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Athens antike Schätze neu beheimatet im Akropolis-Museum

Busse und Züge in Athen sind mit Fotos des Parthenon, des wichtigsten Tempels auf der Akropolis, geschmückt. Doch Teile des Frieses liegen immer noch im Britischen Museum in London. Mit der Eröffnung des Akropolis-Museums wollen die Griechen den Druck auf Großbritannien erhöhen, den antiken Parthenon-Fries zurückzugeben.

Das neue größtenteils aus Stahl und Glas gebaute Museum am Fuß der Akropolis hat drei Stockwerke und eine Fläche von insgesamt 25.000 Quadratmetern. Die Pläne entwarf der Schweizer Stararchitekt Bernard Tschumi, der sich 2003 in einem internationalen Wettbewerb gegen namhafte Konkurrenten durchgesetzt hatte. Er entschied sich für einen minimalistischen und zeitgenössischen Bau , da "die ausgestellten Skulpturen im Mittelpunkt stehen müssen. Es darf nicht sein, dass sie mit dem Gebäude in Konkurrenz stehen".

Der bevorzugte Werkstoff Beton trägt zu dieser Intention bei. Die Skulpturen reflektieren das Licht, der Beton absorbiert es. "Das macht die Skulpturen gut sichtbar und sehr schön", sagt Tschumi. Beim Bau stand der Architekt vor verschiedenen technischen Herausforderungen, wie zum Beispiel dem Umgang mit der Hitze im Sommer und der Erdbebengefahr. Mit kleinen, schwarzen Punkten, die im Glas eingelassen sind, soll die Kraft des Sonnenlichts reduziert werden und zur Erdbebenprävention kam ein System zum Zug, das in Japan und Kalifornien angewendet wird.

Einen besonderen Einblick ermöglicht der Boden des Erdgeschosses. Da dieser aus Kunststoffglas besteht, kann der Besucher die Fundamente des Gebäudes betrachten. Ein Ausblick, der nur für Schwindelfreie geeignet ist, denen der tiefe Blick auf die etwa acht Meter entfernten Gebäudereste nichts ausmacht.

Eingeweiht werden sollte das Akropolis-Museum 2004 im Rahmen der Olympischen Spiele, was aus verschieden Gründen immer wieder verschoben werden musste. So wurden auf der Baustelle Mauern von Wohnhäusern aus der Antike bis zum 13. Jahrhundert entdeckt, es kam zu Problemen mit Nachbarn und langwierigen Gerichtsverfahren, und schliesslich war noch der komplizierte Transport der Exponate aus dem alten Museum in den Neubau zu bewältigen.

Athen will mit der Eröffnung des Museums am 20. Juni auch Großbritannien weiter unter Druck setzen, den antiken Parthenon-Fries zurückzugeben. "Er gehört hierher", hatte in den achtziger Jahren die griechische Schauspielerin und sozialistische Kulturministerin Melina Merkouri immer wieder gesagt und damit den Streit zwischen Athen und London ausgelöst. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der damalige britische Botschafter in Istanbul, Lord Elgin, die am besten erhaltenen Teile des Parthenons und anderer Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht.

56 der 96 Platten des Parthenon-Frieses befinden sich bis heute im Britischen Museum in London. Im neuen Akropolis-Museum sollen die Teile als verschwommene Hologramme und Duplikate aus weißem Marmor dargestellt werden, um ihr Fehlen zu unterstreichen. "Die Friesteile gehören der Welt und müssen zusammengeführt werden. Sie gehören nicht den Engländern", erklärt der griechische Kulturminister Antonis Samaras.

Das Britische Museum hatte bislang argumentiert, in Athen gebe es keinen geeigneten Aufbewahrungsplatz für die Relikte. Dieser Mangel sei mit dem neuen Museum nun beseitigt, meinen die Griechen.