Ausstellungsbesprechungen

Das Zeitalter Rembrandts. Albertina Wien, bis 21. Juni 2009

Man sollte um die Ecke denken: Nimmt man den Titel und meint, wo »Rembrandt« drauf steht, muss vor allem Rembrandt drin sein, ist man auf den ersten Blick etwas enttäuscht, das niederländische Jahrtausendgenie etwas zurückgedrängt wahrzunehmen. Doch der Schein trügt. In seinem Zeitalter, in dem das Spezialistentum gerade in den Niederlanden ausgeprägter war, als sonst irgendwo auf der Welt (man könnte fast hinzufügen: bis heute), brillierte Rembrandt in allen Sparten der Malerei. Seine Schülerschar sorgte dafür, dass sein Name verbreitet wurde – auch wenn der Meister selbst ein Reisemuffel war. Bei Rembrandt ist eben alles anders.

Und so begegnet er dem Betrachter mit kreativer Allmacht und mit einer unvergleichlichen Souveränität (wie locker kommt etwa sein »Elefant« daher, in einer nahezu impressionistischen Schraffur, verglichen mit dem durchaus perfekten, kraftvollen Dickhäuter von Roelandt Savery). Noch eines kommt hinzu: Das im Titel angekündigte Zeitalter wird in grandiosen Arbeiten ausgebreitet, und das, obwohl die Leihgeber zum Großteil aus Österreich stammen – aus den Niederlanden ist nur das Museum Catharijneconvent in Utrecht aufgeführt. Doch die Albertina kann schließlich auf Blätter von Weltrang zurückgreifen wie »Selbstbildnis mit dem aufgelehnten Arm«, das Porträt von »Jan Six«, die biblische Szene mit der »Auferstehung des Lazarus« oder die einzigartigen Arbeiten »Das Hundertguldenblatt«, »Die drei Kreuze« sowie die »Ecce homo«-Szene in verschiedenen Zuständen, nicht zu schweigen von Landschaften wie der »… mit den drei Bäumen«.

Plötzlich ist er doch der Mittelpunkt der Schau: Rembrandt. Aber damit nicht genug. Rund 70 Namen sekundieren ihm, mehr oder weniger direkt, im Vorgriff wie im Hauptfeld und in der Nachhut. Besondere Erwähnung verdienen Jan van Goyen mit der ganzen Bandbreite seiner Landschaftskunst und Albert Cuyp, der immerhin zeigen kann, dass er nicht nur die schönsten Kühe der Kunstgeschichte malen kann, sondern auch unter anderem ein vollendetes Hundeporträt präsentieren darf. Der Aufbau der Ausstellung folgt weitgehend den verschiedenen Genres: Bildnis, Landschaft, Marinebild, Sittenbild, Stillleben u.a.m., die den Geist des Goldenen Zeitalters atmen. Wie es der Tradition im Haus entspricht, dominieren in der Albertina freilich die Zeichnung und die Grafik – aber auch oder gerade sie zeugen vom Interesse der zunehmenden Zahl an kaufkräftigen Niederländern. Sie veränderten bzw. bestimmten die Kunst: Anders als in den katholischen Ländern, wo sakrale Themen einen bleibenden Stellenwert hatten – weil auch schon die Käuferschicht aus kirchlichem Umfeld kam –, fanden die bürgerlichen Kaufleute eher Gefallen an derben Genreszenen, liebevoll komponierten Landschaften, genauen Porträts – mal flüchtig skizziert, mal minutiös ausgeführt. Ermöglicht wurde die mustergültige Auswahl durch den hohen Bestand niederländischer Arbeiten in der Albertina, der u.a. auf Herzog Albert von Sachsen-Teschen zurückgeht – er war Ende des 18. Jahrhunderts Generalstatthalter der Österreichischen Niederlande in Brüssel. 150 Arbeiten aus der Ausstellung steuerte das Museum selbst bei.

Neben Abschnitten, die sich konzentriert mit einem Künstler auseinandersetzen, baut die Schau auf eine thematische Gliederung. So wird der Tradition und der Aufbruchstimmung um 1600 ein Forum geboten (van Coninxloo, Goltzius, Roelandt Savery), die Aspekte des frühen Realismus werden beleuchtet (Avercamp, Bailly), wie auch der Mensch in all seinen Facetten behandelt wird (ter Borch, Flinck, Adriaen und Isaac van Ostade, Visscher). Unter den Landschaften fallen die differenzierten Motive auf: Marinebilder sind ebenso zu sehen wie sich italienisch gebende Naturbilder. Begleitend zur Ausstellung ist ein opulent gestalteter Katalog erschienen, der keine Fragen oder Wünsche offen lässt.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr
Mittwoch von 10.00 bis 21.00 Uhr

Katalog
DAS ZEITALTER REMBRANDTS. Hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken. Vorwort von Klaus Albrecht Schröder, Text von Marian Bisanz-Prakken, Gisela Fischer, Uta Neidhardt, Martina Sitt, Joaneath Spicer. Ostfilden: Hatje Cantz, 2009.
ISBN 978-3-7757-2383-1