Ausstellungsbesprechungen

Caspar Wolf – Gipfelstürmer zwischen Aufklärung und Romantik / Per Kirkeby – Retrospektive in Zusammenarbeit mit Tate Modern, London, museum kunst palast Düsseldorf, bis 10.1.2010

»Fühlst du nicht …, / Dass ich Eins und doppelt bin«? - Goethes Gedicht vom »Gingko biloba« könnte im Schlussvers auf die neue Ausstellung im Düsseldorfer museum kunst palast zugeschnitten sein, das Caspar Wolf (1735–1783) und Per Kirkeby (geb. 1938) zeigt: Was man normalerweise für Themen auf zwei gänzlich verschiedenen Veranstaltungen ansehen würde, ist hier im Doppelpack zu haben.

Caspar Wolf: Eine Jura-Höhle, 1778 Wald-Variation1©Per Kirkeby, Courtesy Galerie Michael Werner
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Beat Wismer und Stephan Kunz, die Kuratoren der Schau, haben bewusst zwei Ausstellungen (in zwei getrennten Räumlichkeiten) entwickelt, die sie aber zusammen gedacht haben. Schon Anfang der 1990er Jahre hat Wismer die Parallelen in einer kleineren Ausstellung in der Schweiz aufgezeigt.

Das mag aufgehen oder nicht – jede Präsentation klappt selbstverständlich auch für sich –, der gemeinsame Nenner ist tatsächlich zu benennen und lässt sich als untrügliches Merkmal dafür finden. Beide Künstler, sowohl der Schweizer Hochgebirgsmaler Wolf als auch der architekturbezogene Bildhauermaler Kirkeby, befassen sich mit Geologie im weitesten Sinne. Dass dies nicht aufgesetzt ist, beweist kein Geringerer als Per Kirkeby selbst, der Wolf als »Geheimtipp« zu seinen Favoriten erklärt hat. Nicht zuletzt in einem Text über die Alpen lässt der Däne, der immerhin ein promovierter Geologe ist, durchblicken, dass er Wolfs Arbeiten vor Augen hatte. Nicht zu Unrecht: Wolf holte sich nämlich gerne Rat bei sachkundigen Wissenschaftlern und Alpenexperten wie dem stilbildenden Dichter Albrecht von Haller. »Er war für mich«, so Kirkeby über Wolf, »ein Spiegelbild: Beobachtung mit Augen für Struktur (Wissenschaft) und dadurch eine neue Landschaftsmalerei«. So finden sich zwei Superlative zusammen, neben der ersten Einzelausstellung Caspar Wolfs außerhalb der Schweiz (wenn man eine Schau vor rund 200 Jahren weglässt, die auch in Düsseldorf stattfand), noch eine der größten Retrospektiven Per Kirkebys. Von beiden Künstlern gibt es übrigens Spuren im Großraum um Düsseldorf – der ausgewiesene Alpenmaler trat anlässlich eines Kuraufenthalts auch als zeichnerischer und aquarellierender Chronist des Rheinlands auf (Schloss Benrath u.a.), der Bildhauer aus dem hohen Norden schuf für die Insel Hombroich drei Backstein-Kapellen. Auch diese Gemeinsamkeit lässt die ungleichen Kollegen enger zusammenrücken.

Die geologische Grundlage als Themenhintergrund mag dieselbe sein, vergleichbar die Mittel des Ausdrucks/ der Umsetzung?, unterschiedlich sind freilich die Ergebnisse. Beide Künstler beobachten genauestens die Strukturen von Erdformationen, die auch hinter den augenfälligen Phänomenen sichtbar werden. In dieser Phase des suchenden künstlerischen Schöpfungsaktes kann man sogar die lasierend gehaltenen Ölskizzen Wolfs mit den Aquarellen Kirkebys vergleichen. Selbst in den Motiven kann man Gemeinsamkeiten entdecken – weniger im äußerlichen als im »inwendigen« Bergthema: der Höhle, die beiden Künstlern genügend Inspirationen lieferte. Es wäre allerdings auch unredlich, wenn man nicht die Kluft erwähnen würde, die zwischen den malerischen Bändigungsversuchen der schroffen Bergwelt und den die Gattungen sprengenden Universalarbeiten bestehen. Den 83 Gemälden und 84 Graphiken Caspar Wolfs stehen rund 250 Zeichnungen, Plastiken, großformatige Leinwänden, grafischen Arbeiten und Künstlerbücher von Per Kirkeby gegenüber. Man muss auch konstatieren, dass das Schweizer Licht, das die Wolfschen Berge bescheint, ein anderes ist als das, welches die dänischen – und exkursionsbedingt die grönländischen – Farberuptionen beeinflusst. Noch einmal sei Kirkeby zitiert: »Ich verstehe meine Gemälde als eine Summierung von Strukturen. Eine Sedimentation hauchdünner Schichten. ... Im Prinzip eine endlose Ablagerung. Doch es ist auffallend, dass die darunterliegende Struktur immer durchbricht, auch wenn eine neue Schicht ein ganz anderes Motiv und eine ganz andere Farbe hat.« Das ist eine andere Kategorie der Betrachtung, als es die Eindrücke Caspar Wolfs sind, der in seiner Zeit erst einmal realisieren musste, dass das Bergmassiv ein künstlerisches Motiv darstellt.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Di–So 11–18 Uhr ,
Do 11-21 Uhr
montags und am 24.12. und 31.12.2009 geschlossen,
25.12. und 26.12.2009 sowie 01.01.2010 geöffnet von 13–18 Uhr

Eintritt
Per Kirkeby - 9 Euro / 7 Euro erm
Caspar Wolf - 6 Euro / 4,50 Euro erm.
Kombiticket Kirkeby/Wolf/Hoehme 10 Euro / 8 Euro erm.

Der Katalog Caspar Wolf ist nur im museum kunst palast erhältlich.