Kataloge

Anita Shah (Hrsg.): Eberhard Schlotter. Arquipintura 1997–2006, Kerber Verlag, Bielefeld 2007.

Eberhard Schlotter gehört zu den wichtigen Künstlern der Bundesrepublik, und doch ist er ein großer Unbekannter geblieben.

Das mag mit einem Phänomen zusammenhängen, dem viele kreative Köpfe, Künstler wie Denker und Dichter, erliegen: dem Lob eines Gurus oder eines gesellschaftlichen Exoten. In Schlotters Fall war es Arno Schmidt, der ihn als »größten Illustrator des Jahrhunderts« pries. Prompt wurde Schlotter als Schmidtianer gehandelt und auch nur von dessen Anhängerschar angehimmelt. Für den seriösen Rest der Kunstbetrachter war er dadurch weniger von Interesse.

Ein leichtes Verhältnis war es nicht zwischen Arno Schmidt und Schlotter, Anziehung und Abneigung hielten sich die Waage, was beide inspirierte, bis Schlotter sich löste — der Literat Schmidt sah ohnehin zeitlebens von der hohen Warte der Literatur auf die Kunst herab. Sozusagen befreit von den unsichtbaren Abhängigkeiten, Fesseln vielleicht, konnte Schlotter seine symbolhaltigen Architekturlandschaften intensiver denn je hart an der Grenze zur Abstraktion und zugleich an der Grenze zur Oberflächlichkeit (im positiven Sinne einer inszenatorischen Oberflächenbearbeitung) entlang kreieren.

Persönliche Schicksalsschläge machten den 1921 geborenen Eberhard Schlotter empfänglich für Obsessionen der Vergänglichkeit. Und die Erfahrungen aus dem Dritten Reich, dessen Kunstpolitik er notgedrungen akzeptierte, um über die Runden zu kommen, ließen ihn gewahr werden, wie verführbar und ästhetisch gefährdet ein junger Künstler sein konnte. Nach 1945 war er offensichtlich so ernüchtert, dass er mit dem deutschen Wesen nicht mehr so viel anfangen konnte und dem Land entfloh. Heute wechselt der Maler zwischen Spanien und Deutschland. Aufenthalte in Südamerika, insbesondere nach Peru, häuften sich in den 1990erJahren.

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Um sein Werk kümmert sich seit über zehn Jahren die Eberhard-Schlotter-Stiftung in Celle, die über 730 Gemälde und etliche tausend grafische Arbeiten verfügt. Die Stiftung gestaltet seither Ausstellungen gemeinsam mit den jeweiligen Museen. Die jüngste Schau ist die »Arquipintura 1997–2006« in Celle, die an die »Leeren Bilder« von 2001 anknüpft. Leer waren sie allerdings nie wirklich, auch wenn der Maler auf die Darstellung von Menschen weitgehend verzichtete. Zumindest die topografische bzw. assoziative Wahrnehmbarkeit war meist gewährleistet, und auch der literarische Bodensatz ist nicht übersehbar: Boccaccio, Brecht, Cervantes, Raabe, Schmidt und Schopenhauer heißen die Leitfiguren Schlotters.

Der Katalog, den die genannte Stiftung mitverantwortet, versammelt das jüngste Werk, das aus der Faszination für die Fläche heraus abstrakte Kompositionen entstehen lässt und zugleich so viel Einblick in Architekturmotive und Landschaftsassoziationen freigibt, dass selbst das Flirren der Luft in südlicher Hemisphäre spürbar wird — so spürbar, dass man das scheinbar mitgenommene Mauerwerk mit Händen greifen möchte. Dabei lässt der Künstler keinen Zweifel daran, dass es sich nur um einen pastosen Farbauftrag handelt.

 

Bibliographische Angaben

Anita Shah (Hrsg.): Eberhard Schlotter. Arquipintura 1997–2006, Katalog zur Ausstellung im Bomann-Museum Celle, 2007, Kerber Verlag, Bielefeld 2007. 
Gebunden, 160 Seiten mit 65 Farbabbildungen, in deutscher und englischer Sprache.
Preis: 34,50 €