Ausstellungsbesprechungen

Bauhausideen um Itten, Feininger, Klee und Kandinsky – Vom Expressiven zum Konstruktiven

So gelassen stieg wohl kaum je eine Revolution in die Geschichte ein. Das Bauhaus schien – zumal aus heutiger Sicht – immer da gewesen zu sein, und doch gab es auch hier einen brodelnden Gedankensud, ein ästhetisches Abenteuer, in das sich expressive und konstruktive Ideen einmischten, um eine funktionale Linie vorzulegen, die sich bis in unsere Gegenwart nachzeichnen lässt.

Geht man zurück zu den Anfängen des Bauhauses zurück, entdeckt man einen emotionalen Untergrund, der dem rasch sich in der Öffentlichkeit breit machenden Eindruck der Kühle fortan Leben einhauchte. Murnau setzt jener frühen Geschichte ein schönes Denkmal: Arbeiten von Itten, Kandinsky, Feininger, Klee, Schlemmer & Co. haben ihren Weg ins Voralpenland gebahnt und präsentieren sich ausnahmsweise von einer ambivalenten Seite, deren Eckpunkte Johannes Itten und Walter Gropius heißen.

 

Den besonderen Reiz der Ausstellung machen die Mappenwerke aus, allen voran Oskar Schlemmers »Spiel mit Köpfen«, das zum schönsten und sensibelsten gehört, was der ansonsten bis zur Unterkühlung distanzierte Künstler geschaffen hat. Insgesamt gewähren die Mappenarbeiten einen eher subjektiven Einblick in die stilistische Bandbreite der ersten Bauhausjahre.

 

Dazu kommen die Kreise Ittens und Moholy-Nagys als gegenläufige Gruppierungen zum Vorschein. Nicht zuletzt gebührt dem wunderbaren Theo van Doesburg ein Logenplätzchen in der Schau, um das sich Walter Dexel, Peter Keler und Karl Peter Röhl scharten – von hier aus verengte sich die Schule zum Hort nüchterner Konstruktivismen (für die stimmungsbetonte Richtung bot der Expressionismus eine Zufluchtsmöglichkeit).

 

Die temporäre Bauhaus-Enklave in der Stadt des Blauen Reiters – Kandinsky fungiert freilich als renommiertes Bindeglied – ist keine Mammutausstellung, wie man sie in den Metropolen unserer Zeit gerne zeigt, im Gegenteil: In wenigen Räumen sind Glasarbeiten, Keramik, Möbel, Architekturmodelle und anderes mehr zu sehen.

 

Aber in dieser Konzentration lässt sich der »richtigen« Form leichter nachspüren als etwa in der Münchner Werkbund-Schau, die das Ganze ausufernder in Szene gesetzt hat. Dass es sogar Einzelpositionen gab, die bei aller Dominanz konstruktivistischer Tendenzen den expressiven Urquell des Bauhauses weiterpflegten, führt Georg Muche vor, der mit dem quasi-kubistischen Bild »Der Tisch« in Murnau vertreten ist.

 

Die Ausstellung wird vom 20. Juli 2007 – 23. September 2007 im Meisterhaus Kandinsky/Klee in Dessau zu sehen sein.

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