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Ei(n)fälle. Zur Geschichte des Eierkochers

Jeder will es: ein wohltemperiertes Frühstücksei mit dem bevorzugten Härtegrad. Nicht immer erzielt man beim Eierkochen jedoch das gewünschte Resultat. »Zu weich! Zu hart!« – Die Ei-Zubereitung ist eine Geschichte voller Missverständnisse, eine Geschichte voller Klang und Zorn, die Erhitzung des Eis in der Schale ein chronischer Problemkomplex, zu dessen Lösung Ingenieure antraten und eine Erfindung machten: den Eierkocher.

Eiersieder von Walker & Hall Ltd. (links) und AEG (rechts)
Eiersieder von Walker & Hall Ltd. (links) und AEG (rechts)

Die Geschichte des Eierkochers beginnt Ende des 18. Jahrhunderts und ist eng mit der des Frühstückseis verbunden. Seine Ursprünge liegen Gerüchten zufolge in Schottland. Einen Hinweis darauf gibt ein Handbuch der Gesundheit im Jahr 1808: »Wir haben uns in neueren Zeiten an Thee und Kaffee zum Frühstück gewöhnt … In Schottland pflegt man die sogenannte Marmelade oder mit Zucker eingemachte Pomeranzenschalen zum Frühstück zu essen; an andern Orten wählt man frische Eier, die eben so wenig getadelt werden können.« Die Engländer haben sich für diese Sitte jedenfalls so sehr begeistert, dass sie Anfang des 19. Jahrhunderts einen Eierkocher konstruierten. In Gabriel Buchs Handbuch der Erfindungen, das 1807 in Eisenach erschien, liest man dazu folgendes: »In England hat man vor kurzem eine neue Art von silbernen Eyersiedern erfunden, die täglich in diesem Lande nötiger werden, weil die aus Schottland dahin verpflanzte Sitte, Eyer zum Frühstück zu genießen, immer allgemeiner wird. In der Mitte dieses neuen Eyerkochers steht eine Art von Theekanne, unter welcher eine von Spiritus unterhaltene Lampe brennt. Rings umher ist eine ansehnliche Familie von Eyerbecherchen aufgepflanzt, und oben befindet sich eine Sanduhr, welche gerade drey Minuten läuft; dies ist nämlich genau die Zeit, welche erfordert wird, um ein Ey halbgar zu kochen und es zum Frühstück zu essen.«

Ähnlich ist unser Exemplar aus der englischen Firma Walker & Hall Ltd. aus dem Jahr 1890 aufgebaut. Unter dem oval geformten Gefäß für die Eier liegt die Wärmequelle, die mit diesem über ein dreibeiniges Gestell verbunden ist. Durch die handliche Größe des Geräts von 23 Zentimetern konnten die Eier frisch am Tisch zubereitet werden. Bedeutung kam bei der Entwicklung der Galvanik zu. Mittels Strom wird bei diesem elektrochemischen Verfahren ein Gegenstand gleichmäßig von allen Seiten mit einem anderen, meist höherwertigem Metall überzogen und veredelt. Statt teures Silber für das ganze Gefäß zu verwenden, ließ man einfach billigeres Nickel mit einer Silberschicht überziehen. Das entstandene Produkt war dadurch für einen breiteren Käuferkreis erschwinglich.

Unser Stück aus England mag für ein feineres Publikum bestimmt gewesen sein. Den Deckel zieren Hirten- und Pflanzenmotive, obenauf sitzt eine vollplastische Wachtel. Gestützt wird der Eierbehälter von drei stilisierten Kranichen. Gänzlich schmucklos ist dagegen ein Exemplar von 1889 aus dem Hause AEG. Hier wird das Wasser im Edelstahlbehälter zudem elektrisch erhitzt, nicht wie beim englischen Vertreter durch eine Spirituslampe.

Die Form des Eierkochers hat sich seitdem gewandelt und ist heutzutage meist als flaches Oval zu bezeichnen. Probleme bereitet allerdings immer noch die richtige Kochzeit. Aber dafür gibt es mittlerweile solch schöne Erfindungen wie das Piepei, das mit zu den Eiern in den Topf gelegt wird und je nach Härtegrad eine andere Melodie summt oder die perfekte Eieruhr als App. Letztere richtet die Siedezeit nach Größe und Temperatur des Eis sowie nach Höhenmetern des Zubereitungsortes aus.