Call for Papers

Call for Papers: Kunst und Emotion: Zur Ästhetik der Gefühle, am 5. und 6. November 2015 in Zürich

Die Emotionsforschung ist nicht nur ein Thema der Psychologie und Verhaltensbiologie, sondern kann auch den Geisteswissenschaften ein spannendes Forschungsfeld bieten. Das Internationale Symposiom möchte daher das Emotionale in Kunst und Ästhetik untersuchen. Eingeladen sind alle Wissenschaftler, die sich mit dem Phänomen der Ästhetik des Emotionalen beschäftigen. Einsendeschluss für Exposés: 31. Mai 2015.

Unter der Vorherrschaft ästhetischer Konzepte, denen es um die Förderung einer aufgeklärt distanzierten und daher emotional wenig implizierten Rezeptionshaltung ging, geriet die affektive Wirkung von Kunst an die Ränder sowohl der künstlerischen als auch der kunsthistorischen Interessen. Ästhetische Strategien, die auf Erzeugung von Emotionalität zielen, galten entweder als Machttechniken, die den Betrachter vereinnahmen und ihn des freien Urteils berauben, oder als Merkmale einer rührseligen Billigkultur.

Selbst im Kontext postmoderner künstlerischer Praktiken und deren theoretischer Reflexion, die sich vorrangig für die Verschmelzung von High- und Low-Culture stark machten, hatten Formen unmittelbar affektiver Rezeption in Anbetracht der favorisierten ironischen Distanz einen schweren Stand.

Seit einigen Jahren ist jedoch ein vehement gesteigertes Interesse an affektiven Wirkungsformen festzustellen. So sind in der Kunst des 21. Jahrhunderts oftmals nicht nur installative Arbeiten und solche, die eine partizipative Einbindung der Rezipienten voraussetzen, darauf angelegt, starke Gefühle hervorzurufen, sondern auch Werke in den „klassischen“ Bildmedien wie Malerei und Fotografie. Auch in den Wissenschaften wird Phänomenen des Emotionalen zunehmend mehr Bedeutung beigemessen, was sich unter anderem an der Etablierung spezifischer Forschungsschwerpunkte ablesen lässt (z. B. in Frankfurt, Berlin, Mainz und Genf). Bereits wird ein sogenannter „emotional turn“ behauptet. Zur Konjunktur des Emotionalen trägt des Weiteren der gegenwärtige Erfolg der Neurowissenschaften bei, die in der Ergründung des Affektiven eines ihrer Kerngeschäfte haben.

Mit der geplanten Tagung sollen, u. a. basierend auf den Ergebnissen der jüngst eingerichteten Forschungsinitiativen, Phänomene einer Ästhetik der Emotionalität in einer interdisziplinären Perspektive untersucht und zur Diskussion gestellt werden. In den Blick genommen werden dabei künstlerische und theoretische Positionen sowohl zeitgenössischer als auch historischer Provenienz. Fragen zu den im ästhetischen Diskurs immer wieder behaupteten Grenzen der künstlerischen Medien bei der Darstellung von Affekten sowie zum Verhältnis von Emotion und Authentizität sollen ebenso Berücksichtigung finden wie Probleme der Lenkung und Manipulation durch Emotion.

Die Veranstalter laden interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Kunst-, Musik-, Literatur- und Filmwissenschaft sowie Psychologie, Philosophie und weiterer verwandter Disziplinen ein, das Problemfeld in Bezug auf die folgenden möglichen Aspekte zu untersuchen:

  • Historiographie ästhetischer Theorien zum Verhältnis von Kunst und Emotion
  • Positionen ästhetischer Affektverneinung in Moderne und Postmoderne
  • Korrespondenzen zwischen einer sozialgeschichtlich fundierten „Geschichte der Gefühle“ und einer Kunstgeschichte der ästhetisch gefassten Emotionalität
  • Signifikante künstlerische Beiträge zur Geschichte emotional affizierender Kunst
  • Installative Kunstwerke – mit oder ohne partizipative Einbindung des Betrachters – und emotionale Steuerung
  • Bedeutung von Erkenntnisgewinnen aus den Neurowissenschaften für eine Ästhetik der Affekte

Die Strukturierung der Tagung erfolgt voraussichtlich entlang bestimmter Emotionen (z. B. Angst, Freude, Trauer, Erregung …). Deren Auswahl ist von den Eingaben auf den Call for Papers abhängig und steht noch nicht fest.

Für die Referate sind je 20 Minuten vorgesehen. Aufenthaltskosten und Reisespesen (2. Kl./economy) werden gegen Vorlage der Belege von den Veranstaltern übernommen. Exposés für Referate (max. 1 Seite) in Deutsch, Französisch oder Englisch mit kurzem Lebenslauf werden per E-Mail erbeten bis zum 31. Mai 2015 an:

Regula Krähenbühl (regula.kraehenbuehl@sik-isea.ch)

Organisation: Dr. Roger Fayet und lic. phil. Regula Krähenbühl (SIK-ISEA)

Tagungsort: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA, Zürich

Mehr erfahren Sie unter www.sik-isea.ch