Ausstellungsbesprechungen

Die Künstler der Kaiser: Von Dürer bis Tizian, von Rubens bis Velázques – Museum Frieder Burda, Baden-Baden, bis 14. Juni 2009.

Es muss schon etwas dahinter stecken, wenn das Museum Frieder Burda sein Haus für Kunst aus der Zeit vor 1750 öffnet – spätere Werke markieren hier nur noch ein paar historische Höhepunkte. Da der Hausherr keine alten Meister dieser Jahrgänge hat, ist es schon verwunderlich, in Baden-Baden Zeuge einer Epoche zu sein, die es sonst hier und vor allem in dieser Qualität nicht zu sehen gibt – auch nicht nebenan in der Kunsthalle. Das allein ist Anlass, mit einigem Pathos die Ausstellung, die nun zu Ende geht, Revue passieren zu lassen.

Die Protagonisten der Schau heißen in den oberen Rängen: Pieter Brueghel der Ältere und der Jüngere, Lucas Cranach der Ältere, Gerard David, Anthonis van Dyck, Thomas Gainsborough, Jan Gossaert (gen. Mabuse), Hans Holbein der Ältere und der Jüngere, Wolf Huber, Jacob van Ruisdael, Peter Paul Rubens, Bartholomäus Spranger, Bernd Strigel, Tintoretto, Tizian, Velázquez, Veronese, Hans Vredeman de Vries. Unter den Bildhauern ragen Hubert Gerhard, Gianbologna, Leonhard Kern, Leone Leoni und Adriaen de Vries hervor. Eines haben diese Galionsfiguren der Kunstgeschichte gemeinsam: Ihre in Baden-Baden ausgestellten Arbeiten stammen allesamt aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien, das zur Zeit umgebaut wird.

Dass sie den Weg von der Donaus an die Oos gefunden haben, ist freilich kein Zufall. Dazu bedarf es einer besonderen Konstellation, besonderer Connections – und vielleicht sogar so etwas wie Männerfreundschaften. Frieder Burda weiß sich denn auch »seinem Freund Götz Adriani« verpflichtet, der »die Ausstellung initiiert, ... kuratiert und den umfangreichen Katalog gestaltet sowie herausgegeben« hat. Gemeinsam konnten sie die Verantwortlichen des Kunsthistorisches Museums mit ins Boot nehmen. »Als der Sammler Frieder Burda«, so schrieb Wilfried Seipel, in der Vorbereitungsphase noch Generaldirektor in Wien, »spontan die Einladung aussprach, ... in Baden-Baden eine repräsentative Auswahl von Objekten aus den habsburgischen Sammlungen zu zeigen, haben wir nicht gezögert und unsere volle Unterstützung für dieses Projekt zugesagt, wobei wir darin nicht zuletzt durch unsere Besuche dieser faszinierenden Museumsarchitektur bestätigt worden sind«. Als eine Art hilfreicher guter Geist war der Architekt Richard Meier demnach mit im Spiel, genauso wie – als sozusagen graue Eminenzen – der Kaiser Maximilian I. samt seiner Habsburger Sammlerdynastie bis hin zu Maria Theresia: So trifft die aristokratische Sammlerleidenschaft (die sich einst ja auch um gegenwärtige Kunst bemühte und verdient machte) auf die bürgerlichen Nachfolger, ohne die die Kunst insgesamt kaum in dieser Breite an die Öffentlichkeit käme. Die noble Schau in Baden-Baden gewährt einen Blick auf rund 70 Gemälde, gut 50 Objekte aus der Kunstkammer sowie etliche Wandteppiche.

Habsburg steht auch für große Politik, was sich in der Kultur widerspiegelt – die fruchtbaren Beziehungen zwischen der Macht und der Kunst sind bis heute nicht nur in Wien, sondern auch im spanischen Prado zu sehen. Kein Wunder also, dass sich etliche Bild gewordene Regenten, Infanten, Mäzene im badischen Kurort tummeln – dessen mondäne Geschichte doch eine mehr als passable Kulisse für die altehrwürdige Kunst abgibt. Bernhard Strigels »Bildnis Maximilian I.« (nach 1507) und Carl Höflmayrs »Sisi« (1856) markieren so den zeitlichen Rahmen, in dem sich dann allerdings alle Genres finden lassen. Eines der beeindruckendsten Beispiele ist das »Bildnis eines weißbärtigen Mannes« von Tintoretto, in dem uns ein weiser Mann aus dem Dunkel heraus allein mit seinen lebhaften Augen eine Geschichte zu erzählen scheint. Fast originell ist auch das »Bildnis eines bartlosen Mannes« von Hans Maler, das einst unseren 500-Mark-Schein zierte. Eines der wichtigsten Ausstellungsstücke entstammt der sagenhaften Wiener Kunstkammer und ist – ein Buch! Albrecht Dürers »Kunstbuch von Nürnberg« mit Handzeichnungen und Holzschnitten wurde noch nie zuvor ausgeliehen. Es enthält das wunderbare Blatt »Der Honigdieb«, das sich auf eine Idylle von Theokrit bezieht – vielleicht das schönste Bild der Ausstellung.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10.00-18.00 Uhr

Katalog
Götz Adriani (Hrsg.): Die Künstler der Kaiser. Von Dürer bis Tizian, von Rubens bis Velázques. Aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Köln: DuMont, 2009.
ISBN 978-3-8321-9200-6