Ausstellungsbesprechungen

Danreiter 2010 - Genie und Gärtner Salzburgs, Salzburger Barockmuseum, bis 5. September 2010

Anlässlich des 250. Todesjahres zeigt das Salzburger Barockmuseum die erste umfangreiche Ausstellung zum Leben und Werk von Franz Anton Danreiter (1695-1760). Danreiter war hochfürstlicher Garteninspektor. Er betreute alle erzbischöflichen Lust- und Küchengärten, die dazugehörigen Bauten und alle Brunnenanlagen in der Stadt Salzburg. Günter Baumann hat sich das Vermächtnis des Künstlers angesehen.

Wer in den vergangenen Wochen in Salzburg darauf bedacht war, die V.I.P.s der Festspiele in den Straßen der Stadt ausfindig zu machen, hat womöglich versäumt, der Spur eines Genies zu folgen, an dessen 250. Todestag dieses Jahr erinnert wurde: des 1695 im Salzburger Dom getauften hochfürstlichen Garteninspektors Franz Anton Danreiter. Sein Name mag vielerorts in Vergessenheit geraten sein, doch in Salzburg ist er zumindest durch seine Arbeiten für den Barockgarten des Schlosses Mirabell, im Herzen der Stadt, bekannt geblieben. Der hochbegabte Hitzkopf, den der Fürstbischof Franz Anton Harrach sozusagen von der Universität weg für acht Jahre durch Europa schickte, um die herzöglichen, königlichen und anderen Gärten vor Ort zu studieren, legte sich mit seinen Zeitgenossen an, wenn es darum ging, das eigene Honorar einzufordern oder die Gartenarbeiten voranzubringen. Sein Honorar war übrigens wirklich bescheiden, neben ein paar Gulden wurde er mit Brötchen, Wein (täglich ein »Viertele«), Kerzen und Reisespesen entlöhnt. Dass dies wie beiläufig in die Salzburger Ausstellung mit einfließt, ist ein großer Gewinn, wie auch manche – einer Kunst- und Musikstadt würdigen – kleinere Einfälle: etwa neben den Archivalien eine Staffelei aufzustellen, auf denen die Transkriptionen der Texte unaufdringlich den Zugang erleichtern. Zudem ist die Schau nicht allzu groß, sodass man dringend auch in der unteren Etage den Bestand des Barockmuseums anschauen sollte (es gibt hierhinreißende Werke von Bernini bis Houdon, von Maulbertsch bis Zick). Danreiter war bekannt mit Rottmayr, Donner, Fischer von Erlach, Hildebrandt u.a. und schöpfte aus dem Vollen seiner üppig gedeihenden Umgebung, nahm Anregungen aus seiner Europatour auf - und so ist er in einem Atemzug zu nennen mit Jacques-Francois Blondel oder Francois Cuvillieés d.Ä., die den Übergang ins Rokoko vollzogen. Dazu tritt Danreiter als Planer und Architekt der neuen St. Sebastianskirche (Linzergasse) ins Blickfeld. Die Ausstellung zeigt neben Gartenstudien auch Vorzeichnungen zu Veduten (insbesondere die Hellbrunn- und Mirabell-Prospekte), Stiche, Tuschpinselzeichnungen, Handschriften, die einen schönen Blick auf das Salzburg des 18. Jahrhunderts gewährt.

Begleitend ist eine Ausgabe der Zeitschrift »Barockberichte« (Nr. 53/54) erschienen, die sich dem Schaffen Danreiters widmet.