Ausstellungsbesprechungen

Birmas Lackkunst in deutschen Museen

Welch ein Glück, die Kuratorin Uta Weigelt noch bei einer von ihr geleiteten Führung angetroffen zu haben. Von A bis Z hat sie die Ausstellung gemacht, sagte sie. Tags darauf verabschiedete sie sich für unabsehbare Zeit aus Deutschland. Geblieben ist die Schau: „Birmas Lackkunst in deutschen Museen“. Sie ist bis zum 17. April im Lackmuseum in Münster zu sehen.

Aus neun deutschen Museen hat Uta Weigelt die Exponate für die Ausstellung zusammen getragen. Teller, Becher, Schalen, Kästen und Beteldosen aus dem Alltag eines Landes, das die US-amerikanische Außenministerin Condoleeza Rice wegen seiner diktatorischen Regierung auf eine Achse mit Nordkorea stellte. Reliefierte, vergoldete, mit Glas- und Edelsteinen bestückte Votivgefäße, Truhen, Musikinstrumente und buddhistische Plastiken verweisen auf die reiche Kultur des ehemaligen Königreiches.

 

Ohne die Anekdoten, die sich um einzelne Stücke ranken und die Uta Weigelt zu erzählen weiß, bleibt einem nichts anderes übrig, als über die filigrane Ausführung der Lackarbeiten aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu staunen. Das Verstehen kommt erst beim Lesen der Infotafeln und des Kataloges (20 Euro). Es sei denn, man würde dem immer noch schwierig zu bereisenden Land einen Besuch abstatten. Dann ist einem zumindest die Bedeutung des Buddhismus bewusst und man fragt sich nicht, warum die Buddha-Figuren so große Ohren haben. Touristen nehmen aus Myanmar – so heißt der Staat im offiziellen Ton der aktuellen Regierung - auch ganz gern mal eine kleine Lackschale als Souvenir mit. Sie sind eine wichtige Einnahmequelle für die birmanischen Lackkünstler von heute. Früher waren der königliche Hof und Klöster die Hauptabnehmer.

 

Mit dem Aufkommen von Waren aus Porzellan, Emaille, Glas und Plastik drohte die Lackkunst zwischenzeitlich ihre ökonomische Basis zu verlieren. Doch die Gründung der Lacquer School of Pagan im Jahr 1924 verhinderte den Niedergang. Dort werden traditionelle Herstellungsverfahren gelehrt. Die Ausstellung in Münster gewährt einen Einblick in die verschiedenen Techniken.

 

Uta Weigelt ist mittlerweile in China. Dort will sie sich wieder ihren in München studierten Spezialdisziplinen widmen: Sinologie, Chinesische Archäologie und Ethnologie. Und Lackbäume gibt es auch im Reich der Mitte. Einen übrigens auch direkt neben dem Lackmuseum in Münster.

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