Ausstellungsbesprechungen

Bernd Frank, Plakate 1970 – 2007

Fast 80 Plakate von Bernd Frank sind im Renaissancesaal der Kunsthalle Erfurt derzeit ausgestellt. Die Schau vermittelt einen Überblick über mehr als 35 Jahre seines Schaffens als Grafiker, in dem sich der gebürtige Erfurter besonders dem Theaterplakat verschrieben hat.

Neben dem Textplakat, das als politisches und administratives Kommunikationsmittel seit dem 16./17. Jahrhundert fungierte, war es vor allem das Theaterplakat, das die Geschichte dieses Werbemediums schrieb – anfänglich als »Gauklerplakat«, das die Auftritte von fahrenden Artisten ankündigte, später wurden mit ihm Theater- und Varietéveranstaltungen beworben. Durch die Entwicklung der Lithografie, besonders der Farblithografie, wuchs die Bedeutung des Plakats an sich zum Ende des 19. Jahrhunderts. Jetzt entdeckte die kommerzorientierte Industrie dessen werbewirksames Potenzial für ihre Produkte, so dass sich um 1900 die Gebrauchsgrafik als eigenständiger Berufszweig etablieren konnte. Ab Ende der 1940er Jahre erlebte das Theater- und Ausstellungsplakat erneut einen Aufschwung. Es hat die Entwicklung vom rein szenisch-illustrativen Plakat hin zu komplexeren Darstellungen vollzogen und ist zu einem eigenständigen künstlerischen Ausdrucksmittel geworden. Besonders in der DDR der 1970er bis 90er Jahre konnte es mit seiner hohen grafischen Qualität und seinem Gestaltungsreichtum überzeugen. Das anspruchsvolle Kunstplakat, das zu dieser Zeit im Stadtbild das Theater präsentierte, existiert in der Form heute nicht mehr. Damit zeigt die Ausstellung nicht nur den künstlerischen Schaffensweg Bernd Franks, sondern spiegelt ebenso ein Stück Theatergeschichte wider.

 

# Page Separator #

 

Theater ist ein Ort des Spiels und der Imagination und eröffnet per se ein breites Spektrum an künstlerisch kreativen Ausdrucksmöglichkeiten. Franks Werk erscheint hinsichtlich seiner formalen Gestaltung und visuellen Darstellungsmuster äußerst heterogen. Die Freude am Experiment ist unverkennbar. Zugleich entwickelte er eine charakteristische Handschrift. Mit dieser verhalf er vor allem der Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz, für die er von 1972–2002 arbeitete, zu einer Art Corporate Design. Seine Plakate für Inszenierungen wie zum Beispiel »Macbeth« (1982) oder »Der Bau« (1979), beide von Heiner Müller, wurden im Stadtbild von Berlin zum Synonym für diese Institution und beeinflussten zugleich die Plakatgestaltung anderer Bühnen.

 

Die Reduzierung auf Schwarz-Weiß und die dazwischenliegende Grauskala gehört zu seinem individuellen Stil. Das in Variationen immer wieder auftauchende Rot wird zum signalgebenden und informativen Akzent. Nach eigener Aussage fühlt sich Frank in dieser Welt der Nichtfarbe am sichersten. Mit der Beschränkung im Bereich der Farbe steht er in der Tradition der Konstruktivisten wie El Lissitzky und des Bauhauses. Seine Formensprache hingegen ist variantenreich und expressiv, collageartig werden die einzelnen Bildelemente zusammengesetzt. Er benutzt Fotografien, eigenes bereits verworfenes Material, reißt, schneidet und arrangiert diese Fragmente zu neuen Bildideen und komplettiert sie durch Zeichnungen und Übermalungen. Bewusst arbeitet er mit Unzulänglichkeiten und Fehlern, die zu reizvoll spröden und ungewöhnlichen Ergebnissen führen.

# Page Separator #

 

Darüber hinaus inszeniert er die Schrift, sie wird über ihre rein informative Funktion hinaus zum eigenständigen und in einigen Plakaten zum einzigen Bildelement. Helmut Brade spricht bezogen auf das Othello-Plakat von einem »typografisch archaischen Kreuzworträtsel«. Typografie in allen Größen und Formen entwickelt sich zu Fläche, Raster, Struktur und verbindet sich mit den zeichnerischen und malerischen Elementen zu einem immer wieder neuen und überraschenden Gesamtkonzept. Das von Achim Freyer entwickelte Logo für die Volksbühne – das rechtwinklige V – erfindet er in seiner Gestalt stets aufs Neue: Mal stehen zwei Schriftblöcke im rechten Winkel zu einander, mal wird es aus zwei kräftigen Pinselstrichen komponiert oder zu einem farbigen Dreieck abstrahiert. Es dient als symbolische Metapher oder ist einfach grafisches Element.

Franks Plakate sind absichtsvoll und provokativ und besitzen eine Vielschichtigkeit, die sich einer oberflächlichen und eindeutigen Lesbarkeit verweigert.

 

Daneben ergänzen Tournee-Poster, Ausstellungsplakate sowie freie Arbeiten die Präsentation von Bernd Frank. In der Serie Ferne reflektiert er über das Thema der Distanz und spielt mit ihren verschiedene Assoziationen: die räumliche, zeitliche und metaphorische Dimension werden befragt. Diese am Computer entstandenen zum Teil sehr malerisch wirkenden Grafiken sind ein Schwerpunkt seines aktuellen künstlerischen Schaffens.

 

Arbeiten von Bernd Frank sind nicht das erste Mal in der Kunsthalle Erfurt ausgestellt: Einige seiner Plakate wurden mehrfach ausgezeichnet und somit in der Ausstellung »100 beste Plakate« (Wettbewerb seit 1966, heute auf den gesamten deutschsprachigen Raum ausgeweitet) bereits zu DDR-Zeiten an diesem Ort präsentiert.

 

Am 10. Mai findet in der Kunsthalle Erfurt um 19.00 Uhr ein Künstlergespräch mit Bernd Frank unter dem Titel »Nicht alles ist Theater« statt.

 

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr

Donnerstag 11-22 Uhr

Diese Seite teilen