Call for Papers

Call for Papers: Zurbarán and his Reception in Art History, vom 21. bis 23. Januar 2016 in Düsseldorf

Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf veranstaltet eine Jahrestagung zu Francisco de Zubarán, um eine breitere Aufmerksamkeit auf die Werke des Künstlers zu richten. Unter dem Motto »Die Entdeckung des Unscheinbaren« werden eine Vielzahl aktueller Forschungsfelder und Ansätze diskutiert, sowie neue Wahrnehmungs- und Erfahrungskonzepte vorgestellt. Einsendeschluss für Abstracts: 30. September 2015.

Vom 10. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 werden erstmals im deutschsprachigen Raum Bilder des Malers Francisco de Zurbarán in einer eigens ihm gewidmeten Ausstellung zu sehen sein, die das Museum Kunstpalast in Düsseldorf in Kooperation mit dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid vorbereitet. Zurbaráns Werke sind kaum in hiesigen Sammlungen präsent. Und auch in der deutschen Kunstgeschichtsschreibung hat Zurbarán nur vereinzelt Aufmerksamkeit erfahren, während die internationale Forschung seine Werke aus unterschiedlichen Blickwinkeln debattiert. Die Carl Justi-Vereinigung möchte im Rahmen ihrer Jahrestagung die Vielzahl der Ansätze in der hiesigen Forschungslandschaft bekannt machen und darüber hinaus zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit der Malerei Zurbaráns anregen. Dazu bieten sich eine Reihe aktueller Forschungsfelder an:

Intermedialität. Schon in der frühen Rezeption der Werke Francisco de Zurbaráns wird eine den Skulpturen gleiche Anmutung herausgestellt, wobei, wie die jüngere Forschung gezeigt hat, sich die Wechselbeziehungen zwischen Malerei und Skulptur im Sevilla des 17. Jahrhunderts nicht allein aus dem Kontext zeitgenössischer kunsttheoretischer Diskurse erschließen lassen, sondern etwa auch die Herstellungsbedingungen der Gattungen mit zu berücksichtigen sind. Diese Perspektive ließe sich durch frömmigkeitsgeschichtliche Kontexte einer (para-)liturgischen Einbindung der Werke Zurbaráns erweitern. Ferner wäre nach dem Wechselspiel von Körper, Raum und Stofflichkeit für die Wahrnehmung und Rezeption des Heiligen und der göttlichen Glaubensgeheimnisse gattungsvergleichend zu fragen.

Zurbaráns Bilder überraschen durch das Evozieren von Oberflächentexturen und haptischen Qualitäten verschiedenster Materialien, die nicht selten, wie bei den Gewändern, in ein spannungsreiches Verhältnis zu den als heilig wahrgenommenen Körpern treten. Die Tagung möchte die Gelegenheit bieten, verschiedene Perspektiven auf dieses Phänomen, etwa aus bildtheoretischer und bildwissenschaftlicher oder aus kostüm- und textilgeschichtlicher, aber auch aus restauratorischer Sicht ins Gespräch zu bringen.

Narrativität. Immer wieder wurde Zurbaráns Konzentration auf das Wesentliche und die ‚ikonische‘ Verdichtung seiner Sujets hervorgehoben. Gleichwohl ist die Malerei Zurbaráns durch scheinbar marginale Elemente gekennzeichnet, etwa Elemente des Stilllebens als Bestandteil religiöser Darstellungszusammenhänge oder im Dunkel des Hintergrundes nur schemenhaft zu erkennende körperliche Verletzungen Jesu Christi durch die Passion. Diese Elemente beanspruchen erst auf den zweiten Blick die Aufmerksamkeit des Betrachters, weshalb die Tagung auch nach der Rolle des scheinbar Unscheinbaren für Wahrnehmung und Deutung der Bilder fragen möchte.

Neue Wahrnehmungs- und Erfahrungskontexte. Francisco de Zurbaráns Zeit ist durch enorme politische und kirchenpolitische Entwicklungen gekennzeichnet. Folglich gilt zu diskutieren, wie sich die Kunst in einer Gesellschaft positionierte, die durch einen tiefgreifenden sozialen und kulturellen Wandel geprägt war. Der Blick kann hier sowohl auf die Kunstproduktion, die sich den Herausforderungen eines Marktes in der ‚neuen Welt‘ zu stellen hatte, als auch auf die Bildsujets und ihre Umsetzung, etwa die Ambivalenz der ‚nature morte‘ in religiösen Darstellungszusammenhängen, gerichtet werden.

Rezeption. Die Tagung möchte schließlich dazu anregen, die verzögerte Wahrnehmung von Zurbarán in der deutschen Kunstgeschichtsschreibung in einen breiteren rezeptionsgeschichtlichen Kontext einzubetten und danach fragen, mit welchen Kategorien der Einordnung, mit welchen Vorstellungen, Bildern und Mythen das Werk des Künstlers in den verschiedenen nationalen Kunstgeschichtsschreibungen verbunden wurde.

Tagungsbeiträge zu diesen und anderen Themenfeldern sind herzlich willkommen. Konferenzsprachen sind Deutsch, Spanisch und Englisch. Zuschüsse für Reise und Übernachtung der Referenten können noch nicht zugesagt werden, Bewilligungen stehen noch aus.

Erbeten werden Abstracts mit max. 300 Wörtern und ein kurzer Lebenslauf (max. 2 Seiten) bis zum 30. September an:

Dr. Kristin Böse
Institut für Kunstgeschichte
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Gebäude 23.32
Universitätsstraße 1
40225 Düsseldorf
Kristin.Boese@uni-duesseldorf.de