Ausstellungsbesprechungen

Christina Kruse, Untitled

Die Robert Morat Galerie in Hamburg präsentiert bis zum 10. Mai 2007 die erste deutsche Einzelausstellung der in New York lebenden und arbeitenden Photokünstlerin Christina Kruse, die neben ihrer künstlerischen Tätigkeit eines der begehrtesten deutschen Top-Models ist.

Kruses photographisch und künstlerisch hochwertige Arbeiten wurden bereits in der Spencer Brownstone Gallery in New York und in der Galerie Valérie Cueto und der Galerie Sanchez in Paris präsentiert. Im Jahr 2005 dann wurde Christina Kruse der GLAAD Preis verliehen, was mit den Worten »best emerging talent in photography« begründet wurde.

 

Die mit »untitled« überschriebene Ausstellung in der Robert Morat Galerie, die in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Carola Born ihre Realisierung fand, präsentiert Arbeiten aus Christina Kruses neuesten Serien »NO« und »Kirchgänger«, sowie Arbeiten aus einem unbetitelten, multimedialen Reisetagebuch-Projekt, an dem die Künstlerin bereits seit 1997 arbeitet.

 

So begegnet uns etwa die Photographie einer jungen Frau, deren Oberkörper vor einem Glas mit einem konservierten Frosch positioniert ist. Interessant ist hierbei die Inszenierung der weiblichen Person, deren Gesicht nach unten geneigt und nur bis unterhalb der Augenpartie abgebildet ist, wodurch die Neugierde des Betrachters gesteigert wird. Die blonden geflochtenen, über die Brust herab fallenden Zöpfe und die graue bis zum Hals zugeknöpfte Bluse lassen die Frau sehr mädchenhaft, bisweilen zerbrechlich wirken. Im Kontrast dazu erscheint das breite, überlegen anmutende Lächeln und der Finger, der geradezu spöttisch auf das Glas mit dem toten Froschkörper tippt.

 

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Dem Photo gelingt die Auslösung einer wahren Flut an Assoziationen — zu denken wäre beispielsweise an eine Transformation des Märchens vom Froschkönig und an eine damit einhergehende überlegene Stellung der Frau, die nicht mehr auf den Prinzen wartet, sondern sich selbstbewusst über ihn erhebt, ohne eine Rückverwandlung gar in Erwägung zu ziehen.

Ein weiteres sehr gelungenes Beispiel der Selbstinszenierung ist die Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Frau im Profil. Dominierend erscheint bei erster Betrachtung die weiße, gelockte Perücke und der lange schnabelartige Aufsatz, der an der Nase der Photographierten befestigt ist. Bekleidet ist die Frau mit einer ebenfalls weiß gelockten Langhaarperücke, die wie ein Umhang um die Schultern drapiert ist. Die Arbeit lebt vom Weiß und den verschiedenen Graunuancen, die besonders das Gesicht und die Lockenpracht modellieren.

 

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Durch die Überzeichnung gelingt es Christina Kruse den Betrachter in den Bann zu ziehen und ihn zu eigenen Gedankengängen anzuregen. Besonders in ihren narrativen, seriellen Photographien nutzt Christina Kruse das Stilmittel der Inszenierung, vor allem aber der Selbstinszenierung. Sie ironisiert und überzeichnet weibliche Stereotype, entwirft Figuren und beschäftigt sich mit der grundsätzlichen Frage nach Bild und Selbstbild.

 

Der Robert Morat Galerie ist somit wieder einmal ein wunderbarer Griff in die Schatzkiste junger Gegenwartsphotographie gelungen. Christina Kruses Arbeiten werden den Betrachter vielleicht zu Anfang irritieren, aber sie werden ihn ganz sicher in den Bann ziehen und faszinieren, so dass ein Besuch dieser Ausstellung nur zu empfehlen ist!

Weitere Informationen

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 11 - 18 Uhr

Samstag 11 - 16 Uhr und nach Vereinbarung

 

Eintritt

frei

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