Ausstellungsbesprechungen

Deutsche und amerikanische Malerei aus der Sammlung Frieder Burda

Die Schwerpunkte der Sammlung Frieder Burda liegen eindeutig in der amerikanischen und deutschen Malerei. Da ist es nur naheliegend, wenn sie sich von ihrer besten Seite zeigt. Ob es wirklich die beste ist, mag eine subjektive Spitze sein:

immerhin stehen hinter der vergleichsweise überschaubaren Auswahl dieser Ausstellung 800 potenzielle Kandidaten aus den Bereichen Malerei, Plastik und Grafik. Die Entscheidung für einen knappen Rückblick auf 60 Jahre Kunst in der westlichen Welt, mit rund 60 Arbeiten (und Frankreich mal ausgeklammert), birgt freilich die Gefahr, dass man ein Meisterwerk nach dem anderen sieht und zugleich wichtige Bilder und Namen vermisst.
 
Gleichwohl: Die US-amerikanische Kunst ist mit De Kooning, Rothko, Still, aber auch Katz, Morley, Loeb und Copley hervorragend besetzt. Besonderes Augenmerk liegt auf Alex Katz, der trotz seiner 80 Jahre ein topaktuelles Werk in der Nachfolge der Pop art präsentiert, die von den gegenwärtigen Realismen deutlich gefärbt ist. Die Arbeiten aus dem Hause Burda zeigen ihn als grandiosen Landschafter. Auf deutscher Seite treten Baselitz, Krieg und Schönebeck sowie Bauer, Eitel und Havekost an, die auf ein paar Hoch-Zeiten der alten und neuen bundesrepublikanischen Kunst verweisen. Am stärksten ist hier Tim Eitel (geb. 1971), der die Leipziger Malerei um Arno Rink, zusammen mit Neo Rauch, wesentlich prägte und nun mit ganz neuen Werken seine USA-Aufenthalte in den vergangenen Jahren verarbeitet.

Angesichts dieser kleinen Zusammenkunft großer Malerpersönlichkeiten, die ihre Lückenhaftigkeit mit selbstbewusstem Charme zur Schau stellt, muss mit besonderem Respekt der imposante Auftritt Eugen Schönebecks (geb. 1936) erwähnt werden, der mit fulminanten Porträts aus der Polit- und Literatenszene brillierte und im Alter von 30 Jahren, 1966, seine künstlerische Laufbahn beendete. Entsprechend der Ausstellungskonzeption, die einer ermüdenden Retrospektive eine Art persönliche Quintessenz entgegenstellt, ist der Katalog sehr schmal gehalten. Auch er zeigt nicht alles, was vor Ort zu sehen ist, doch er folgt gleich zwei Leitlinien: zum einen dem leitmotivischen Spruch »Weniger ist mehr«, zum anderen der Erkenntnis bzw. Mutmaßung: »Mehr ist nicht genug« oder doch, »Seht her, wir können auch mehr«.