Ausstellungsbesprechungen

Cologne Fine Art, Kölner Messe Deutz, bis 22. November 2015

Noch bis zum Sonntagabend zeigen rund 150 Galerien und Kunsthändler auf der Kölner Messe Cologne Fine Art (COFA) mit ihrem flankierenden Neuzugang COFA Contemporary, was sie zu bieten haben. Günter Baumann war bereits in Köln unterwegs.

Nachdem das Schifflein der Kunstvermittlung in den letzten Jahren ins Schwanken geraten ist, erhofft man sich nun frischen Wind: Der hat im vergangenen Jahr bereits Wirkung gezeigt durch die Einrichtung eines Young Collectors Room, der Kunst unter 5.000,00 Euro für eine jüngere Sammlergeneration präsentiert. In diesem Jahr waren die Messeverantwortlichen nicht ganz so glücklich darüber, dass etliche Händler kaum unter 4.900 Euro gehen wollten – dennoch konnte man Arbeiten von Candida Höfer über Fernand Léger bis hin zu Otto Piene erwerben, die den Geldbeutel nicht allzu sehr strapazieren.

Die zweite Neuerung hatte in diesem Jahr sogar Premiere: Die COFA Contemporary eröffnete mit zwei Tagen Abstand zur eigentlichen COFA ihre Kleinmesse, um mit gebührendem Respekt nicht den Eindruck zu erwecken, hier wollten sich zwei Messen Konkurrenz machen. Das wird sich zeigen: Der nahezu geschenkte Messeplatz für die Kunst der Jetztzeit, der zumal nur rheinländischen Galerien zugutekam, könnte ein schiefes Licht auf Erfolg oder Nichterfolg werfen. Wie auch immer – die zeitgenössische Kunst hat ein neues Forum. Die installativen Ansichten von Maria Loboda, Kirsten Arndt oder Mary-Audrey Ramirez, Fotografien von Martin Klimas und Boris Becker, aber auch eine erfrischend präsente Malerei von Christoph Knecht, Roman Kochanski, Henrietta Grahnert oder Gregor Gleiwitz und Annika Kleist geben der Messe in der Messe einen gegenwärtigen Drive. Besonders hervorzuheben sind die Arbeiten von Jasper de Beijer, Koen van den Broek und – mit Nachdruck – Radenko Milak, der mit düsteren Aquarellen zauberhafte Räume erschafft.

Ein glückliches Händchen beweist die Messe bei der Wahl ihres Cologne Fine Art Preises, der nach Leiko Ikemura im vergangenen Jahr diesmal an die grandiose Fotografin Candida Höfer ging, die aus der legendären Becher-Schule kommt. Die menschenleeren Foyers, Museumsräume, Theatersäle und Bibliotheken in gigantischen Formaten ziehen den Betrachter magisch an. Die 1944 geborene Biennale- und Documenta-Teilnehmerin, die in Köln zu Hause ist, gehört zu den besten Vertreterinnen ihrer Zunft.

Ansonsten hält sich die Messe wacker auf hohem Niveau, allen Unkenrufen zum Trotz. Die Sparten Alte Meister samt 19. Jahrhundert und Antiquitäten, dann Außereuropäische, insbesondere asiatischer Kunst, darüber hinaus klassisches Kunsthandwerk, Design und schließlich als Flaggschiff die Kunst des 20. Jahrhunderts sind prominent besetzt. Neuzugänge (Ben Brown, Michael Haas, Eric Maletta u.a.) lassen spüren, dass diese Messe insgesamt zum Wandel bereit ist. Die Stilikonen – das sind hochkarätige Autos – lassen im Vergleich zu 2014 etwas zu wünschen übrig: Eine Handvoll Oldtimer vermittelt kaum den rechten Charme, zumal einige Galerien – und sei es als Gag – in diesem Jahr ein Auto auf den Stand gestellt haben.

Die Bandbreite der teuersten Kunstwerke reicht von einem noblen Tisch von Georg Ferdinand Plitzner (1,1 Mio Euro; Schmitz-Avila), einer zauberhaften Bronze von Marino Marini (2.18 Mio Euro; Samuelis Baumgarte), einem eindringlichen »Heilandsgesicht« von Alexej von Jawlensky (1,25 Mio; Schwarzer) bis hin zu Fernand Légers »Peinture imaginaire« (2,85 Mio Euro; Van Vertes). Doch muss man sich nicht in die Millionenshow versteigen, um museale Stücke zu entdecken. Darunter wären als kleine Auswahl zu nennen: eine Ulmer Madonna mit Kind auf Mondsichel stehend aus dem Umfeld Gregor Erhards aus dem frühen 15. Jahrhundert (125.000 Euro; Elmar Robert), eine sehr seltene Reiterfigur von der Elfenbeinküste (130.000 Euro; Simonis), Emil Noldes »Vase mit Blumen« aus dem Jahr 1915 (750.000 Euro; Utermann), Gabriele Münters stimmungsvolle »Vorstadt mit Barockkirche« (490.000 Euro; Ludorff), James Ensors »Les bons livres« von 1937 (290.000 Euro; Haas), Ernst Wilhelm Nays sensationelles Gemälde »Mit gelben Scheiben und blauen Spitzen« aus dem Jahr 1954 (330.000 Euro; Schlichtenmaier), ein spätes Schumacher-Bild »Adon« von 1981 (298.000 Euro; Maulberger), Tom Wesselmanns »Wildflower Bouquet«, ein Lasercut von 1988 (325.000 Euro; Benden), Antoni Tapies mit »Mocador negre« (140.000 Euro; Boisserée).

Anlässlich der 100. Geburtstage setzen einige Galerien Akzente bei Hann Trier und Bernard Schultze (Baumgarte, Hennemann, Kirbach, Maulberger, Schlichtenmaier, Utermann). Aber auch ohne runden Geburtstag lassen sich Zeichen setzen, die über die ganze Messe immer wieder für nachhaltige Eindrücke sorgen. Alle zu nennen, wäre ein auswegloses Unterfangen. Beispielhaft seien als One-Artist-Show die Präsentation von Rune Mields zu nennen (Andreae) oder innerhalb der Programmdemonstration ein vergleichsweise tiefer Einblick etwa in das Werk des unterschätzten Malers Adolf Fleischmann (Schlichtenmaier). Freilich gibt es auch Ärgernisse, die einem nicht den Spaß verderben sollten. Wenn etwa Leni Riefenstahl mit einer Darstellung aus ihrer Serie mit afrikanischen Akten unreflektiert zu einer Pop-Ikone stilisiert, wenn nicht verfälscht wird, lässt sich am Zeitgeist zweifeln. Zu entdecken ist aber viel Gutes: Wohl ist die Art Cologne als Kölner Zugpferd unter den deutschen Messen sehr viel größer, doch das Flair des besonderen Platzes kann man auf dieser Herbstmesse durchaus auch spüren. Man fühlt sich wohl hier, und das ist nicht die schlechteste Motivation, sich von der Kunst inspirieren zu lassen. Natürlich hat sie es bitter nötig, auch gekauft zu werden – in zugeknöpften Zeiten. Also auf nach Köln, so nah an Weihnachten könnte sich mancher Wunsch schon frühzeitig erfüllen lassen.