Buchrezensionen, Rezensionen

Barbara Alder/Barbara den Brok: Die perfekte Ausstellung. Ein Praxisleitfaden zum Projektmanagement von Ausstellungen, transcript Verlag 2012

Der jüngst im transcript Verlag erschienene Band von Barbara Alder und Barbara den Brok knüpft nicht an der langen Kette von Ausführung zum Projektmanagement an. Stattdessen haben es sich die Autorinnen zum Ziel gesetzt, Ausstellungsmanagement sowie die Aufgaben der Projektleitung anschaulich und praxisorientiert zu beschreiben. Eine Besprechung von Verena Paul.

Bereits das Inhaltsverzeichnis gibt den Lesern durch seine Unterteilung in drei große Kapitel einen sehr guten Überblick und ermöglicht – je nach Interessensschwerpunkt – ein Querlesen und Aufsaugen von wichtigen Informationen. Doch wir wollen nicht gleich mit einem wilden Blättern beginnen, sondern die Gedankengänge der beiden Autorinnen Schritt für Schritt nachvollziehen.

Im Zentrum des ersten (theoretischen) Teils steht »Das Managen einer Ausstellung«, den Barbara Alder erarbeitet hat. Sie wirft wichtige Fragen auf und stellt Methoden vor, die in der Praxis gewinnbringend angewandt werden können. Woran muss beispielsweise der Projektleitende primär denken? Wie gelingt es ihm, den roten Faden nicht zu verlieren oder im komplexen Chaos den Überblick zu verlieren? Wie kann ein Projektteam, dessen Beteiligte »verschiedene Hintergründe, Ausbildungen und Berufserfahrungen haben« und dahingehend »ganz unterschiedliche Fachsprachen« sprechen, von der Projektleitung zusammengeführt und sinnvoll vernetzt werden? In fünf Arbeitsschritten entwickelt die Autorin einen Plan, der den Projektleiter aber mitnichten in ein Korsett zwängen möchte, sondern ihm Anstöße für Ideen und Freiraum zur Entwicklung einer eigenen Handschrift gibt. In der sogenannten »Vorprojektphase« werden vom Projektleiter die Grundlagen für die Ausstellung erarbeitet, die in der »Planungsphase« genauer zu konturieren sind. In der »Realisierungsphase« geht es schließlich an die konkrete Umsetzung des zuvor Geplanten. Ist die Ausstellung eröffnet beginnt die »Folgephase«, in der – je nach Vereinbarung mit dem Auftraggeber – das Projekt weiter betreut, Nachbesserungen vorgenommen und Publikumsumfragen erstellt werden können. In der »Abschlussphase« wird das Projekt zu Ende gebracht, die Ausstellung abgebaut, Leihgaben zurückgegeben, Unterlagen sortiert, Wichtiges archiviert und ein Abschlussbericht geschrieben.

Im zweiten Teil geben die von Barbara den Brok geführten Interviews mit zehn Projektbeteiligten einen Einblick in den Berufsalltag. »Die Interviews«, erklären die Autorinnen im Vorwort der Publikation, »sind Erfahrungsberichte, die Einblick in die konkrete Ausstellungsmanagement-Praxis in mittleren und großen Museen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein geben.« Die vorangestellten Informationen zu den Interviewpartnern, den jeweiligen Ausstellungen und den Institutionen, in denen die Präsentationen erfolgten, machen dieses Kapitel zu einer äußerst spannenden Lektüre. Nicht zuletzt wird dies durch die bisweilen unterschiedliche Herangehensweise der Befragten an ihre Aufgaben unterstützt. Die Gespräche bilden nämlich, wie Barbara den Brok schreibt, »die Vielfalt solcher Projektrealitäten anschaulich ab und bieten einen vertieften Einblick nicht zuletzt auch in deren kulturspezifische und menschlich-individuelle Dimension.« Während Alexandra Bunge als Projektleiterin der Wanderausstellung »Messel, Urpferd & Co.« im Naturhistorischen Museum Basel eine klare Phasenentwicklung skizziert, gesteht Bärbl Schrems für die im WienMuseum gezeigte Sonderausstellung »Wien im Film. Stadtbilder aus 100 Jahren«, dass die »einzelnen Projektphasen oder -abschnitte, die Vorplanung, die Grobplanung« im Projekt oft ineinander »verschwimmen«. Und doch sind sich alle Befragten einig, dass an irgendeiner Stelle des Projekts immer improvisiert werden muss. Nadine Felix, die die Wanderausstellung »2 Grad – Das Wetter, der Mensch und sein Klima« im Kunstfreilager Basel geleitet hat, erklärt beispielsweise: »Man kann ein Projekt skizzieren, man kann einen Phasenplan machen, aber wie die Akteurinnen und Akteure zusammenspielen, das ist schlecht planbar.«

Fortsetzung von Seite 1

Besonders interessant – und deshalb möchte ich dieses Buch nicht nur für Projektleitende, sondern auch für Studentinnen und Studenten geisteswissenschaftlicher Fächer empfehlen – sind die Lebensläufe und das kurz umrissene Selbstverständnis der Interviewten. Während manche in ihrer Rolle als Projektleiterin oder Projektleiter gänzlich aufgehen, weisen andere zugleich auf Nachteile dieser Position hin. Susanne Gesser, die die Sonderausstellung »Schatten & Licht« im Kindermuseum Frankfurt geleitet hat, bekennt – trotz ihrer Freude an der Aufgabe –, dass sie »dieses Hineinversinken in ein Thema« vermisst. »Manchmal«, fährt sie fort, »finde ich das auch frustrierend. Ich habe die Projektleitung, aber eigentlich ist es nicht mein Produkt. Ich habe nicht wirklich daran mitgearbeitet, habe nur dafür gesorgt, dass alle anderen arbeiten können.«

Den dritten und damit den Band abschließenden Teil bildet der »Materialanhang«. Er besteht aus dem »Glossar«, das zentrale Begriffe aus dem Projektmanagement definiert und wichtige Methoden erläutert, dem Kapitel »Hinweise, Anregungen und Checklisten« mit praktischen Tipps für die Organisation eines Ausstellungsprojektes sowie den »Weiterführenden Informationen«. Hier werden Literaturhinweise kommentiert und auf Webseiten und Berufsverbände verwiesen, womit den Lesern weitere Orientierungshilfen gegeben werden.

Fazit: Mit »Die perfekte Ausstellung« ist dem transcript Verlag eine Publikation gelungen, die durch klare Struktur, hilfreiche Tipps und spannend zu lesende Erfahrungsberichte von zehn Expertinnen und Experten Lob verdient. Ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt hat und das ich deshalb gerne empfehlen möchte.