Ausstellungsbesprechungen

Ed Ruscha. Bücher & Bilder, Museum Brandhorst, München, bis 22. September 2013

Der hierzulande eher unbekannte amerikanische Künstler Ed Ruscha (* 1937) verkörpert eine spezifische Richtung der Pop Art. Besonders seine Künstlerbücher haben es in sich: Mal ironisch bis sarkastisch, mal erforschend bis hin zu dokumentarisch persiflieren sie Massenmedien und Filme. Günter Baumann findet, dass die Banalität des Seins wohl kaum tiefgründiger dargestellt werden kann.

Kaum zu glauben, es ist schon acht Jahre her, dass Ed Ruscha den amerikanischen Pavillon auf der Biennale vertrat. Allein die Tatsache, dass er zu den Künstlern gehört, die im Gedächtnis blieben, gibt ihm eine Aura des Besonderen – obwohl er in Deutschland gar nicht so bekannt ist. Das mag daran liegen, dass er sich zwischen den Stühlen der Stile niedergelassen hat. Warhol, Lichtenstein, Oldenburg, Rosenquist und andere mehr fallen einem spontan ein, wenn man an die Pop Art denkt, der Ruscha auch zuzuordnen wäre. Andrerseits sieht man schnell, dass er anders mit den Massenmedien umgeht wie seine Kollegen, dass viel Konzeptionelles in seinem Werk steckt, dass so gar nicht in die Pop-Kultur passen will. Die Biennale in Venedig zeigte, dass es einiges aufzuholen galt bei der Wertschätzung des 1937 geborenen Künstlers, aber auch da lief ihm etwa Mel Ramos zumindest hierzulande den Rang ab – kein Wunder, geizte der doch nicht mit sinnlichen Reizen, gegen die die Arbeiten Ed Ruschas mehr als verhalten wirkten.

Eine grandiose Schau im Museum Brandhorst in München, die in Kürze zu Ende geht, dürfte hier ein wenig Abhilfe schaffen. Der dazu erschienene Katalog, »Ed Ruscha – Bücher und Bilder / Books and Paintings«, herausgegeben von Armin Zweite, ist zwar weitaus weniger opulent aufgemacht als die gängigen Wälzer, die schon vom Umfang her wichtig erscheinen wollen und doch nur gewichtig protzen. Der Düsseldorfer Richter/Fey Verlag, bekannt für Kataloge, die eng mit den Künstlern entstehen, hat einen typografisch sehr feinen, im Bild-Textteil wohldurchdachten Band veröffentlicht, den das Museum auch als Dankesgabe an Ed Ruscha verstanden wissen will, der die Münchner Sammlung mit großzügigen Schenkungen bedacht hat. Ausstellung und Katalog setzen zwar die Wortbilder voraus, die schon publiziert vorliegen, doch sie machen den Blick frei auf einen vielseitigen Künstler, der nicht nur mit dem Wort umzugehen weiß, sondern auch mit dem Medium Buch. In Fotografien, Gemälden und Künstlerbüchern präsentiert Ed Ruscha sich als Concept-Art-Künstler ersten Ranges, der sich zudem souverän der Alltagsklischees bedient, welche die Pop Art auf ihre Fahnen schreibt.

Die Banalität des Seins kann tiefgründiger kaum dargestellt sein als in den Fotoserien und bildlichen Annäherungen an Romanvorlagen à la Kerouac, als in den wunderbaren Überblendungen von Wort bzw. Schrift und Bild sowie in den pathosschweren, stockfleckigen Folianten mit leeren (!) – also sinnlosen – Seiten, die auf den ersten Blick irritieren, ob sie nun gemalt oder fotografiert sind. Hier erweist sich Kunst als Zwischenraum von Memento mori und Massenprodukt. So ist es denn die Darstellung einer spannungsgeladenen Leere, die Ed Ruscha zu einem würdigen Nachfolger Edward Hoppers und zu einem der bedeutendsten Künstlern Amerikas überhaupt macht. Auch wenn die Sonderschau ausläuft: Seine Gemälde sind zum Glück auch nach der Ausstellung – bis auf weiteres, heißt es – im Museum Brandhorst zu sehen.

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