Bereich ist dabei Achenbachs Karikaturen gewidmet. Die wurden bisher noch nicht derart offensiv in einer Ausstellung präsentiert und können hier intensiv studiert werden. Insbesondere die Revolution von 1848 prägte den Künstler und sein zeichnerisches und druckgrafisches Schaffen und reizte zu bissigen Kommentaren auf seine Zeitgenossen. Am bekanntesten ist wohl. Besonders makaber mutet »Vergessen« (1848) an: ein im Gehen erfrorener Soldat, dessen Darstellung der Künstler mit dem Bibelzitat »Sei getreu bis in den Tod und ich will dir die Krone des ewigen Lebens geben« versieht. Die kann zweifach gelesen werden – einerseits als Kritik an den prekären Verhältnissen im Militär, andererseits steht der erstarrte Soldat gleichsam für einen starren Staat, der seine Bürger verheizt. Revolutionär war Achenbach jedoch nicht, eher liberal, und so kritisierte er auch die radikalen Kräfte der 1848er Revolution. »Ein ächter Volksvertreter (1848/49) marschiert auf den Rücken der Bürger dem Betrachter entgegen.

Die Ausstellung vergisst indes keinen Aspekt von Achenbachs Schaffen. Und so finden sich auch Zeichnungen und Studien, Aquarelle und Skizzen aus allen Schaffensperioden. Hier findet sich dank Sammler Wolfgang Pfeiffer also ein großer Überblick über das Schaffen des Künstlers, der freilich kein Avantgardist war, jedoch auch zu Recht zu einigem Ruhm gelangte.