Ausstellungsbesprechungen

Andreas Gursky

Das Kunstmuseum Basel zeigt bis zum 24. Februar 2008 eine Ausstellung zu Andreas Gursky. Seine Fotografie »99 Cent« erlangte jüngst bei Sotheby’s den Schwindel erregenden Wert von 2,3 Mio. Dollar. Wie »99 Cent«, so spiegelt auch das gesamte Œuvre Gurskys aktuelle Aspekte der Globalisierung, des Konsums und der Bevölkerungsdichte wider.

Die Vielfältigkeit der einzelnen Gegenstände macht die Betrachtung der Fotografien zu einer geografischen und thematischen Entdeckungsreise.

Inhalte der Globalisierung, der Massengesellschaft und der Anonymität sind stets präsent, doch durch Gursky nie direkt kritisiert.

 

Die Motive der ausgestellten Werke zeigen nordkoreanische Massenspektakel, Landschafts-aufnahmen und Formel1-Rennen. Nichts scheint diesen Themen gemein zu sein. Doch steht man vor den Fotografien Gurskys, so lassen sich bald Gestaltungsmotive und Strukturen erkennen, die sich wie ein roter Faden durch die unterschiedlichen Werke zieht.

 

In der Sprache einer raster- oder pixelartigen Bildstruktur schafft Gursky einen direkten Bezug zu gegenwärtigen Themen: Konsumgüter, Marktwirtschaft und Lebensform.

 

Da wär z.B. eine paradiesisch reine, unberührte und »fabrikfrische« Inselwelt zu bewundern – von Menschenhand geschaffen. Flache, helle Kleckse sind auf utopischem Blau gelandet. Konstruktion und Wirklichkeit treffen in Gurskys Werken aufeinander. Ebenso malerisch wirken die Fotografien von Bahrain. Gezeigt wird Wüstenland, inmitten dessen sich die bekannte Rennstrecke scheinbar willkürlich ihren Weg sucht. Die zeitfremd wirkende Öde erliegt dem Fortschritt der Gegenwart. Der Anblick scheint so unrealistisch wie malerisch: Bremsspuren sind Pinselstriche, feine Fugen im Sand Bleistiftlinien. Einziger Hinweis auf eine Rennstrecke sind die roten Werbebanner am Rande der Fahrbahn.

 

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Eine weitere beachtenswerte Serie ist die digital bearbeitete Boxenstopp-Reihe. Wie eine sakrale Zeremonie ist der Moment in wunderbares Licht getaucht. Verglichen wird Gursky mit Rembrandt, ob des faszinierenden Chiaroscuro, und auch mit Caravaggio, dem Helldunkelmeister des überhöhten Realismus. Und doch ist die Arbeit Gurskys etwas ganz Eigenes. Vielleicht ein Caravaggio des einundzwanzigsten Jahrhunderts, der im Tenebrismo unserer globalisierten Welt das Hier und Jetzt zeichnet. Die Serie »Boxenstopp« ist aus einer Vielzahl von Motiven digital zusammengestellt, arrangiert und auf diese besondere Art »gemalt«.

Zu den wichtigsten ausgestellten Objekten zählt die Bilderserie Pyongyang, die wie ein Magnet die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aus der Sicht Kim Jong Ils fotografierte Gursky die Veranstaltung. Einzelne Menschen werden in ihren Uniformen zu Pixel und zugleich zum »Ornament der Masse«. Die menschlichen Muster erinnern an Werke von  Zofia Kulik, welche jüngst auf der Documenta vertreten waren. Das Individuum ist zum Teil eines Ganzen geworden. Ein Prozess, der in vielen Werken Gurskys thematisiert und festgehalten ist. Doch die bei einem derartigen Thema erwartete Kritik bleibt aus. Gursky schenkt dem Betrachter viel Freiheit und überlässt ihm zugleich die Verantwortung als Interpret und aktivem Beobachter.

Den besten Kontakt zum Betrachter können die Bilder knüpfen, ihren Sog ausüben, wenn sie tief hängen, so Gursky. Ganz nah muss man an manche Fotografien herantreten — sie verlocken dazu. Details und Gesichter wollen gesucht werden. Doch sind die Fotografien aus der Ferne entstanden. Subjektivität und Objektivität sind gefragt. Wählt der Betrachter objektive Kritik oder subjektive Beurteilung? Fotografie sei für Gursky weniger ein Mittel zur Abbildung, sondern vielmehr zur Konstruktion der Wirklichkeit. Er will sich nicht explizit gesellschaftskritisch durch die Bilder äußern, nichts beschönigen, sondern Ästhetik vermitteln. Er liefert »nur« das Material. Die eigentliche Kritik wird durch den Betrachter geäußert. Nichts ist geplant, der Zufall ist der Schöpfer seiner Bilder. Dinge, die dann verlocken, von denen lässt sich Gursky anziehen und aus diesem scheinbar ganz einfachen, schwerelosen »Konzept« entstehen dann solche Bilder, wie wir sie nun in Basel bestaunen können.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr
Montag geschlossen
während "Andreas Gursky" Mittwoch bis 20 Uhr

Eintrittspreise
15 CHF / ermäßigt 10 CHF