Ausstellungsbesprechungen

Der Große Pan ist tot!

Von Plutarchos, letzter Priester in Delphi, dem Heiligtum des Priesters Apoll und berühmtestes Orakel im antiken Griechenland, wird Pan für tot erklärt. Doch Totgesagte leben länger! Pan – der Gott der Natur und Gebieter über Arkadien – hat überlebt und die Stiftung Schloss und Park Benrath widmet diesem unkonventionellen Gott mit Bocksbeinen und Widdergehörn eine äußerst lebendige Ausstellung.

Bereits das Plakat zur Ausstellung verweist auf die gleichsam anziehend erotische und mystisch gebieterische Aura des Pan. »Der Satyr des Gartens der Hesperiden« von Néstor de la Torre präsentiert sich dem Betrachtenden in tradierter Denkerpose und blickt schräg von links auf einen imaginären Punkt außerhalb der Grenzen des Bildes. Sein ausdruckstarker Blick birgt offenbar ein großes Geheimnis, das dem Betrachtenden jedoch verborgen bleibt. Das Plakat lässt den Satyr – im Gegensatz zur Farbigkeit des Originals – in Grautönen vor einem schwarzen Hintergrund erscheinen, auf dem in großen roten Lettern »PAN!« geschrieben steht.

 

Der Besucher und die Besucherin der Ausstellung wird zunächst von der märchenhaft anmutenden Anlage von Schloss und Park Benrath empfangen und am Schlossweiher entlang zum östlichen Kavaliersflügel geführt. Hier befindet sich das Museum für Europäische Gartenkunst, das noch bis Dezember die Ausstellung »Der Große Pan ist tot! Pan und das arkadische Personal« beherbergt.

 

In den insgesamt 55 hochwertigen Exponaten aus aller Welt – von Athen bis Melbourne – begegnen wir den zahlreichen Facetten des antiken Gottes. Die Darstellungen in Malerei, Skulptur, Plastik und Kunstgewerbe zeigen Pan als Dämonen, mächtigen Gebieter Arkadiens, harmlosen Hirtengott, Melancholiker, Liebeshungrigen oder großen Verführer. Die Ausstellung folgt den verschlungenen Spuren Pans von der Antike bis in die Gegenwart. Neben dem bereits erwähnten Gemälde von Néstor de la Torre ist ein weiterer unbestreitbarer Höhepunkt der Ausstellung das Gemälde »Der Garten des Pan« von dem Präraffaeliten Edward Burne-Jones, das eigens aus diesem Anlass den weiten Weg von Melbourne nach Düsseldorf angetreten ist. Pan erscheint als ein jugendlich schöner Hirtenjunge, der vor einer paradiesischen Landschaft auf einer Anhöhe sitzend Flöte spielt und den Betrachtenden durch die zauberhaften Klänge in sein Reich einlädt. Auf der linken Bildhälfte lauscht das erste Menschenpaar in vertrauter Einheit dem Flötenspiel des Pan.

 

In einen eher ungewöhnlichen Kontext setzt Franz von Stuck den Gott der Natur und Gebieter über Arkadien in seinem Gemälde »Verirrt«. Der verirrte Pan irrt schutzlos durch eine abgeschiedene, eisige Schneelandschaft ohne jedes Zeichen von einer für ihn so existentiellen Vegetation. In dieser Landschaft kann Pan nicht überleben und man sieht den großen Schmerz, den einerseits die Kälte auf seinem Körper und andererseits die Einsamkeit und Entfremdung in seinem Herzen verursachen. Ganz im Gegensatz zu diesem frierenden und verkümmernden Pan zeigt Arnold Böcklin in seinem Gemälde »Pan im Kinderreigen« einen lebensfreudigen Gott der Natur. Als mächtige, in sich gekehrte Gestalt bildet Pan den Mittelpunkt des Reigens. Zu seinem Flötenspiel fassen die Kinder einander die Hände und tanzen voller Entzückung um den bockbeinigen Gott herum.

 

Bei der Vermittlung der Ausstellung wird lieber Menschen als Audioguides vertraut. Fünf fachkundige Damen und Herren erläutern während der gesamten Ausstellungsdauer an den so genannten Führungspunkten persönlich den Besuchern die Exponate.

 

Die Stiftung Schloss und Park Benrath birgt eine wunderbare und kulturhistorisch bedeutsame Ausstellung über den Facettenreichtum eines lebendigen Gottes! Der zugehörige Ausstellungskatalog ergänzt dies mit interessanten und wissenswerten Beiträgen aus unterschiedlichsten Disziplinen. Die Lebendigkeit und Dynamik des ungestümen Pan werden in wissenschaftlichen Beiträgen, einer Auswahl literarischer Texte, sowie Beschreibungen der Exponate vielseitig beleuchtet und dokumentiert.

 

Sehr empfehlenswert!

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr