Call for Papers

Call for Papers: Studentische Tagung: Doppelt tot. Das Körperbild von Toten in der Kunst der Frühen Neuzeit, vom 13. bis 14. Februar 2015 in Hamburg

Die Tagung geht bildtheoretischen Fragestellungen über Körperbilder von Toten nach. Sie richtet sich vor allem an Masterstudenten, aber auch an Bachelorstudenten des höheren Semesters. Einreichungsfrist für Abstracts: 15. Dezember 2014

Bildtheoretische Reflexionen über die Ambivalenz, dass das tote Artefakt vorgibt etwas Lebendiges darzustellen, haben immer wieder Anlass gegeben, über die Beziehung der Kunst von tot und lebendig, Schein und Sein, An- und Abwesenheit nachzudenken. Dem bekannten Topos, dass die Aufgabe der Bilder eine mimetische und möglichst lebendige Verdopplung des Lebens sei, folgt der, dass der Tod Movens des Bildermachens ist, wie Hans Belting anhand der spektakulären Schädelfunde aus Jericho eindrucksvoll beschrieben hat. Mit solchen Körperbildern der Toten wird dem Tod ein Bild des Lebens entgegengehalten, das versucht die Lücke, die der Verstorbene hinterlassen hat, zu schließen. Leonardo da Vinci bemerkt dagegen in seinem posthum veröffentlichten »Trattato della pittura«, dass das Artefakt, gelinge es dem Künstler nicht das Lebendige möglichst lebendig darzustellen, sogar „doppelt tot“ sei.

Was passiert also, wenn gar nicht das Lebendige möglichst lebendig, sondern der zweite Tod des Artefakts ausdrücklich gewünscht ist: wenn der Dargestellte ein Toter ist, der möglichst „lebendig“ tot gezeigt werden soll? In diesem Fall gewinnt das Nachdenken über An- und Abwesenheit doppelte Bedeutung, ist doch der Tote in seiner anwesenden Abwesenheit geradezu das Urbild schlechthin, wie Maurice Blanchot eingehend formuliert hat. Nicht nur die Vorstellung des Ausgleich schaffenden Objekts – der Tote wird durch ein lebendig wirkendes Bild ersetzt – ist hier ohne Belang, die Kunst muss auch gewissermaßen ihre Ideale verleugnen, denn es geht hier ja gerade nicht mehr um die Verlebendigung als Simulation der Lebendigkeit des Lebenden, sondern um die überzeugende Darstellung des Unbelebten.

Um diese verschiedenen Körperbilder der Toten in der Frühen Neuzeit soll es in der zweitägigen studentischen Tagung gehen. Dabei soll ein jeweils unterschiedlicher Schwerpunkt gesetzt werden. Während sich der erste Tag dem Anspruch und der Herausforderung der Grabmäler widmen soll, geht es am zweiten Tag um das Körperbild der Toten im Wandel.

Ein Antrag auf einen Reise- und Übernachtungskostenzuschuss von ca. 150 Euro pro Person ist eingereicht, die genaue Höhe wird noch bekannt gegeben. Vorschläge für 30 minütige Vorträge (die Länge der eingereichten Abstracts sollte eine Seite nicht überschreiten) sind per E-Mail zu senden an: Francadahm@gmx.de.