Buchrezensionen

Carnap-Bornheim, Claus von und Radtke, Christian (Hrsg.): Es war einmal ein Schiff. Archäologische Expeditionen zum Meer. Mit einem Vorwort von Jochen Missfeldt, marebuchverlag, Hamburg 2007.

Texte, die mit den Worten »es war einmal« beginnen, stammen für gewöhnlich aus der Welt der Märchen, Mythen und Träume; wissenschaftliche Fakten erwartet man hinter einem solchen Buchtitel eher selten.

Und dennoch ist es den Herausgebern gelungen, in diesem Buch zwölf »archäologische Expeditionen zum Meer« zu vereinen, um darin Geschichten zu erzählen, die Geschichte erzählen und erlebbar machen.

Die beiden Herausgeber Claus von Carnap-Bornheim  und Christian Radtke wollten zusammen mit elf weiteren Kollegen des Fachbereichs Archäologie aus Schleswig-Holstein, Dänemark und Schweden die Facetten der Meeresarchäologie nicht nur für sich selbst neu entdecken, sondern sie vor allem einem breiten Publikum zugänglich machen. So wurde bewusst verzichtet auf unverständliche Fachterminologie sowie auf Fußnoten und Anmerkungen. Zahlreiche Abbildungen erleichtern auch dem interessierten Laien den Zugang, und das kurzweilige, anekdotische Vorwort des Schriftstellers Jochen Missfeldt unterstreicht den literarischen Charakter dieser wissenschaftlichen »Geschichtensammlung«.

Als Direktor des Archäologischen Landesmuseums Schloss Gottorf hat Prof. von Carnap-Bornheim mit seinen Ausstellungskonzepten schon lange bewiesen, wie spannend Archäologie sein kann — mit diesem Buch leisten er, sein Gottorfer Kollege Radtke und die Mitautoren echte Pionierarbeit. Selten erweckte eine wissenschaftliche Publikation so anschaulich und vergnüglich den Alltag unserer Vorfahren im Land zwischen den Meeren zum Leben.

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Die einzelnen Kapitel entführen den Leser weit in die Vergangenheit, denn die Archäologie der Seeschifffahrt reicht zurück bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. — wie lebten die steinzeitlichen Jäger und Fischer? Wie entwickelte sich die erste Hochseeschifffahrt? Welchen Einfluss hatte die römische Militär- und Handelsschifffahrt auf den nordeuropäischen Raum? Es werden unvermutete Parallelen aufgezeigt zwischen ägyptischer Mythologie und Schiffsdarstellungen der Bronzezeit. Mittelalterliche Hafenanlagen, Haithabu und die faszinierenden Funde, die das nordfriesische Wattenmeer immer wieder freigibt, sind weitere Themen.

»Es war einmal ein Schiff«, gemeint ist damit das wohl größte und prächtigste Schiff der schwedischen Flotte, die Vasa (die auch den Buchumschlag ziert), die am 10. August 1628 auf Jungfernfahrt ging, kenterte und sank. 333 Jahre später, 1961, durchbricht die Vasa den Wasserspiegel; fünf Jahre Arbeit waren für ihre Bergung nötig — ein Triumph und der Beginn der modernen Meeresarchäologie.

Die Autoren verstehen es, dem Leser ihre eigene Faszination für eine Wissenschaft zu vermitteln, die längst den Elfenbeinturm verlassen hat und wie kein anderes Fachgebiet versteht, uns bewusst zu machen, dass unser Leben an der Küste heute nur möglich ist, weil Generationen vor uns die Grundsteine dazu gelegt haben. Und dass die Erinnerung an ihre Kulturen nicht verblasst, das vermag dieses Buch tatsächlich zu leisten.

 

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