Porträts

Das Musée Picasso in Paris – Traumwelt im Stadtpalais

Die Größe des Gesamtwerkes von Pablo Picasso kann nur geschätzt werden. Doch einig ist man sich darin, dass es von besonderer Qualität ist. Kein Wunder also, dass es unsere Autorin Nina Zöpnek in das Musée Picasso zog.

Im Kontrast zu den prächtigen Treppenhäusern stehen die ganz auf die Kunstwerke Picassos konzentrierten Ausstellungsräume. © Foto: Nina Zöpnek
Im Kontrast zu den prächtigen Treppenhäusern stehen die ganz auf die Kunstwerke Picassos konzentrierten Ausstellungsräume. © Foto: Nina Zöpnek
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»La prochaine station: Pont Marie«, ertönte es im U-Bahn Waggon, bevor ich mich erhob und die Treppe zum Quai de L´Hôtel de Ville direkt an der Seine hochstieg. Es klang wie ein Versprechen, wie auch schon die Stationen davor: Châtelet, Pont Neuf, Palais Royale – Musée du Louvre, Pyramides und wie sie alle heißen. Doch die Station Pont Marie beherbergt ein ganz besonderes Versprechen, denn in nur etwa fünf Minuten Gehweite verbirgt sich der Straßenzug mit der kleinen Kirche Saint Paul. Nur ein Stückchen weiter liegt das magische Viertel Le Marais mit seinen typisch französichen Cafés, den charmant gewundenen Gassen, dem wohl besten Falafel-Stand der Stadt, den einladenden Boutiquen, den kleinen Galerien und Ateliers, und einem ganz besonders verträumten Flair. Und inmitten dessen versteckt sich in einer nicht so leicht zu findenden Straße etwas weiter im Norden des Viertels das erst 2014 frisch renovierte Musée Picasso.

Noch gar nicht ersichtlich, was den Besucher gleich erwarten wird, steht man irgendwann vor einem hohen schwarzen Tor, das zum Vorhof des Hôtel Salé und dem Eingangsbereich des Museums führt. Plötzlich findet man sich vor einem versteckten, aber gar nicht so kleinen Palais wieder, das von dem französischen Salz-Fürsten Pierre Aubert Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde. In hellem Sandstein steht es vor einem, mit den für Paris typisch steingrauen Dachschindeln bedeckt und schon wird man von den Türstehern durch die Glastür in das helle und weitläufige Foyer des Museums gewinkt.

Man dreht sich nach links, wenn man der Chronologie der Ausstellung folgen möchte und betritt erst mal einen Raum mit diversen Ausführungen der Plastik »Woman´s Head«, einem Porträt von Picassos früher Geliebter Fernande Olivier. In kubistischer Manier blickt sie einen an, mit keck geneigtem Kopf und eigentlich gar nicht so charmantem Aussehen. Und doch ist spürbar, dass viel Liebe drinsteckt, in diesem Bildnis, viel Hingabe zum Detail und eine genaue Auseinandersetzung mit Fernandes Antlitz.

Man geht weiter. Durch Räume mit Werken, die man kennt, Werken, die nur mäßigen Bekanntheitsgrad haben und Werken, die mit einem wunderbaren Überraschungseffekt aufwarten können, weil man sie nicht erwartet hätte. So steht man auf dem Streifzug durch die Ausstellung irgendwann vor fragil anmutenden Metallskulpturen, die seitlich betrachtet wie Bogenschützen aus geometrischen Formen wirken, aber aus dem richtigen Winkel aus Frontalansicht eine ganzheitliche Figur aus Kopf, Torso, Armen und Beinen ergeben. Man findet Gemälde der frühen Blauen Periode, einer Trauerzeit für Picasso nach dem Tod seines Freundes Carlos Casagemas, ausgeklügelte Skizzen zu Picassos Steinskulpturen und Stücke seiner bunten Keramiken.

Doch selbst außerhalb der Ausstellungsräume, in den Treppenhäusern aus hellem Sandstein mit zurückhaltenden, grauen Handläufen und dezenten Verzierungen des Wandsteins trifft man auf Werke Picassos. Seine hellen Steinskulpturen und graue Metallskulpturen fügen sich wunderbar in ihre Umgebung ein, fast so, als gehörten sie zur Originalausstattung des Hauses.

Wenn man nach zwei oder drei Stunden in dieser Traumwelt wieder auf die Straßen von Paris tritt, ist man erst einmal erleichtert, noch ein wenig verträumt durch das gemütliche Viertel Le Marais schlendern zu können, um dem Museumsbesuch noch ein wenig nachzusinnen. Denn ohne, dass man es vor Ort wirklich bemerkt hat, hat man gerade eines der am besten konzipierten und kuratierten Museen verlassen, das seine Besucher subtil durch die verschiedenen Werkstadien Picassos leitet und noch lange einen überraschend angenehmen Eindruck hinterlassen wird. Fast so, wie ein ungezwungener Urlaub, aus dem man Tiefenentspannt zurück nach Hause kommt.