Ausstellungsbesprechungen

David John Flynn – Recognitions. Galerie Angelika Harthan, Stuttgart, bis 4. April 2009

David John Flynn ist ein klassischer Künstler im ursprünglichen Sinne, dem die aristotelische Bezeichnung des Handwerkers noch gut zu Gesicht steht: nicht nur, dass Flynn tatsächlich aus dem handwerklichen Kunstzweig der Textilkunst kommt, die über das ästhetische Empfinden und die Beherrschung der Technik eine besondere Fingerfertigkeit verlangt – er mischt auch nach geheimem Rezept seine Pigmente mit Bienenwachs und Dammarharz zu einer Farbpalette, die von innen zu leuchten versteht.

Doch ist der Maler weit davon entfernt, als Alchimist im Ungewissen zu stochern. Mit handfesten Schablonen rückt er seiner Bildwelt auf den Leib und fügt sie serienmäßig in scharfen Konturen zu einem universalen Ganzen, dessen ›Fragmente‹ er mit zufälligen Titeln versieht wie »across to the train station« – denkbar als eine fast schwarze Hommage an Ad Reinhardt –, »too confused to fill out the forms«, eine aquarellhaft-luftige Arbeit, oder »early morning in Hess-Straße«, das einen autobiografischen Bezug herstellt, der für die Arbeiten jedoch völlig irrelevant ist. Man darf Flynn durchaus Größeres unterstellen, wenn er auch nicht gerade Bruchstücke einer großen Konfession à la Goethe präsentiert. Doch hat er nichts Geringeres als die Schönheit im Visier, die er auch ausdrücklich in »schmerzhafter«, zuweilen »zerstörerischer« Schärfe schildert.

Flynn begann zunächst mit einem tagebuchartig durchstrukturierten Fotorealismus, ging dann zur pastosen Abstraktion über, um unter dem Einfluss von Clifford Still zu seiner poetischen Sprache und zu der selbst aus dem Dunkel noch leuchtenden Farbskala zu finden. In seinen jüngsten Arbeiten spielt der additive Prozess über Schablonen eine stärkere, differenziertere Rolle denn je, womit er auch eine nüchterne Distanz und Lakonie zum eingeschlagenen Lyrismus erreicht. In manchen Arbeiten sind sogar Paul-Klee-hafte Anklänge zu vernehmen (z. B. »working back through the crowd to find her«).

Der 1952 in Manchester (Conn.) geborene Sohn eines US Armeeoffiziers und einer Krankenschwester zog 1980 nach München und sieht sich seitdem als Mittler zwischen der amerikanischen und europäischen Malerei. Seine Ausstellungs- bzw. Serientitel, so etwa »inflections«, »keepsake« oder – wie in der Stuttgarter Schau – »recognitions« spielen mit transzendierbaren Begriffen wie Einkehr, Erinnerung, Andenken, Erkenntnis, Anerkennung usw. Immer handelt es sich um faszinierende Wahrnehmungen imaginärer Räume, die sowohl diesseitig wie jenseitig zu deuten sind.

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Öffnungszeiten:
Di–Fr 14–19 Uhr
Sa 11–16 Uhr