Call for Papers

Call for Papers: Wissenschaftliches Kolloquium zum Forschungsstand der Geschichte der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, am 21. und 22. Oktober 2010 in Dresden

Im Jahr 2010 werden die Kunstsammlungen Dresden, eine der ältesten, wichtigsten und differenziertesten Sammlungen in Europa, 450 Jahre alt. Dieses Jubiläum bildet den Anlass, 450 Jahre Sammeln, Bewahren, Erforschen und Präsentieren von Kunst in Dresden zu reflektieren, Entwicklungslinien, Konstanten und Veränderungen herauszuarbeiten, dabei aber auch aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu thematisieren. Einsendeschluss für Exposés ist der 16. Juli 2010.

Das wissenschaftliche Kolloquium bietet die Gelegenheit zu einer Bestandsaufnahme des Forschungsstandes zur Geschichte und den Beständen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und widmet sich vier größeren Themenbereichen:

I. Die Rolle des Sammlers

II. Politische Funktionen der Sammlungen

III. Kunst und Wissenschaft / Wissenschaftliche Erschließung

IV. Räume / Präsentation / Öffentlichkeit / Vermittlung

Die erste Sektion soll „den Sammler“ als Person und Institution beleuchten.

Über 300 Jahre bestimmten die sächsischen Kurfürsten und Könige die Geschicke und Entwicklung der Kollektionen. Die Kunstsammlungen waren Teil der fürstlichen Repräsentation und fungierten als politisches und diplomatisches Instrument. Ihr Erscheinungsbild wurde erheblich von den individuellen Neigungen der fürstlichen Sammler geprägt. Mit der „Verstaatlichung“ der Sammlungen – ein Prozess, der sukzessive bereits im 19. Jahrhundert einsetzte und 1918 zu seinem formalen Abschluss kam – übernahmen die Museumsdirektoren und Konservatoren die prägende Rolle. Auch privates Mäzenatentum sowie bürgerliches Engagement in Form von Schenkungen und Stiftungen formte das Bild der Museen seit dem späten 19. Jahrhundert mit.

Die Einrichtung einer Sammlung bildete durch ihren zumindest partiell öffentlichen Charakter ein zeichenhaftes politisches Instrument, das im Dienst von Fürsten und von politischen Systemen stand – und steht. Die Brisanz dieser Thematik wird besonders in der Geschichte vom Gebrauch und Missbrauch der Dresdner Sammlungen für die Politik deutlich. Diese zweite Sektion soll aber auch Beiträge zur aktuellen Situation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beinhalten sowie die Bedeutung und Aufgaben der Sammlungen heute diskutieren.

Der Fokus der dritten Sektion soll auf der wissenschaftlichen Bearbeitung der Bestände liegen. Diese Forschungsleistungen bilden, neben der Konservierung und Präsentation, nicht nur einen wesentlichen Teil der Museumsarbeit, sondern sind ihre Voraussetzung. Ohne sie könnte keine sinnvolle, erkenntnisbringende Präsentation der Stücke erfolgen, keine verantwortungsvolle Erhaltung und Restaurierung durchgeführt und keine Wissensvermittlung geleistet werden.

Die Instrumente zur Organisation einer Sammlung wie Inventare und Kataloge stellen für den Wissenschaftler eine ergiebige Fundgrube dar, erhellen sie doch den Wandel, dem einzelne Sammlungen unterlagen und ermöglichen – oft als einzige Quellen –Querschnittsbetrachtungen der jeweiligen Museen. In erheblichem Maß wurden die Sammlungen durch die Personen geprägt, die mit den Objekten arbeiteten und oft mit enormem Engagement und in schwierigen Situationen der Sammlung dienten.

Im Mittelpunkt der vierten Sektion werden die Sammlungs- und Präsentationsräume stehen. Die einzelnen Kollektionen, die heute in den zwölf Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zusammengefasst sind, waren in verschiedenen Gebäuden untergebracht: Dazu zählen Prachtbauten wie das Residenzschloss, der Zwinger oder das Schloss Pillnitz ebenso wie Interimsorte, z.B. das Regimentshaus, oder Notunterkünfte bzw. Auslagerungsorte während kriegerischer Auseinandersetzungen.

Die museale Präsentation spiegelt auch unterschiedliche museologische und didaktische Überlegungen wider, die ihrerseits die Rolle der einzelnen Teilsammlungen beleuchten. Ein zentraler Punkt dieser Sektion wird daher auch das Thema Öffentlichkeit sein: Waren die Objekte anfangs nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich, so bilden die Museen heute als touristischer Anziehungspunkt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für den Freistaat Sachsen. Die Analyse der Quantität und Qualität von Besucherströmen ermöglicht zudem Erkenntnisse bezüglich der Objektpräsentation und der museumspädagogischen Konzepte in verschiedenen Epochen.

Alle vier Sektionen werden durch Impulsreferate der Sektionsleiter eingeleitet. Pro Sektion sind dann vier 20-minütige Beiträge geplant, in denen aktuelle Forschungen zur Diskussion gestellt werden soll. Der Werkstattcharakter der Veranstaltung kann und soll auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass nicht nur neue abgeschlossene Forschungsergebnisse präsentiert, sondern durchaus auch Einblicke in noch laufende Forschungen gegeben werden. Nach jeweils zwei Beiträgen findet eine erste Diskussionsrunde statt, deren Ergebnisse am Ende der Sektion in ein Kurzstatement oder eine These sowie eine Abschlussdiskussion münden soll.

Interessierte aller Disziplinen, Mitarbeiter von Museen ebenso wie Universitätsangehörige und freie Forscher, sind herzlich aufgefordert, ihr Exposé von max. 1 Seite Länge mit Bezug auf die gewünschte Sektion sowie einen kurzen Lebenslauf mit Stichworten zu den Forschungsinteressen einzusenden. Die Auswahl der Vorschläge nehmen in gemeinsamer Sitzung die Sektionsleiter/innen und die Organisatoren vor.

Adresse für Einsendungen und Kontakt:

Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Generaldirektion
Dr. Karin Kolb
Residenzschloss
Am Taschenberg 2
01067 Dresden

E-Mail: Karin.Kolb@skd.museum