Buchrezensionen

Beaujean, Dieter : Bilder in Bildern. Studien zur niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts.

Dieter Beaujean weist eingangs zu Recht auf die grundlegenden Studien von Eddy de Jongh hin, mit denen er, wie Beaujean betont, auch fruchtbare Reibungspunkte für nachfolgende Untersuchungen bietet.

1 Er sah Bilder in Bildern als Mittler und Schlüssel verdeckter Sinnschichten meist moralisierender Art, die es für gelehrte Betrachter des 17. Jahrhunderts etwa anhand von Emblemen zu enträtseln galt. Beaujean erkennt, dass solche Deutungsmuster, die ausschließlich die Ikonographie der Bilder im Bild mit der des Gesamtbildes in Beziehung setzen, nur in ausgesuchten Einzelfällen Erfolg versprechen. Sie bieten aber kaum einen ausreichenden Zugriff auf die Mehrzahl der Genredarstellungen und auf Aspekte, die über solche Motivverbindungen hinausgehen, beispielsweise die Fälle, in denen die Ikonographie nicht eindeutig zu identifizieren ist. Diese Forschungslücke will der Verfasser mit der vorliegenden Arbeit schließen.

Der Bogen der Bilder in Interieur-Bildern wird gespannt vom 15. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. So zitiert beispielsweise Pieter Pourbus in seiner Verkündigung an Maria einen Kupferstich des Sündenfalls von Lucas van Leyden. Durch die Umsetzung eines bestimmbaren Stiches und besonders durch das Zitat eines so geschätzten Künstlers, erzählt das Bild im Bild nicht nur von der Anerkennung des Vorgängers, sondern es wertet auch das eigene Gemälde auf, stellt Dieter Beaujean fest.

Dass Gemälde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert als Bestandteile wohlhabender Raumausstattung gelten, führt er sehr deutlich aus. Zudem sei damit auch das Sammlerinteresse und die Freude an Gemälden im Innenraum dokumentiert, die – auf die flämische Malerei beschränkt - die Galeriebilder als neue Bildgattung hervorbringen.

Beaujean erkennt, dass die Art, wie Bilder im Bild eingefügt werden, gleichsam für den Maler signaturhaft kennzeichnend sind. So ist etwa die Übersetzung von Druckgraphik in Malerei für Abel Grimmer bezeichnend. Bartholomeus van Bassen bevorzugte die Veränderung der Bilder in seinen Bildern und versuchte immer wieder neu, Hängung, Themen und Formate zu variieren. Stattdessen bedient sich Nikolaes de Gjselaer ausschließlich der Gattung „Landschaft“ für seine Interieur-Bilder.

Dezidiert untersucht der Verfasser im Hauptteil das Werk von Pieter de Hoch, Jan Steen und Jan Vermeer van Delft auf den Einsatz von Bildern in deren Interieurbildern. Pieter de Hoch, sowie auch sein Kollege Jan Steen bevorzugen druckgraphische Vorlagen, die sie nuancenreich variieren. Vermeer gebraucht das Zitat der älteren Malerei einerseits als Kontrast zur eigenen Arbeit, aber auch als gemalte Kunsttheorie. Er rekurriert überwiegend auf die Kunst der 1620er Jahre, die für die gesamten Niederlande eine fruchtbare, aber zu Lebzeiten des Delfter Künstlers bereits abgeschlossene Epoche bilden. Beaujean schließt seine Arbeit mit einer eher empirischen Untersuchung über den Einsatz und die Häufigkeit der Verwendung der einzelnen Bildgattungen als Bilder in Bildern ab. 

Leider sind die Abbildungen recht klein und nur schwarz-weiß, so dass es manchmal schwer fällt, die interessanten und detailreichen Ausführungen über die Bilder in Bildern mit den eigenen Augen nachzuvollziehen.

1 Eddy de Jongh: Realisme en schijnrealisme in de hollandse schilderkunst van de zeventiende eeuw, in: Ausstellungskatalog: Rembrandt en zijn tijd, Paleis voor Schone Kunsten Brüssel 1971, S. 143-194.