Kunstbücher für junge Leser

Andreas Blühm: Fit fürs Museum, Hatje Cantz Verlag Ostfildern 2008

»Der Sinn des Museums ist es, die Welt, in der du lebst, verstehen zu lernen, indem du die Welt erforscht, in der du nicht lebst.« Dieses Zitat von Neil MacGregor, dem Direktor des British Museum, hat der Autor Andreas Blühm seinem handlichen Büchlein als Motto und Intention vorangestellt.

Blühm©Hatje Cantz Verlag
Blühm©Hatje Cantz Verlag

Andreas Blühm begreift das Museum als Medium und zugleich als ein Ort, der Menschen mit Objekten aus den verschiedensten Sparten – von der Eisenbahn über Dinosaurierknochen bis zu einem Rembrandt-Gemälde – zusammenbringt und ihnen hilft, etwas damit anzufangen. »Ein Museumsbesuch kann glücklich machen wie ein Konzert, eine Oper oder ein Fußballspiel. Es kommt nur auf die Haltung des Besuchers an: Man sollte unbefangen sein und offen für das, was einen erwartet ... Ich sollte mir ein Bild nicht ansehen, weil es berühmt ist, sondern weil es mir gefällt«, meint Blühm, derzeitiger Direktor des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, in einem Interview.

»Fit fürs Museum« ist in erster Linie eine humorvolle Gebrauchsanweisung für einen Museumsbesuch und soll »helfen, die erste Hürde zu nehmen und die Sache ein wenig lockerer angehen zu lassen.« In Deutschland seien Museen als Bildungsinstitute verschrieen, in denen man wissen muss, wer welches Bild gemalt hat und wie man die Künstlernamen ausspricht. Das sei grundverkehrt. Blühm möchte stattdessen dazu ermutigen, die Kunstwerke einfach zu genießen, und mit nützlichen Informationen und Hilfestellungen dazu beitragen, die Werke besser zu verstehen.

Alles beginnt mit einer guten Vorbereitung zu Hause und der Klärung ganz praktischer Fragen (»Was ziehe ich an?«, »Was nehme ich mit?«, »Wie und wo finde ich die Museen?«). Zunächst gilt es, die richtige Auswahl zu treffen unter den deutschlandweit mehr als 1114 Kunstmuseen und Ausstellungshallen, die laut dem Institut für Museumsforschung im Jahr 2006 mehr als 102 Millionen Besucher besucht haben. Blühm nennt nicht nur die großen »Museumsmaschinen«, sondern darüber hinaus auch rund 100 Freilicht- und Spezialmuseen wie das Frosch-, Mathematik-, Puppen-, Hygiene- oder Schokoladenmuseum sowie die »Ein-Künstler-Museen«. Auch die Museumsbauten und ihre berühmten Architekten stellt er vor (inklusive Homepages).

Im Museum angekommen gibt es viele Dinge und Voraussetzungen zu beachten, etwa wie viel Zeit zur Verfügung steht und wie man sich verhält, damit der Museumsbesuch lustvoll und aufregend werden kann (begründete Verbotsliste inbegriffen). Dabei geht es Blühm ebenso um die richtige Annäherung an die Kunstwerke und deren Vermittlung (Audio-, PDA-Guide oder Führung durch einen Kurator) wie um Lichtverhältnisse, Inszenierung und unterschiedliche Betrachtungsweisen, nicht ohne augenzwinkernd die Gemeinsamkeiten mit einem Zoobesuch zu erläutern. Schließlich erlaubt er auch einen interessanten Blick hinter die Kulissen, beschreibt Aufgaben, Berufsfelder, den Aufbau eines Museums und erklärt die Sicherheits- und Besitzverhältnisse.

Wieder zu Hause angekommen, geht es an die Nachbereitung. Blühm liefert viele Anregungen wie man die positive Stimmung und Inspiration aus dem Museum in den Alltag tragen und neue Ideen entwickeln kann: etwa das Internet nicht nur zur Abfrage von Informationen zu nutzen, sondern sich sein eigenes virtuelles Museum mit Lieblingsobjekten zusammenzustellen oder ganz real eine eigene Sammlung anzulegen und immer wieder neu zu gestalten. Man kann es sich aber auch einfach vor dem Fernseher bequem machen und alle Filme anschauen, in denen Museen eine Rolle spielen: Eine Auflistung dieser Filme wird natürlich von Blühm mitgeliefert.

Der Anhang besteht aus etwas Geschichte, einer kurzen Chronologie, einem Glossar und Literaturhinweisen. Außerdem liegt dem Buch ein Gutschein für einen kostenlosen Besuch in einem der folgenden Museen bei (gültig bis Ende 2009): Albertina Wien, Deichtorhallen Hamburg, Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Kunsthalle Bremen, Kunsthaus Zürich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud Köln.

Als leidenschaftlicher Museumsgänger fächert Blühm das Thema Museumsbesuch breit auf, verrät seine Lieblingsmuseen und gibt Geheimtipps und Anweisungen. Die amüsanten Cartoons von Klaus Stuttmann, dem Karikaturisten des Tagesspiegel und der taz, sorgen für pointierte Illustrationen und für eine kurzweilige Lektüre. Alles in allem ein empfehlenswerter Leitfaden, der sich nicht nur an potenzielle Museumsmuffel richtet, die einen Anstoß benötigen, um ihre verstaubte Vorstellung vom Museum zu überwinden. Er ist vor allem ein Familien- und Lehrerratgeber, der zeigt, wie man das Museum für Kinder und Jugendliche wieder als Abenteuer attraktiv machen kann. Letztere werden hier zwar auch direkt angesprochen, aber insgesamt wirken die von Blühm eingestreuten Tipps für Kinder etwas verloren.