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Ausstellungstipp: Anselm Kiefer. Ausgewählte Arbeiten aus der Sammlung Grothe im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, bis 15. Januar 2012

Anselm Kiefer ist national wie international einer der wichtigsten Künstler unserer Zeit. Erstmalig seit seiner Übersiedlung nach Frankreich stellt der Künstler nun in seinem ehemaligen Heimatland Baden-Württemberg aus. Das Museum Frieder Burda eröffnet am 6. Oktober eine Ausstellung mit ausgewählten Arbeiten Kiefers aus der Sammlung Grothe. Kurator Walter Smerling hat 20 großformatige Bilder aus 30 Jahren ausgewählt, mit dem Schwerpunkt auf der 2000er-Dekade. Erstmalig öffentlich gezeigt wird die Arbeit »Essence« aus der aktuellen Serie der Alpenlandschaften.

Von den Werken Anselm Kiefers hat sich Hans Grothe auch nach dem Verkauf seiner umfangreichen Sammlung nicht getrennt. Seine ersten Kiefer-Bilder erwarb er aus reiner Faszination heraus, gerade weil er die Arbeiten nicht verstehen konnte. Die Sammlung enthält Werke aus drei Jahrzehnten, die unverwandt durch ihre einzigartige Materialität, ihre stringente Aussagedichte und ihre auratische Intensität faszinieren, die besonders im Zusammenhang der Werke zum Tragen kommt.

Aus der Sammlung Frieder Burda ist das Werk »Böhmen liegt am Meer« (1995) zu sehen. Im Fokus der Ausstellung steht das monumentale Bild »Der fruchtbare Halbmond« (460 x 760 cm), eine Arbeit aus dem Jahr 2010, die auf die Zusammenführung von Abendland und Morgenland verweist und erstmalig in Deutschland gezeigt wird. Kiefer thematisiert hier den Turmbau zu Babel und die Wiege unserer Kultur im fruchtbaren Zweistromland. Der Turmbau hat die Religionen und Sprachen entzweit, aber Kiefer glaubt an das ursprünglich Einigende: Die Grundmauern sind nicht mehr nur zerstört, sie sind auch im Aufbau begriffen. Die einstigen Kräfte des fruchtbaren Landes können belebt werden, der Zusammenhalt der unterschiedlichen Kulturen ist möglich.

Bei den Werken, die für die Ausstellung ausgewählt wurden, steht die oftmals als charakteristisch dargestellte Aufarbeitung deutscher Vergangenheit nicht im Mittelpunkt, erläutert Walter Smerling. „Vielmehr sind es die christlich-jüdischen, die mythologischen Themen, die dominieren. Auch das oftmals beschriebene Pathos in Kiefers Werken erscheint eigentümlich gebrochen, zurückgenommen und neutralisiert. Die Sammlung beeindruckt, ohne zu überwältigen, und lädt ein zur analytischen Reflexion.“
Die Ausstellung entstand in enger Kooperation zwischen dem Museum Frieder Burda und der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn und wird kuratiert von Walter Smerling. Ein Katalog ist in Vorbereitung.