Buchrezensionen

B. J. Novak: Das Buch ohne Bilder, Blanvalet 2016

»BLORK« und »BLUURF« und »Mein Kopf ist eine Blaubeerpizza«. Damit ist der Inhalt des Buchs ohne Bilder adäquat wiedergegeben. Es schickt seinen Leser auf die Barrikaden. Dieser muss sich nämlich zum Trottel machen. Rowena Fuß weiß mehr.

Ein Buch ohne Bilder. Wie soll das funktionieren? Es ist ein Titel, der Rätsel aufwirft. Surfer tagtäglicher Bilderfluten sind vor den Kopf gestoßen. Was tun? Muss man es etwa lesen?
Oh ja. Aber schon steht man vor dem nächsten Problem. Das, was auf einer der größtenteils weißen, annähernd DIN A4 großen Seiten steht, ist unverständlich. Bis man umblättert. Und weiterblättert und weiter.

Der Unsinn hat eine lange Geschichte. Man muss schon sagen: Er hat Tradition. Wer viel Unsinn erzählt, vermittelt seinen Zuhörern ein ziemlich genaues Bild über seine Darstellungssucht. Im Grimmschen Wörterbuch findet sich bei »Unsinn« daher auch der Verweis zu einer geistigen Erkrankung. Und obwohl damit nicht Narzissmus gemeint ist, spürt doch jeder die semantische Nähe von Wahnsinn und Unsinn in den Momenten, wwenn der amerikanische Präsident 140 Zeichen von sich gibt.

»Das Buch ohne Bilder« hat 2062 Zeichen auf 52 Seiten. Es reiht sich als neuer Akteur in den täglichen Vorlesezirkus am Abend ein. Zugegeben, ein Kinderbuch ohne Bilder stellt eine Ausnahme dar. Und doch kann es genauso gut unterhalten, wie solche mit Illustrationen. Ohne jeden Zweifel regt sich ein Schmunzeln beim Leser wie Vorleser des Buchs. Über das Gegacker des Zuhörers müssen wir an dieser Stelle gar kein Wort verlieren. Der Autor hat für seine Idee genügend Preise abholen können.

Das Konzept geht auf, da es auf einem einfachen Prinzip aufbaut. Man erinnert sich: Der Klassenclown stand immer im Mittelpunkt seiner Manege. Man lauerte darauf, dass etwas geschah; beobachtete jede Zuckung, hoffend den Auftakt zur Show nicht zu verpassen. Dennoch kamen die meisten Blödeleien gänzlich unerwartet. Das Ziel des Klassenclowns war trotzdem erreicht: Die Aufmerksamkeit des Publikums, verbunden mit einer gewissen Erwartungshaltung, war ihm sicher.

So auch hier. Während man also mit der ersten Seite beginnt, die nichts weiter mitteilt, außer, dass es sich um ein Buch ohne Bilder handelt, was man in der Hand hält, greift die nächste Seite bereits einen Gedanken auf, der sich im Leser gerade erst gebildet hat: »Vielleicht klingt es langweilig, wenn dir jemand ein Buch ohne Bilder vorliest«.

Man könnte dem ohne Weiteres zustimmen, wäre da nicht eine gewisse Paradoxie. Ein Buch MIT Bildern liest man nicht, sondern schaut es an. Ein Buch ohne Bilder muss hingegen notwendigerweise Text enthalten, um es überhaupt vorlesen zu können. Diese Erbsenzählerei über den Bedeutungsunterschied zwischen Anschauung und Begriff hat ihren Sinn. Auf Seite Vier deutet Novak ausdrücklich auf die Funktionsweise von Büchern hin. Der amerikanische Stand-Up Comedian tut dies natürlich mit einem Augenzwinkern. Er unterstellt dem Zuhörer, dass bloßes Vorlesen langweilig ist. Also muss Anschaulichkeit her. Action. Denn nun erfährt der Leser, dass er alles, was geschrieben steht, vorlesen muss – »egal was«. Heraus kommt, was zu erwarten steht: Der Vorleser macht sich selbst zum Clown, wenn er sagen muss: »Ich bin ein Affe, der sich selbst das Lesen beigebracht hat«.

Die Komik der Äußerungen gründet sich auf der Gezwungenheit der Situation, die mit Kommentaren wie »Hey! Ich bin doch kein Affe« verschärft wird. Denn diese müssen natürlich ebenfalls vorgelesen werden. Der Vorleser wird zum scheinbar machtlosen Opfer des Buchs. Völlig Banane wird es in dem Moment, als das »Buch ohne Bilder« durch die Stimme des Vorlesers selbstbezüglich fragt »Ist dieses Buch eigentlich ein Witz«?

Nein. Denn das Buch soll die erwachsenen Vorleser dazu bringen, sich lächerlich zu machen. Es soll blöd sein. So blöd, dass der Vorleser darum bettelt, das Kind möge sich das nächste Mal ein Buch mit Bildern zum Vorlesen aussuchen.

Mein Vorschlag lautet daher einen Comic zu nehmen. Dieser dürfte alle Seiten zufrieden stellen.