Ausstellungsbesprechungen

European Media Art Festival (EMAF) 2006

Die Ausstellung zum diesjährigen European Media Art Festival (emaf) steht unter dem Motto „smart art“. Es werden Videoarbeiten, Installationen und kinetische Objekte gezeigt, die sich durch Cleverness und hintergründigen Witz auszeichnen. Der Wahnsinn der Medienwelt und die Absurditäten des Alltags werden aufgezeigt, und der Betrachter kann sie für sich selbst hinterfragen. Die Kunsthalle mit ihrem gotischen Hallenkirchenraum bietet den modernen Werken wie immer den kontrastierenden mittelalterlichen Rahmen.

Für Schaulustige, Voyeure und andere Menschen, die sich gerne auf neue Perspektiven einlassen, haben die Ausstellungsmacher eine breite Palette von Arbeiten internationaler Künstler des bewegten Bildes zusammengetragen.

 

Extra für den Korridor des ehemaligen Kreuzganges der Osnabrücker Kunsthalle schuf Julia Willms ihre Installation „Passageway“. Das Abbild des Ganges wird an sein Ende projiziert und verlängert ihn so ins Unendliche. In dieser Hommage an die klassische Illusionsmalerei verändert sich der Gang; er wird durch eine Treppe verstellt, die in sich zusammenfällt; eine Tür erscheint und öffnet sich, der Gang wird von Pflanzen überwuchert.

 

Corinna Schnitt zeigt in ihrer Arbeit „Once upon a time“ ein modernes Märchen ohne Drehbuch und mit ausschließlich tierischen Darstellern. Schauplatz ist ein biederes Wohnzimmer, in dem sich die Kamera langsam um die eigene Achse dreht. Zunächst taucht eine Katze auf, dann mehrere, dann Hunde, Papageien, Hühner und Enten, schließlich Ziegen, Schafe, ein Esel, ein Lama, eine Kuh. In dieser tierischen „Schillerstraße“ werden keine Anweisungen gegeben, und doch interagieren die Darsteller zu putzig miteinander, dass es eine Freude ist, dabei zuzusehen, wie sie in aller Friedfertigkeit das bürgerlich-aufgeräumte Wohnzimmer zusehends ins Chaos stürzen.

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 Aus einem abgetrennten Teil des Raumes dringt immer wieder Besucher-Gekicher. Grund ist Melanie Manchots leicht befremdliche Videoarbeit „Security“. In sieben Szenen sieht man jeweils einen überaus coolen Türsteher tagsüber vor seinem um diese Uhrzeit geschlossenen Club auf Ibiza stehen, der sich entkleidet, einige Momente in die Kamera schaut und sich dann wieder anzieht. Dass sich die Gefilmten dabei sichtlich unwohl fühlen, trägt genauso zur (unfreiwilligen) Komik bei wie das Fehlen jeglicher Posen und Musik. Der eher unerotische Männer-Striptease präsentiert nur nackte Tatsachen, die Persönlichkeit hinter dem durchtrainierten Körper muss man selbst erspüren anhand seiner teilweise ungelenken Bewegungen zwischen jobbedingter allabendlicher Allmacht und deren völliger Negierung.

 

Das wohl skurrilste Gesamtkunstwerk hört auf den schönen Namen Mocmoc. Es handelt sich dabei um einen Provinzskandal in Form eines pokemonähnliches Fabelwesens, das von den Schweizer Konzeptkünstlern Com & Com samt brandneuer mittelalterlicher Legende ins Leben gerufen wurde. Das besonders von Kindern sehr geliebte Mocmoc steht auf dem Bahnhofsvorplatz in Romanshorn und persifliert die staatliche Denkmalkultur des öffentlichen Raumes. Das geniale Mocmoc-Konzept beinhaltet außerdem eine eigene Merchandising-Linie mit Schulheften, T-Shirts und Hörspielen sowie eine Dokumentation, die als Video zu sehen ist.

 

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Immer wieder geht es um Außenseiter, um Dinge, die aus ihrem Zusammenhang entfernt und in einen anderen gestellt sind, und um Szenen, die nicht zusammenpassen wollen. Dabei sind die meisten Arbeiten eher heiter oder poetisch angelegt, es gibt aber auch einige sehr nachdenkliche und kritische Beiträge. In weiteren Arbeiten sehen Sie, was eine Botanikerin entzückt (Ilka Lauchstädt), wie der Bundesadler das Fliegen lernt (Roland Fuhrmann), wie irreal die Realität eines Hooligankrieges erscheint (Martin Brand), was Bjørn Melhus aus „Star Trek“ macht und was alles zu beachten ist bei „Sieben bis zehn Millionen“ (Stefan Panhans). Begegnen Sie der „smart art“ und lassen Sie sich überraschen!

 

 

Öffnungszeiten

11. – 13. Mai 2006 / 10 – 22 Uhr

14. Mai / 10 – 20 Uhr

16. Mai – 18. Juni / 11 – 18 Uhr

Sa. und So. 10 – 18 Uhr

Montags geschlossen