Call for Papers

Call for Papers: Tagung: When exhibitions become politics. Geschichte und Strategien des politischen Ausstellens, vom 6. bis 8. Februar 2014 in Jena

In dem Symposium sollen unterschiedliche Beispiele politischer Kunstausstellungen nach den ihnen zugrundeliegenden Auffassungen des Politischen und der Kunst, nach den jeweils eingesetzten Strategien, dabei entstandenen Problemen und Konflikten sowie ihren Folgen und Wirkungen befragt werden. Einreichungsfrist für Abstracts: 8. November 2013

Das Politische boomt in der Kunstausstellung. In jüngster Zeit werden nicht nur immer mehr Ausstellungen politischen Themen gewidmet, es nehmen auch immer häufiger Ausstellungen selbst einen dezidiert politischen Charakter ein – sei es dass sie wie die Documenta 13 im Jahr 2012 aus einer autonom-ästhetischen Position heraus aktuelle globale Fragen untersuchen, sei es dass sie wie die 7. Berlin Biennale im selben Jahr die Grenze der Kunstautonomie hin zu Formen des politischen Aktivismus bewusst überschreiten. Nicht nur das individuelle oder kollektive künstlerische Tun, sondern auch die kuratorische Handlung gerät damit zur politischen Intervention.

Die direkt oder indirekt politisch agierenden Ausstellungen der letzten Jahre können sich dabei durchaus auf eine eigene Tradition stützen. In der Geschichte der Moderne gibt es zahlreiche Ausstellungen, die sich in unterschiedlicher Weise auf aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen beziehen. Dazu zählen provokante Künstlerausstellungen wie Courbets „Realismus“-Pavillon (1855) und die „Erste internationale DADA-Messe“ (1920) oder auch die „Acht Wochen Klausur“ in der Züricher Shedhalle (1994).

Auch der Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität Jena und der Jenaer Kunstverein reihen sich in diese Traditionslinie ein, indem sie im Herbst 2013 die Ausstellung „BrandSchutz // Mentalitäten der Intoleranz“ präsentieren. Es handelt sich dabei um eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die sich mit latenten menschenfeindlichen Haltungen in der bürgerlichen Mitte auseinandersetzt, welche das Erstarken des Rechtsextremismus begünstigen. Die Idee ist, gerade keine didaktische „Kunst gegen rechts“-Ausstellung zu machen, sondern die eigenen Potenziale der Kunst zur Wirkung kommen zu lassen. Werke von 21 internationalen Künstlerinnen und Künstlern werden an zehn Orten im Zentrum von Jena präsentiert, wo sie leicht zugänglich sind und keinen Eintritt kosten. So soll ein breites Publikum über den engen Kreis der an Gegenwartskunst Interessierten hinaus erreicht werden.

Zugleich nimmt der Lehrstuhl für Kunstgeschichte das „Brandschutz“-Projekt zum Anlass, dem politischen Ausstellen ein Symposium zu widmen. Beleuchtet werden sollen die Geschichte, Strategien und Erfahrungen künstlerisch-kuratorischer Ausstellungen, die zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen Stellung beziehen und etwas bewegen wollen – wobei als Subjekt dieses Anspruchs nicht primär das einzelne Kunstwerk, sondern dezidiert die Ausstellung als Ganzes in Erscheinung tritt. Welche Konsequenzen hat aber dieser Anspruch für die ausgestellten Kunstwerke, wie werden diese dadurch umkodiert? Wie interagieren die Werke in dem spezifischen Kontext? Inwiefern reflektiert die Ausstellungsstrategie die Strategien politischer Kunst? Welche Konflikte ergeben sich aus dem Spannungsverhältnis von künstlerischem Autonomieanspruch und intervenierendem Engagement? Mit welchen Strategien werden traditionelle Erwartungshaltungen an Kunstausstellungen unterlaufen oder auch bedient? Welchen Stellenwert nehmen dokumentarische Verfahren ein? Welche Publika werden erreicht, welche Rezeptionsformen hervorgerufen? Welcher Kunstbegriff liegt dem einzelnen Ausstellungsprojekt implizit oder explizit zugrunde, welche Auffassung des Politischen und des Verhältnisses zwischen beiden? Welchen Ziele und Ansprüche sind mit der Ausstellung intendiert und welche (möglicherweise unbeabsichtigten) politischen Auswirkungen werden erzielt? Und schließlich: Können im heterogenen Feld des politischen Ausstellens typologische Unterscheidungen getroffen werden?

In dem Symposium sollen unterschiedliche Beispiele politischer Kunstausstellungen nach den ihnen zugrundeliegenden Auffassungen des Politischen und der Kunst, nach den jeweils eingesetzten Strategien, dabei entstandenen Problemen und Konflikten sowie ihren Folgen und Wirkungen befragt werden. Dabei sind Erfahrungsberichte von jüngeren Ausstellungsprojekten ebenso willkommen wie Untersuchungen historischer Beispiele. Systematische Fragen nach Strategien, theoretischen Grundlagen und praktischen Erfahrungen stehen im Vordergrund des Interesses.

An der Thematik interessierte Forscherinnen und Forscher sind gebeten, ein Abstract eines möglichen Beitrags zusammen mit einem kurzen CV an verena.krieger@uni-jena.de zu senden.