Ausstellungsbesprechungen

Andreas Gursky

Das Haus der Kunst in München zeigt noch bis 13. Mai die erste große Andreas Gursky Werkschau in Deutschland seit neun Jahren. Als wichtigste Bemerkung sei gleich an den Anfang gestellt: Egal, was man von zeitgenössischer Fotografie hält oder gehalten hat, diese Ausstellung ist einen Besuch wert! Gurskys Fotografien sprengen nicht nur finanzielle sondern auch räumliche Dimensionen.

Kein Bildband, egal wie großformatig, kann den Weg vor die Originalfotografie bzw. vor das Originalformat ersetzen.

 

Dabei lohnt es sich genau hinzuschauen, denn die Genauigkeit der fotografischen Komposition bleibt bei Gursky nicht an der Oberfläche, sondern erstreckt sich bis ins kleinste Detail. Mit beeindruckender Perfektion sind für den Betrachter alle technischen Eingriffe des Künstlers in Einzelelemente, Bildzusammensetzung und Farbigkeit unsichtbar gemacht. Obwohl Andreas Gursky mit den Mitteln der digitalen Bildbearbeitung Aufnahmen oder deren Teile neu formiert, wirkt alles, als wäre es immer so gewesen und nur aus dem richtigen Blickwinkel fotografiert worden. Eine künstlich geschaffene Realität wirkt realer als die Wirklichkeit. Der Eindruck der Fotografien auf den Betrachter ist aus Ferne und Nähe überwältigend. Menschen treten nur als farbliche oder strukturelle Statisten, oft schemenhaft auf, Porträts sucht man vergeblich.

 

Eine unendlich scheinende Anordnung horizontaler Streifen, die nur von unsymmetrisch eingestreuten Feldern unterbrochen wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Bild einer Spargelernte. Das Bild eines Wohnblocks in Paris Montparnasse ist auf den ersten Blick ein gigantisches Ornament, gewährt aberim Detail voyeuristische Einblicke in Wohn- und Arbeitsräume und kann je nach Stimmung des Betrachters Ausdruck anonymer Traurigkeit der Großstadt oder faszinierende Vielfältigkeit der Moderne sein. Selbst majestätische Bauwerke der Vergangenheit wie die Cheops-Pyramide lassen sich durch Gurskys Linse auf einen Steinhaufen reduzieren. Die Börse in Kuwait bietet ein herrliches Farbenspiel aus roten Sitzmöbeln und weißen Bekleidungsstücken, ob die Realität so gemütlich ist wie das konstruierte Bild glauben macht, wird für die meisten Ausstellungsbesucher ein Geheimnis bleiben. Gurskys Werke »Madonna«, »Tote Hosen« oder »Pyongyang« fördern das Nachdenken über Masse und Macht oder Einsamkeit in der Menge. Insgesamt eine wichtige, interessante, spannende und auch in der Präsentation mehr als gelungene Schau.

Weitere Informationen
 

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 10-22 Uhr

Samstag und Sonntag 10-20 Uhr

 

Eintrittspreise

€ 9,50 / € 7,50

Jugendliche unter 18 Jahren / Schüler € 2

Kinder unter 12 Jahren frei

 

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