Tagungen, Meldungen aus der Forschung

Der XXXI. Deutsche Kunsthistorikertag – Ein Rückblick

Vom 23. bis zum 27. März 2011 fand er statt, der Deutsche Kunsthistorikertag. Neben mittelalterlicher Buchmalerei wurden vor allem die Zeichnung, Skulptur und Gartenkunst der Frühen Neuzeit zum Thema der vielen Sektionen. Alles in allem ein recht traditioneller Bereich der Kunstgeschichte. Rowena Fuß war für Sie in Würzburg dabei.

Mit technischen Schwierigkeiten ging es los: Ein Kurzschluss sorgte für den Ausfall dreier Netzkarten bei den Ausstellern, die somit ihre digitalen Inhalte vorerst nicht präsentieren konnten. Ein wenig hilfsbereiter Mitarbeiter von der universitären Haustechnik kümmerte sich jedoch darum, so dass es weitergehen konnte.

Wenig berührt wurde dadurch die schiere Masse an Vorträgen in den Foren und Sektionen: Von der Wissenschaftsgeschichte der Kunstgeschichte über Kunstgeschichte und Bildung zu den Forschungen über die Kunst der Repräsentation, (spät)mittelalterliche Skulptur und Buchmalerei, der Zäsur um 1530, Quellenprobleme der Gartenkunst und der Zeichnung in Kunst und Wissenschaft wurde einiges geboten.

Widmen wir uns daher der ersten Sektion »Legitimation durch Fiktion«. Christina Strunck behandelte in ihrem Vortrag »Weibergeschichten« die Dualität von Hetero- und Autonomie bei der Präsentation der Herrscherinnenvita von Maria de’ Medici im Palais du Luxemburg/Paris. Die Medici präsentiert sich in den Bildern der Galerien als selbstbewusste Regentin. Ihre Legitimation schöpfte sie aus der Erfolgsgeschichte ihrer Familie. Die Ausführung der Bildzyklen lag bei Rubens und Florentiner Malern wie Marucelli. Ersterer orientierte sich auf Wunsch der Regentin an den 26 Historienbildern, die 1611/12 für die Florentiner Exequien der Margarethe von Österreich geschaffen wurden. Autonom setzte er jedoch ein Hochformat statt des üblichen Querformates ein und vollzog damit eine Entwicklung von der Historizität der Werke hin zu einer Allegorizität.

Bei dem Stichwort Fiktionalität knüpfte der Vortrag von Christiane Hille an, der sich mit dem Porträt am Englischen Hof zu Beginn des 17. Jahrhunderts beschäftigte. Von der relativ wahrhaftigen Abbildung des Porträtierten führte die Entwicklung durch die am Hof beheimatete „court mask“ zur Allegorie im Bild selbst. Die Illusion von perspektivischer Räumlichkeit in der Bühnengestaltung des höfischen Maskenspiels und die Karnevalisierung des Englischen Hofs vereinte Fiktion und Realität, was den Ausgangspunkt für die illusorische Bildgestaltung bot.

Bemerkenswert an den ersten Vorträgen war, was sich wie ein roter Faden durch den Großteil der Referate zog: die Vortragenden klebten regelrecht an ihren Ausarbeitungen, die sie zudem noch in ein rasantes Sprechtempo kleideten. Schuld war hier sicherlich der Termindruck, den Zeitplan einhalten und gleichzeitig komplexe Zusammenhänge schildern zu müssen.

Etwas losgelöster waren hier die Ausführungen von Eva Hanke zur Allansichtigkeit der italienischen Skulptur um 1530. Dabei bedurfte der Allansichtigkeits-Begriff selbst zunächst einer Klärung. Im 16. Jahrhundert wurde darunter vielfach eine rundherum herausgearbeitete Skulptur verstanden. Im Gegensatz dazu stand die Bevorzugung einer Hauptansicht bei Michelangelos »Bacchus« oder Giambolognas »Venus Urania«. Das asymmetrische Gesicht und die Verteilung der Trauben-Haare beim »Bacchus« führen zu perspektivischen Verformungen, die eine Hauptansicht von schräg rechts plausibel machen. Diese ist eine Folge bzw. Relikt eines ersten zweidimensionalen Figurenkonzepts und führt uns auf die richtungsweisende Rolle von perspektivischen Verformungen in der Malerei zurück.

Den alten Wettstreit zwischen Malerei und Zeichnung nahm sich Heinrich Schulze Altcappenberg in seinem Plenumsvortrag »Zeichnung in Kunst und Wissenschaft« vor. Mit der so genannten Zeichnung im Bild wurde das Medium der wissenschaftlichen Erkenntnis, wie es von der Lehrbuchskizze bekannt ist, in den gemalten Kontext versetzt. Die Zeichnung steht damit gleichwertig neben der Malerei.

Vollgesogen mit dem ganzen Wissen aus den zahlreichen Vorträgen suchte man im Anschluss auch etwas Herzhaftes für den Magen. Doch leider gab es nur Kuchen und Brezeln beim Catering in der Vorhalle. Aus der Not eine Tugend machend, wurde die Gelegenheit meistens beim Schopf gepackt und das ein oder andere nette Schwätzchen mit den Ausstellern geführt – bei Kaffee und Kuchen.

Alles in allem wurde der Besucher immer wieder von den Inhalten und den Gegebenheiten in Würzburg gefordert. Mit der wiederkehrenden Herausforderung des Objekts, die jeden Kunsthistoriker gepackt hält, warten wir nun gespannt auf den Internationalen Kunsthistoriker-Kongress 2012 in Nürnberg, der sich eben dies zum Thema gemacht hat.