Ausstellungsbesprechungen

Claus Clément, Privatsammlung: Schön – Wahn – Sinnig

Er ist Sammler aus Leidenschaft und bezeichnet sich selbst in Anlehnung eines erstaunten Ausrufes des ehemaligen Direktors der Hamburger Kunsthalle Werner Hofmann als »schön wahn-sinnig«. Der Hamburger Claus Clément (68) ist seit über 40 Jahren mit dem Sammelbazillus infiziert: »Für mich aber ist das Sammeln Bekenntnis, mein Engagement zu Künstlern und deren Werken.«

Über 300 Papier-Arbeiten zeitgenössischer Künstler, eine Vasencollection der 1930er und 40er Jahre, Kleinskulpturen, Künstlermöbel und eine Fachbibliothek mit mehr als 3000 Büchern und Katalogen hat er zusammengetragen.

 

Der Ausschnitt aus seiner Sammlung, der derzeit auf Schloss Gottorf gezeigt wird, ist keine Ausstellung im herkömmlichen Sinn – es ist vielmehr eine überaus gelungene Inszenierung. Bewusst wurde versucht, den Eindruck zu erwecken, der Betrachter befände sich in der Wohnung des Sammlers: in »Petersburger Hängung« wurde wändefüllend Bild an Bild platziert, kein einzelner Künstler, kein bestimmtes Werk steht im Mittelpunkt; was zählt, ist die Sammlung an sich – und ebenso die Persönlichkeit dieses einzigartigen, »wunderlichen« Menschen »CC«, wie Claus Clément kurz genannt wird.

 

Es gibt kein thematisches oder motivisches Leitthema, subsumieren lassen sich die Exponate nur unter dem Begriff »Arbeiten auf Papier«, denn »Kunst entsteht immer zuerst auf Papier«, wie CC so treffend feststellt. Und so nennt er seine Kollektion auch gerne schlicht »Querbeet« – ein höchst persönliches Sammlungsbeet, das ein Spiegel seiner selbst und seines Verhältnisses zur Kunst ist, sozusagen sein »Er-Lebensweg«.

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In den 40 Jahren ist er mit den Künstlern vertraut geworden; zu manchen hat sich ein besonderes Verhältnis entwickelt, das natürlich auch aus seiner Sammlung herausstrahlt. Das war der leider zu früh verstorbene Horst Janssen, liebevoll »H.J.« genannt, das ist die jüngste Freundschaft mit Friedel Anderson und das ist der Künstler Paul Wunderlich und seine Frau, die Fotografin Karin Székessy. Sie sind sozusagen die Fixpunkte der Sammlung Clément, von denen ausgehend sich die Sammlung immer weiter spinnt. Und so sind die Worte, die Paul Wunderlich seinem Freund widmete, nicht nur Kompliment, sondern Charakteristik des Sammlers CC: »Sammler lieben die Kunst. Aber es gibt einige, die lieben die Künstler noch dazu. Zu denen zählt Freund Claus.«

 

Die Ausstellungsgestaltung legt Wert auf die Gesamtwirkung der Sammlung; Künstlerzitate erhellen den Sinn von Kunst und Sammlertätigkeit. Das einzige Zugeständnis von Ausstellung und begleitendem Katalog ist die alphabethische Anordnung der ca. 80 Künstler, sozusagen von (Horst) Antes bis (Paul) Wunderlich. Kaum ein zeitgenössischer Künstler zwischen 1960 und heute fehlt hier, das Verzeichnis liest sich wie ein »Who is Who« der internationalen Kunstszene. Aber nicht Profit und Wertsteigerung waren ausschlaggebend für diese Collection, sondern einzig die Liebe zur Kunst und die Liebe zur Vielfalt des Lebens: »Auch wenn ich nicht so aussehe«, so Claus Clément, »Passion ist meine Triebfeder.«

Es ist zu erwarten, dass diese Leidenschaft auch auf die Besucher überspringt! »Schönwahnsinnig« – Der Sammler Claus Clément.

 

 

Öffnungszeiten

April bis Oktober täglich 10-18 Uhr