Ausstellungsbesprechungen

Ernst Plischke. Ernst Plischke als Möbeldesigner.

Wer war denn Ernst Plischke? Beim Anblick der Plakate zur neuesten Ausstellung im Kaiserlichen Hofmobiliendepot in Wien werden sich wohl nicht wenige diese Frage stellen. Neugier ist sicher nicht der schlechteste Antrieb zum Besuch einer Ausstellung, dennoch soll zumindest diese Eingangsfrage rudimentär beantwortet werden, bevor die eigentliche Ausstellung in den Vordergrund der Betrachtungen tritt.

Ernst Plischke (1903 - 1992) wird zu den bedeutendsten Repräsentanten des "Neuen Bauens" in Österreich gezählt. Geboren und aufgewachsen in Klosterneuburg, erhielt Plischke seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule (Entwerfen von Möbeln und Inneneinrichtungen) und der Akademie der bildenden Künste (Architektur) in Wien. Nach Abschluss seines Architekturstudiums arbeitete Plischke im Baubüro seines Lehrers Peter Behrens bzw. im Baubüro von Josef Frank, bevor er 1928 sein eigenes Architekturbüro in Wien begründete (Arbeitsamt Wien-Liesing, Haus Mühlbauer Wien, Doppelhaus in der Wiener Werkbundsiedlung, Haus Gamerith am Attersee u.a.). Bereits während seines Studiums war Plischke als Innenarchitekt tätig. Erste Auftraggeber waren Freunde (Walter Gamerith und Familie, Max Frey) und Familienangehörige. Es folgten Aufträge zur Einrichtung der Wohnung von Hans und Lucie Rie (1928), des Fabrikanten Viktor Böhm (1930), der Ärzte Dr. Herrmann Nunberg (1930), Dr. Eduard Bibring (1931/32), Dr. Felix und Dr. Helene Deutsch (1932) und Dr. Leopold Ruhm (1935). Plischke gestaltete auch die Wohnung des Direktors der Firma Bunzl & Biach, Dr. Theo Herzberg-Frankel, sowie 1933 seine eigene Wohnung in der Langen Gasse. 1939 emigrierte Plischke nach Neuseeland und kehrte erst 1963 als Professor für Architektur an der Akademie der bildendenden Künste nach Wien zurück. 1983 veranstaltete die Akademie der bildenden Künste in Wien eine Ausstellung zu Plischkes 80. Geburtstag, 1989 erschien seine Autobiographie "Ein Leben mit Architektur". Ernst Plischke starb 1992 in Wien.
Von der Vita zurück zur Ausstellung: Bereits seit Oktober 1999 kann im Hofmobiliendepot die von Ernst Plischke eingerichtete Wohnung der Keramikkünstlerin Lucie Rie besichtigt werden. Lucie Rie hatte bei ihrer Emigration nach England ihre vollständige Wohnungseinrichtung in Wien abbauen und in London wieder aufbauen lassen. Auf diese Weise blieb eine Raumschöpfung Plischkes über die Jahrzehnte erhalten, ein Schicksal, welches nicht vielen seiner innenarchitektonischen Werke beschert war. Nach Lucie Ries Tod konnte das Wiener Hofmobiliendepot die Einrichtung erwerben und von London nach Wien zurückbringen.
Schwerpunkt der Sonderausstellung im Hofmobiliendepot sind Plischkes Möbelentwürfe aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jhdts. Alle Exponate stammen aus Privatbesitz und sind erstmals gemeinsam und öffentlich zugänglich. Hochrangigste private Leihgeberin ist Her Majesty Queen Elisabeth II., Eigentümerin des Prunkstücks der Ausstellung: ein Schreibtisch, entworfen von Ernst Plischke im Jahre 1947 als offizielles Hochzeitsgeschenk Neuseelands für die damalige britische Kronprinzessin Elisabeth.

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Es wurde versucht, den optischen Gesamteindruck der Plischkeschen Wohnungseinrichtungen zumindest teilweise durch - nach vorhandenen Stoffresten - neugefertigte Draperien wiederherzustellen. Die Vorhangstoffe für die von Ernst Plischke eingerichteten Wohnungen hatte im Original seine an der Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie ausgebildete Schwester Grete gewebt. Bevorzugte Farbe für Plischkes Vorhangentwürfe war Blau - passend zum häufig verwendeten Nussbaumholz.
Neben den fertigen Möbeln präsentiert das Hofmobiliendepot auch die erhaltenen Entwurfszeichnungen Plischkes aus den Beständen des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste Wien.
Insgesamt eine lehrreiche, ansprechende Ausstellung, die durch intelligent angebrachte Objektbeschreibungen (beim Objekt in Augenhöhe schwebend) und einen klarstrukturierten Aufbau besticht. Das Hofmobiliendepot ist immer einen Besuch wert, nicht nur um alte Bekannte zu treffen, sondern auch um neue - alte - Künstler kennen zulernen. Die Frage "Wer war denn Ernst Plischke?" sollte nach dieser Ausstellung der Vergangenheit angehören.

 

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag, 10.00 - 18.00 Uhr

Tickets

EUR 6,90/ EUR 4,30 (Ausstellung und Museum)
EUR 4,-/ EUR 3,- (Vorträge)

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