Call for Papers

Call for Papers: Tagung: Fürst und Fürstin als Künstler. Herrschaftliches Künstlertum zwischen Habitus, Norm und Neigung, am 9. und 10. Oktober 2014 in Wolfenbüttel

Die Forschung hat das Phänomen des künstlerisch tätigen Herrschers zwar wahrgenommen, doch bislang nicht in ein übergeordnetes Handlungsmuster oder gar eine Geschichte herrscherlicher Kunstpraxis einzufügen versucht. Die Kunstübung von Fürstinnen blieb bislang sogar weitgehend unbeachtet. Daher scheint es lohnend, anhand von Fallbeispielen vom Beginn bis zum Ende der Frühen Neuzeit und auf einer möglichst breiten, gattungsübergreifenden und interdisziplinären Grundlage nach Möglichkeiten einer Kategorisierung und Systematisierung des beschriebenen Phänomens zu suchen. Einreichfrist für Abstracts: 9. Dezember 2013

Es sind insbesondere Vorträge gewünscht, die die theoretische Rückbindung der herrscherlichen Kunstpraxis an zeitgenössische Traktatliteratur integrieren, aber genauso die Präsentation aufschlussreicher Fallbeispiele. Im Zentrum der Betrachtung sollen Mitglieder reichsunmittelbarer Familien, eigenständige Territorialherren, Fürsten und Fürstinnen stehen. Um die geschichtliche Entwicklung bzw. Ausdifferenzierung des Phänomens zu verfolgen, sind Vortragsvorschläge willkommen, die sich mit Beispielen zwischen 1500 und 1850 befassen.

Eine besondere Frage stellt sich nach der emotionalen, sozialen und politischen Funktion und Ausrichtung der Kunstpraxis in doppeltem Sinn a) nach innen (persönlich und höfisch-lokal) und b) nach außen (translokale Adelsnetzwerke). Interessant sind Selbstäußerungen der Fürsten und Fürstinnen zu Praxis und Ergebnis ihres Tuns und zugleich deren Rezeptionen durch Untertanen, Höflinge oder Mitglieder der Adelsgemeinschaft.

Besondere Aufmerksamkeit können folgende Aspekte besitzen: Adelsspezifische Modi der Performanz und Distinktionsstrategien, Einbindung der Kunstpraxis in tägliche Abläufe, der Anteil der Kunstpraxis an der Selbstinszenierung, eskapistische Kompensation (z.B. eines Nachgeborenen-Status), der persönliche und dynastische Memorialaspekt der Selbst-Erzeugnisse, das Ausstellen der eigenen Erzeugnisse, Prestigekonkurrenz in der Kunstübung, Anteile der einzelnen Disziplinen untereinander sowie deren Beziehung zueinander sowie das Verhältnis zwischen Fürst und Künstler.
Der Tagung liegt ein breites Verständnis von künstlerischer Tätigkeit und ein ebenfalls breites Tableau von Gattungen, in denen diese Kunstübung sich äußern konnte, zugrunde. Mögliche Gattungen der herrschaftlichen Kunstpraxis sind: Architektur, Musik, Komposition, Singspiel/ Oper/ Ballett, Literatur, Übersetzung, Zeichnung, Malerei, Modell- und Apparatebau, Gewerke (Drechseln, Nähen, Sticken, Schreinern), Exercitien (Reiten, Fechten, Tanzen), Alchemie/Forschung/Sammlung.

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Müller
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft
Abteilung Kunstgeschichte
Georg Forster-Gebäude
Jakob-Welder-Weg 12
D 55128 Mainz
Email: mattmuel@uni-mainz.de

Prof. Dr. Klaus Pietschmann
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft
Abteilung Musikwissenschaft
Jakob-Welder-Weg 18
D-55128 Mainz
pietschmann@uni-mainz.de

Dr. Annette C. Cremer
Historisches Institut
Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Str. 10 C,
D 35394 Gießen
annette.cremer@ggk.uni-giessen.de

Veranstalter: Rudolstädter Arbeitskreis für Residenzkultur in Zusammenarbeit mit der Herzog August-Bibliothek in Wolfenbüttel