Meldungen zum Kunstgeschehen

Ausstellungstipp: Philipp Schewe – Enemies of recreation come in femanimal form, Galerie Melike Bilir Hamburg, bis 4. März 2012

Die Galerie Melike Bilir zeigt mit »Enemies of recreation come in femanimal form« die brutal ehrlichen, künstlerisch hochwertigen Fotoarbeiten des in Hamburg lebenden Künstlers Philipp Schewe. Eine Ausstellungsempfehlung unserer Autorin Verena Paul.

Philipp Schewes Fotoarbeiten sind von Spannungen geprägt, so durchkreuzt beispielsweise die zeitgenössische Verwahrlosung der Symbole den still gehegten Wunsch des Künstlers nach Spiritualität und verleiht den Werken damit starke Eigendynamik. Um sich im Entstehungsprozess letztlich nicht in hysterischer Bedeutungslosigkeit zu verlieren, organisiert Schewe mit großem Aufwand bizarres, schrilles und bisweilen vertrautes Bildmaterial, das sich in sein kaleidoskopartig angelegtes, weltenhaltiges Gesamtkonzept einfügt. Auf diese Weise entstehen großformatige Foto-Tableaus mit alptraumhaften Rettungsaktionen verunglückter Pferde oder von Problemen durchsetzte Porträts Hamburgs. Bisweilen kommt es aber auch vor, dass die Betrachter von Puppen aus leeren Augenhöhlen und maskierten Wesen bedrohlich fixiert werden oder räumliche Dimensionen und Körpermaße aus einer neuen Perspektive erfahren werden. Obzwar diese Elemente verstörend auf unser Auge wirken, gelingt Philipp Schewe eine künstlerisch anspruchsvolle und inhaltlich durchdachte Bildorganisation. Insofern pendeln seine Werke zwischen ästhetischen Höhenflügen und kontrolliert pathetischem Kitsch, reizüberfluteten, schockierend abgründigen Bildwelten und kritisch reflektierter Distanz. Eine Ausstellung, die man sich im Kalender rot notieren sollte!

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